Was versteht man unter Psychohygiene?

Ein Mensch sagt, und ist stolz darauf
ich geh in meinen Pflichten auf.
Doch bald darauf, nicht mehr so munter
geht er in seinen Pflichten unter.
Eugen Roth

Psychohygiene gilt als die Wissenschaft und Praxis von der Erhaltung der seelischen Gesundheit (siehe auch ‚Hygiene‘). Sie beschäftigt sich mit Lebensumständen, die sich begünstigend oder schädigend auf den menschlichen Organismus auswirken (siehe dazu auch den Beitrag ‚Psyche, was ist das?‘)

Ziel ist die Frühentdeckung der Beeinträchtigung psychischer Gesundheit, Aufklärung und Prävention. Die Psychohygiene als ein Teilbereich der Hygiene und Gesundheitsvorsorge beeinflusst alle Aktivitäten des täglichen Lebens, sowohl die physiologischen, als auch die psychologischen und geistigen (siehe dazu die Beiträge ‚Burnout – tiefer geblickt und ‚Burnout – Mensch und Arbeit am Scheideweg‚) .

Ziel der Psychohygiene ist es, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge und gesunden Lebensführung, psychische Belastungen zu reduzieren bzw. nach Möglichkeit auszuschalten. Belastungen lassen sich in Leistungsdruck, beruflicher Beanspruchung, starke Emotionen, Aufregung, Spannung und Angst differenzieren, wobei diese Auswirkungen auf die psychische, physische und soziale Integrität des Menschen haben und als Stressfaktoren bezeichnet werden.

Wie wird  ’seelische Gesundheit‘ definiert?

Was einem sowohl assoziativ als auch im Internet sofort begegnet ist der Gegenbegriff zu ’seelisch gesund‘, nämlich ’seelisch erkrankt‘. Dazu liest man ‚: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben nach wie vor mit Stigmatisierung zu kämpfen. Für die Betroffenen sind Zurückweisung und Ausgrenzung eine enorme Belastung.“

Psychohygiene, so lässt sich also schlussfolgern, hat  zur Aufgabe, psychischer Erkrankung vorzubeugen. Ergebnis guter Psychohygiene ist ‚Resilienz‘.

„Resilienz“ stammt aus dem Englischen (resilience) und kann mit Widerstandsfähigkeit (Elastizität oder Spannkraft) übersetzt werden. Der Begriff meint die Fähigkeit, mit belastenden Situationen gut umgehen zu können.

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur, seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, insbesondere seine emotionale Intelligenz, d. h., seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren und seine mehr oder weniger ‚pro-aktive‘ Einstellung zu Problemen (Neigung zum Verharren in Problemtrance / Problemfixierung oder aber Problemlösungsorientierung).

Einige Gruppen von Menschen erweisen sich als besonders resilient. Das sind in der Regel solche, die einen starken Zusammenhalt haben, eher kollektivistisch als individuell orientiert sind und sich durch starke Werte auszeichnen, die von den meisten Leuten aus der entsprechenden Gruppe geteilt werden (in der Resilienzforschung als „shared values“ bezeichnet).

Siehe Wikipedia Artikel: Resilienz

Wie kann aber Psychohygiene in einer hochindividualisierten Leistungsgesellschaft möglich gemacht werden? In einer Gesellschaft, in welcher der soziale Zusammenhang immer zufälliger wird und damit die Stabilität und Tragfähikgeit von Beziehungen abnimmt?

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Nik Wallenda (34)  auf einem Hochseil über den Grand Canyon

Antwort: Indem man ‚balancieren‘ lernt, auf auf dem ’schmalen Grat‘ zwischen gegensätzlichen Anforderungen zu gehen lernt, d.h. indem ‚geistig und mental höchst beweglich wird.‘ Das setzt die ‚Fähigkeit voraus, alle Überzeugungen ‚einklammern‘ zu können  und ‚ganz da zu sein‘, d.h. alles was überhaupt wert ist getan zu werden, auch mit ‚ganzer Aufmerksamkteit zu tun‘ (Stichwort: Flow).

„Volle Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller besonderen und schon ausgeformten Gedanken einem Menschen auf einem Berge gleichen, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich, doch ohne hinzublicken, viele Wälder und Ebenen bemerkt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen.“ – Simone Weil

Der Dichter Franz Kafka hat dazu folgendes angemerkt: „Die Wahrheit ist das, was jeder Mensch zum Leben braucht und doch von niemand bekommen oder erstehen kann. Jeder Mensch muss sie aus dem eigenen Innern immer wieder produzieren, sonst vergeht er. Leben ohne Wahrheit ist unmöglich. Die Wahrheit ist vielleicht das Leben selbst.“

Siehe dazu auch: Psychoneuroimmunologie,  ‚Widerstandskraft entwickeln – aber wie?‚, ‚Output ohne Input, das geht auf Dauer nicht‘ und ‚Wohlwollend neutrales Beobachten‘ und Entspannungsmusik

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Veil of Thoughts

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Nichts Menschliches ist mir fremd…. ‚Tribute to C.G.Jung‘

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Was uns Pandemien über Gesundheit beibringen könnten

Was bedeutet ‚Gesundheitspolitik‘ in Zeiten einer globalen Pandemie?

Es bedeutet vor allem dieses:

Prävention von Pandemien, Kompetenz im Umgang mit einem alltäglich gewordenen gefährlichen Virus (‚Hygiene) und Optimierung der Behandlungsmöglichkeiten schwer Erkrankter.

Hoch ansteckende Krankheiten machen uns primär eines klar: gemeinsam fallen wir, gemeinsam steigen wir. Was soviel heißt, wir als vergesellschaftete Wesen, die nur in Beziehung vorkommen, sind als gesellschaftliche Wesen herausgefordert, für gesundheitsfördernde Beziehungen (Umweltbeziehungen, Sozialbeziehungen, Selbst-Beziehungen) zu sorgen. Ansonsten holt uns diese Tatsache in Form von unkontrollierbarem Massenleid eines Tages unaufhaltsam ein.

Wir erleben selbiges gerade, sind mitten in einer solchen Situation.

Der kollektive Charakter von Gesundheit und Krankheit wird aber durch die notwendige hygienische Maßnahmen der physischen DISTANZIERUNG und sozialen ISOLIERUNG als Intervention zur Unterbrechung eines explodierenden Infektionsgeschehens verschleiert. Jeder ist potentieller Überträger der Krankheit, somit ein potentieller ‚Gefährder‘ der Anderen. Haltet Abstand voneinander, wascht die Hände und tragt Mundschutz! Es liegt an jedem Einzelenen, an der Eigenverantwortung, ob WIR das Virus „in den Griff bekommen, oder nicht.“ – So lauten die aktuellen Botschaften. Und wenn sie nicht ausreichend ‚greifen‘, gibt es wieder einen ‚Lockdown‘ des gesellschaftlichen Lebens. Als eine Art ‚Strafe‘ für ‚Fehlverhalten’…..

So findet jene problematische Remoralisierung von Krankeit und Gesundheit statt, welche die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin zu überwinden trachtete. Gesundheitspolitik als Einfallstor sozialer Kontrolle und Macht (‚Biopolitik‘). Wir opfern unsere Freiheit der ‚Risikominimierung‘: exkludieren wir doch gemeinsam potentielle Gefährder!

Eine ALTERNATIVE dazu wäre das Verlassen dieses Wegs der sozialen Spaltung und Stärkung des Bewusstseins unserer gegenseitigen Abhängigkeiten: gemeinsam fallen wir, gemeinsam steigen wir. Bedeutet konkret: erkennen, wie gefährlichen Viren in menschliche Habitate eindringen bzw. wir als Menschen in natürliche Habitate von Tieren eindringen, welche dann gefährliche Viren auf uns übertragen; dass wir alle für eine gesunde Umwelt verantwortlich sind, anstatt wie wild drauflos zu produzieren und konsumieren….. . Solidarische Sozialbeziehugen statt sazialer Spaltungen und statt einseitiger Ausbeutungsverhältnisse; und nicht zuletzt eine solidarische Gesundheitspolitik, die nicht marktökonomisch ‚optimiert‘ wird, und mangelnde Versorgung und Vorsorge an Behandlungsmöglichkeiten bewirkt. Und last but not least: sich selber gesund ernähren, gesund bewegen, etc.

Bislang ist der ‚alternative Weg‘ noch nicht einmal ansatzweise politisch beschritten worden. Sich empören und ducken ist halt einfacher……sich innerhalb der Lebensweise bewegen, statt diese zu ändern, das ‚System‘ in Frage zu stellen, sich genau informieren und Unhaltbares beenden.

Na ja, klar, fürs erste siegen immer die ’schrecklichen Vereinafacher‘. Lernprozesse dauern halt. Vielleicht haben wir noch ausreichend Zeit dafür. Darf ich meine Zweifel anmelden?

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Handlungssicherheit durch gemeinsame Reflexion

Die prinzipielle Unvereinbarkeit vieler sozialer Anforderungen Individuen anzulasten verstärkt Ausweglosigkeit im Verhalten und einen falschen Einsatz von Moral. Die Praxis zeigt, dass man sich daher im ‚Sowohl-als-Auch‘ arrangiert, aber irgendwie zufällig, wenig reflektiert, selten gemeinsam besprochen und ausgehandelt. Immer lauert dahinter die Gefahr gegenseitiger moralischer Belastung und Entwertung. Strukturelle Widersprüche lassen sich nicht durch Setzung übergeordneter Werte aufheben oder nach richtig und falsch entscheiden. Je nach Situation, Aufgabe, Zielsetzung muss anders balanciert werden. Tragfähige gemeinsam verbindliche Werte entstehen immer erst in gemeinsamen Reflexions- und Aushandlungsprozessen.

Prozessethische Reflexion  ist gemeinsame, d.h. laute und miteinander geteilte Selbstreflexion: Es geht dabei um das miteinander Teilen von Sichtweisen, wechselseitiges Anhören, d.h. um Konfrontation des über Andere Gedachten mit dem von ihnen selbst Gesagten. Unterschiede der Sichtweisen und Werte treffen dabei aufeinander, werden gegenseitig wahrgenommen, einander verständlich gemacht und im günstigen Fall so verhandelt, dass sie in gemeinsam getragene Lösungen münden. Zielsetzung dabei ist es, von der individuellen Selbstreflexion zu einer kollektiven Selbstreflexion voranschreiten zu können, die, auf breitere Basis gestellt, letztlich auch mehr Sicherheit in praktischen Fragen und auch eine umfassendere Orientierung in komplexen Themenstellungen und Herausforderungen ermöglichen soll.

Dabei gibt es aber eine grundlegende Schwierigkeit, nämlich das ‚Paradoxon des Wollens‘:

“ Es gibt zwei Hypothesen, die Hypothese der Wissenschaft, dass es keinen Willen gibt (‚Kausalität‘), und die des allgemeinen Menschenverstandes, dass der Wille frei ist.“ Dieses Paradoxon ist nur zu bewältigen, wenn wir die Fähigkeit haben, im offenen Zwiegespräch „des gemeinsamen Denkens Zwei-in-Einem zu werden“, wie es die Philosophin Hannah Arendt so treffend ausgedrückt hat.

Diese Fähigkeit ist uns Menschen als ‚Sehnsucht nach Einheit in Vielfalt‘ zugänglich gegeben, in  jeder Lebenssituation, in jedem Moment. Man kann sie aber nicht explizit herstellen und formal nicht repräsentieren, höchstens metaphorisch andeuten und praktisch leben. Man kann aber die Stolpersteine auf diesem Weg benennen, die Abwege und Blockaden, und so den Weg der gemeinsamen Reflexion frei machen, frei halten.

Siehe auch:

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Umgang mit dem Unheimlichen


>Im Unterschied zu heute galt früheren Zeiten die Fähigkeit, ungewisse, gar gefährliche Begegnungen, zumal mit Fremdem, in friedliche und angstreduzierte Bahnen zu lenken, ungleich mehr.<
>Von derlei zivilisatorischen Errungenschaften sind wir wieder weit entfernt.<


„Lebenserfahren nennt man jemanden, der viel herumgekommen ist, viel erlebt hat, zahlreiche unterschiedliche Länder, Menschen, Sitten und Gewohnheiten kennengelernt, ja sie buchstäblich erfahren hat. Dagegen wird man Menschen, die nie aus ihrem kleinen Dorf hinausgekommen sind und solchen, die das geistige Milieu ihres Konfirmationsstuhlkreises ihr Lebtag nicht verlassen haben, einen eher beschränkten Horizont attestieren. Erfahren kann nur werden, wer sich Gefahren aussetzen kann, wobei hier als Gefahr nicht nur eine existentielle Lebensgefahr gemeint ist, sondern jegliche Konstellation, in der man nicht sicher voraussehen kann, was sich als Nächstes ereignen wird. Für dieses Fehlen von Gewissheit gibt es im Deutschen den schönen Begriff unheimlich. Unheimlich kann schon der dichte Wald sein, in dem das flaue Gefühl der Orientierungslosigkeit auftaucht, was in aller Regel das berüchtigte Pfeifen im Walde hervorruft. Wer noch genügend Phantasie hat, mag sich vorstellen, wie es wohl gewesen sein muss, als sich Gefährten auf unsicheren Schiffen das erste Mal aufs offene Meer hinauswagten und außer Wasser rings herum nichts anderes mehr zu sehen war. Im Unterschied zu heute galt früheren Zeiten die Fähigkeit, ungewisse, gar gefährliche Begegnungen, zumal mit Fremdem, in friedliche und angstreduzierte Bahnen zu lenken, ungleich mehr.
Auch ohne die philosophische Aufklärung des Westens haben viele Kulturen den inneren Zusammenhang zwischen Gefahren und Erfahrung intuitiv verstanden. Der Ethnologe Arnold van Gennep berichtete von zahlreichen Übergangsriten, mit deren Hilfe die schwierige biografische Passage vom Jugendlichen zum Erwachsenen gefordert, erleichtert und eingeübt wurde. Auch in Europa war über viele Jahrhunderte hinweg nach der Lehrzeit in etlichen Handwerksberufen die Wanderschaft, auch Walz genannt, die Voraussetzung dafür, überhaupt Meister werden zu können. Selbst die von allem Weltlichen zurückgezogenen Klöster schickten Mönche auf gefährliche Reisen durch ganz Europa, um wertvolle Bücher zu kopieren. Klugheit und Erfahrung wurden ebenso geschätzt wie die Gelassenheit, nicht bei jeder kleinen Unterbrechung des Gewohnten gleich aus der Haut zu fahren. Die Großväter erzählten nicht nur von früher, sondern auch von draußen, dem außerhalb der vertrauten Umgebung.“

Quelle: Boris Blaha

„Wirkliche Einfachheit liegt in der goldenen Mitte zwischen Gedankenlosigkeit und Affektiertheit. Einfache Menschen sind nicht von äußeren Dingen überwältigt, sodass sie nicht mehr denken können, und sie sind auch nicht an endlosen Spitzfindigkeiten interessiert, die sie nur befangen machen würden. Wer darauf achtet, wohin er geht, ohne die Zeit damit totzuschlagen, über jeden Schritt zu argumentieren oder ständig zurückzuschauen, der ist wirklich einfach. Solche Einfachheit ist ein großer Schatz.“ -Fènelon, Francois de Salinac de la Mothe-F.

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Wer zum Teufel spielt hier falsch?

Die grassierende Beleidigtheit, Gekränkheit, woher stammt sie? Ich würde mal folgende Vermutung wagen: sie entstammt der Idee, dass die Welt ‚für meine Bedürfnisse da zu sein hat‘, sie mir also ‚zu Diensten zu sein hat‘, wie ein wirklich super Supermarkt.

Der König ‚Kunde‘! Die Welt als ‚Ware‚. Bitte, DAS habe ich NICHT bestellt! Und niemand entschuldigt sich dafür, was für ein Skandal. Nun, irgendwer / irgendwas muss doch ’schuldig sein‘, oder? Und schon sind wir im Reich der Phantasie, der Spekulation. In der Welt der ‚bösen Absichten‘. Irgendwer hat da irgendwas ‚verhext‘ – zum Teufel mit ihm / ihr!!!

Und schon sind wir mitten in dem aktuell vorherrschenden Spiel der gegenseitigen Verdächtigungen und Kränkungen.

Wie kommen wir da wieder raus? Oh, es gibt tausende Wege, aber dies hier, der von Alan Watts hier erinnerte, der ist der KÖNIGSWEG aus diesem Drama, aus dieser Falle:

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Verborgene Gesundheit

Wenn man die Reduktion von Krankheit auf Reparatur von Dysfunktionalität vermeiden bzw. überwinden will, was bedeutet dann ‚Krankheit‘ und ‚Gesundheit‘?

Glücklichsein wirkt sich auf mehreren Wegen positiv auf die Gesundheit aus. Glückliche Menschen haben relativ geringe Mengen des Stresshormons Cortisol im Blut, das bei Diabetes, Bluthochdruck und Krankheiten des Immunsystems sowie auch bei Depressionen eine Rolle spielt. Mehr als 200 gesunden Personen im Alter von 45 bis 59 Jahren sollten eine Art Glücktagebuch schreiben. Die Probanden mit den wenigsten Glücksmomenten im Alltag hatten unter Stress neben Cortisol auch einen wesentlich höheren Gehalt des Blutgerinnungsstoffs Fibrinogen als glückliche Menschen. Ein erhöhter Fibrinogenanteil zählt als Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen. (Proceedings of the National Academy of Sciences 2005, 10.1073/pnas.0409174102).

„Die Lebenskunst besteht darin, Honig aus jeder Blüte zu saugen“ meinte Kleist. Und u.U. gehört zu den Blüten auch die Krankheit?

Anbei weitere Stichworte dazu:

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Corona-Müdigkeit? Oder die Grenzen zentraler Krankheits- / Gesundheitsverwaltung…..

Wir lesen in letzter Zeit öfter Texte unter Schlagzeilen wie „Warum wir so coronamüde sind“, „Corona-Müdigkeit macht Ärzten Sorge“ oder „Corona-Müdigkeit: eine Studie“, etc.

„Anfangs habe es ein großes Informationsbedürfnis gegeben, im Sommer sei Optimismus aufgrund der Lockerungen aufgekommen, jetzt im Herbst sei eine gewisse Corona-Müdigkeit festzustellen. Die Zustimmung, Freiheitsrechte aufzugeben befinde sich im Sinkflug….. .“

Ja, ja, da sind sie, die Erhebungen von Stimmungslagen in der Bevölkerung plus ‚Erklärungen‘ dieser Stimmungslagen‘ durch weitere Experten…

Könnte die sogenannte Corona-Müdigkeit aber nicht auch ganz wesentlich eine ‚Experten-Müdigkeit‘ sein, also eine Folge andauernd schwerer Bevormundung durch Expertengremien und auf diese fokussierte Politiker sein?

Statt mit Unsicherheit gut leben zu lernen, mit dem Virus gut hygienisch umgehen zu lernen, wurde von Beginn an in Form von LOCKDOWNS ‚scharf geschossen‘ (>war on virus<). Die Pandemie war und  ist die Blütezeit der Statistiker – ‚flatten the curve‘, Reproduktionsrate, usw.

WIR VERWALTEN DAS VIRUS ZENTRAL, durch VORGABEN VON OBEN, durch Testung und Messung.

Was dabei völlig vergessen wird ist die Tatsache, dass statistisch gültige Aussagen über soziale Aggregate (interessant und wichtig für Gesundheitsbehörden) nichts über den Einzelfall als solchen aussagen, über Dich und mich, Dein und mein Risiko im Umgang mit dem Virus. Denn wir als LEBENDE PERSONEN sind mehr und anderes als Mittelwerte statistischer Aussagen, mehr und anderes als Objekte der Gesundheitsverwaltung.

Könnte die ‚Corona-Müdigkeit‘ nicht auch Ausdruck dieser bürokratischen ‚Statistik-Orientierung‘ der Gesundheitspolitik sein? Die Verwaltung der Pandemie, das ist Sache der Gesundheitsbehörden, jawohl. Aber die FOLGEN der Maßnahmen, die tragen wir, JEDER EINZELNE VON UNS. Und nachdem sich ‚schnelle Erfolge‘ der Behörden und Experten im Umgang mit Covid 19 nicht einstellen, steigt halt der Zweifel an der Sinnhaftigkeit der ‚Maßnahmen‘, bis hin zur ‚Verzweiflung‘, zur Leugnung der Gefahren der Pandemie. Darüber hinaus gelten auch noch die Wirkungen des ‚Präventionsparadoxons‘ zentral gesteuerter Gesundheitspolitik:

„Das sogenannte Präventionsparadox wurde Anfang der 1980er Jahre vom britischen Epidemiologen Geoffrey Rose am Beispiel der koronaren Herzkrankheiten beschrieben. Es stellt ein grundlegendes Dilemma der bevölkerungs- und risikogruppenbezogenen Prävention und Krankheitsprävention dar. Seine Kernaussage ist: Eine präventive Maßnahme, die für Bevölkerung und Gemeinschaften einen hohen Nutzen bringt, bringt dem einzelnen Menschen oft nur wenig – und umgekehrt.

Wenn viele Einzelne mit geringem Risiko (z.B. grenzwertiger Bluthochdruck, leicht auffälliger Cholesterinspiegel, Prä-Diabetes) eine präventive Maßnahme durchführen, nützt diese der Gesamtpopulation in der Regel viel. Bei einer großen Menge von Menschen werden kardiovaskuläre Krankheitsereignisse oder vorzeitige Todesfälle langfristig gesenkt. Eine Einzelperson mit leichtem Risiko wird aber nur selten einen direkten Nutzen durch kurz- oder mittelfristige Verbesserungen der Gesundheit oder durch eine Verlängerung ihrer behinderungsfreien Lebenszeit erfahren. Anders stellt sich die Lage für Interventionen bei kleinen Gruppen mit hohem Risiko dar, z.B. bei klinisch adipösen Menschen oder bei Patientinnen und Patienten mit manifester Hypertonie, Hypercholesterinämie oder Diabetes mellitus Typ II. Hier ist der individuelle Gesundheitsgewinn durch Früherkennung, Frühbehandlung und tertiäre Prävention ungleich höher als bei Menschen mit mittlerem und niedrigerem Risiko. Allerdings ergibt sich für die Population kein vergleichbar großer Effekt.

Das Präventionsparadox gilt für alle auf Risikofaktoren basierenden medizinischen Interventionen und Zielsetzungen, insbesondere für Maßnahmen der Verhaltensprävention. Typische Anwendungsbeispiele sind:

  • Screenings auf unentdeckte Hypertonie zur Infarktprophylaxe, Diabetes-Screenings, PSA-Bluttestungen zur Prostatakarzinom-Früherkennung,
  • invasive Früherkennungsmaßnahmen wie die Vorsorgekoloskopie zur Darmkrebsprophylaxe.
  • Das Paradox hat auch Gültigkeit bei Jodprophylaxe und Schutzimpfungen, für die Krankenhaus- oder Pflegehygiene gegen Erreger, die gegen Antibiotika mehrfach resistent sind (MRSA), bei der Verpflichtung zum Tragen von Sicherheitsgurten im Auto zur Verhinderung/Milderung von Unfallfolgen, für Nichtraucherförderung und Raucherentwöhnungsprogramme, für Bewegungsförderung oder bei Maßnahmen des Arbeits-, Gesundheits- und Klimaschutzes.

Ein anderes Verständnis des Präventionsparadoxons findet sich im bevölkerungsbezogenen Impfschutz und der Infektions-/Impfepidemiologie. Wird gegen eine Infektionskrankheit geimpft, ist zudem die Impfung in der Bevölkerung akzeptiert und sinkt in der Folge die Inzidenz, verliert sich allmählich das klinische Bild der Erkrankung im Bewusstsein der Bevölkerung. Zugleich erscheinen Nebenwirkungen der Impfungen sowie potenzielle und reale (wenn auch seltene) Impfschäden gravierender als die Infektionskrankheit selbst. Dies führt zu einem Vertrauensverlust in die Impfung mit der Folge sinkender Impfbereitschaft, verringerter Impfquoten und partieller Impfverweigerung bzw. offener Gegnerschaft (z.B. bei Masern, auch Tuberkulose). Dadurch kann es zu neuen Ausbrüchen kommen, wobei erst diese die Impfbereitschaft wiederum steigern. Die Paradoxie wird gerade unter dem Aspekt von potenziellen (Impf-)Zwangsmaßnahmen bei Gesunden in der Public Health-Ethik problematisiert und kontrovers diskutiert.

Aus Public Health-Sicht ist eine bevölkerungsweite Intervention bei Erfolg zwangsläufig lohnender, weil sie mehr Krankheitsereignisse oder vorzeitige Todesfälle verhindern kann. Diese Bevölkerungsstrategie wendet sich an alle Menschen bzw. an größere Teilpopulationen, ungeachtet der individuellen Erkrankungswahrscheinlichkeit. Mit der Größe der Gruppe sinkt zwar der Anteil derjenigen Menschen, die einen direkten gesundheitlichen Nutzen erfahren – allerdings ist der epidemiologische Nutzen höher, die Zahl der vermiedenen bzw. „geretteten“ Fälle größer. Also wird eine große Zahl von Personen untersucht und/oder zur Änderung ihres Verhaltens bewegt, die auch ohne Screening bzw. Verhaltensänderung keine Krankheit (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) erlitten hätten. Mit zunehmender Orientierung auf kleinere Gruppen von Risikoträgern und besonders gefährdeten Menschen (Risikogruppenstrategie) werden präventive Maßnahmen aufwändiger und komplexer.

Als Lösung des Präventionsparadoxes empfiehlt die WHO seit Anfang der 2000er Jahre eine „richtige Balance“ zwischen Bevölkerungs- und Teilpopulationsstrategie (BS) und Hoch-Risiko-Strategie (HRS). Die BS wird differenziert umgesetzt unter Berücksichtigung epidemiologischer und sozialökologischer Mediatorvariablen (z.B. Alter, Geschlecht, sozialer Status und Bildungsstatus, Lebensweise, Gesundheitsverhalten, präventivmedizinischer Risikostatus).“*

Es zeigen sich am Symptom ‚Corona-Müdigkeit‘ deutlich die Grenzen zentral gesteuerter Gesundheitspolitik.

Warum  werden diese eigentlich nicht in den Mittelpunkt der Gesundheitsdebatte gerückt?


* Quelle: Peter Franzkowiak

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Auf schwankendem Boden….

Mit der Unsicherheit des modernen Lebens leben lernen? Wie geht das?

Es braucht dazu ein grundlegendes Vertrauen ins Leben. Man braucht einen sicheren Ort (ein Dach über dem Kopf und Schutz vor Kälte und Hitze, gute Luft, Hygiene), Ernährungssicherheit, angemessene medizinische Versorgung, belebende Musik und Kultur, und nicht zuletzt – tragende Sozialbeziehungen und erfüllende Arbeit.

Wenig davon ist heutzutage selbstverständlich geworden. Warm, satt und sauber – das ist in Ländern des demokratischen Westens zumeist noch gewährleistet, sobald man die sozialen Regeln einhält (sich ‚konform‘ verhält).

Aber die Qualität der Nahrung, der Luft und des Wohnraums lassen für immer mehr Menschen in unserer auf Gewinnmaximierung orientieren Industriegesellschaft immer mehr zu wünschen übrig. Von erfüllenderArbeit und erfüllenden Sozialbeziehungen, von angemessener medizinischer Versorgung für die meisten Menschen ganz zu schweigen. Oder den Möglichkeiten kulturellen Tiefgangs….

Warum akzeptieren das so viele Menschen, die überwiegende Mehrzahl?

Warum wird diese ‚dünne Suppe‘ / diese umfassende Vermüllung fast aller Lebensbereichen von den meisten Menschen geschätzt/akzeptiert bzw. toleriert?

Ich würde gerne ihre Antwort kennenlernen!

„Ich will sprechen von der Weltoptimierung, die wir uns kaum noch anders vorstellen können, als dass wir die Welt – inklusive unserer selbst uns unseresgleichen – auf Konsumierbarkeit zurichten. Erstrebenswert ist demnach ein Zustand, in dem die Welt verbrauchsfertig, mühe- und zeitsparend parat liegt.“ – Marianne Gronemeyer

Ist es das? Dieses ’schnelle Verfügbarmachen von Welt‘?

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Obsession & Professionalität

Von Martin Krusche

Ich bin Autor. Das hat einen zentralen Angelpunkt. Ich bin Lyriker. Das ist ein Genre der Kunst. Damit fülle ich nicht alle Tage meines Arbeitslebens. Damit läßt sich mein Brot nicht verdienen. Aber es macht den Kern meines Daseins als Künstler aus. Daher ist diese Obsession in andere Disziplinen eingebettet. Ich hab für eine Romantisierung meines Berufes nichts übrig. Ich mißtraue einem Begriff wie Berufung. Was ich mache und was ich lebe ist weder Sinnstiftungs-Institut für andere Menschen, noch Dekorationsgeschäft für die Repräsentationskultur eines nach Distinktion dürstenden Bildungsbürgertums.
Ich verbinde Obsession und Professionalität mit einigen anderen Aspekten eines Daseins. Das ist eine Variante von vielen unterschiedlichen Lebenskonzepten, mit denen man Künstlerin oder Künstler ist.

Es ist also mein Beruf und meine Leidenschaft. Ich schätze es, wie im alten Handwerk üblich, eine Sache um ihrer selbst willen gut zu machen. Ich brauche dabei ein anregendes geistiges Leben, das ich mit inspirierten Menschen teile. Die finde ich auch in Autowerkstätten und entlegenen Schuppen, in Büros und kleinen Geschäften, in jedem denkbaren Milieu. Die Natur streut solche Gaben blind aus.


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