Was versteht man unter Psychohygiene?

Ein Mensch sagt, und ist stolz darauf
ich geh in meinen Pflichten auf.
Doch bald darauf, nicht mehr so munter
geht er in seinen Pflichten unter.
Eugen Roth

Psychohygiene gilt als die Wissenschaft und Praxis von der Erhaltung der seelischen Gesundheit (siehe auch ‚Hygiene‘). Sie beschäftigt sich mit Lebensumständen, die sich begünstigend oder schädigend auf den menschlichen Organismus auswirken (siehe dazu auch den Beitrag ‚Psyche, was ist das?‘)

Ziel ist die Frühentdeckung der Beeinträchtigung psychischer Gesundheit, Aufklärung und Prävention. Die Psychohygiene als ein Teilbereich der Hygiene und Gesundheitsvorsorge beeinflusst alle Aktivitäten des täglichen Lebens, sowohl die physiologischen, als auch die psychologischen und geistigen (siehe dazu die Beiträge ‚Burnout – tiefer geblickt und ‚Burnout – Mensch und Arbeit am Scheideweg‚) .

Ziel der Psychohygiene ist es, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge und gesunden Lebensführung, psychische Belastungen zu reduzieren bzw. nach Möglichkeit auszuschalten. Belastungen lassen sich in Leistungsdruck, beruflicher Beanspruchung, starke Emotionen, Aufregung, Spannung und Angst differenzieren, wobei diese Auswirkungen auf die psychische, physische und soziale Integrität des Menschen haben und als Stressfaktoren bezeichnet werden.

Wie wird  ’seelische Gesundheit‘ definiert?

Was einem sowohl assoziativ als auch im Internet sofort begegnet ist der Gegenbegriff zu ’seelisch gesund‘, nämlich ’seelisch erkrankt‘. Dazu liest man ‚: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben nach wie vor mit Stigmatisierung zu kämpfen. Für die Betroffenen sind Zurückweisung und Ausgrenzung eine enorme Belastung.“

Psychohygiene, so lässt sich also schlussfolgern, hat  zur Aufgabe, psychischer Erkrankung vorzubeugen. Ergebnis guter Psychohygiene ist ‚Resilienz‘.

„Resilienz“ stammt aus dem Englischen (resilience) und kann mit Widerstandsfähigkeit (Elastizität oder Spannkraft) übersetzt werden. Der Begriff meint die Fähigkeit, mit belastenden Situationen gut umgehen zu können.

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur, seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, insbesondere seine emotionale Intelligenz, d. h., seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren und seine mehr oder weniger ‚pro-aktive‘ Einstellung zu Problemen (Neigung zum Verharren in Problemtrance / Problemfixierung oder aber Problemlösungsorientierung).

Einige Gruppen von Menschen erweisen sich als besonders resilient. Das sind in der Regel solche, die einen starken Zusammenhalt haben, eher kollektivistisch als individuell orientiert sind und sich durch starke Werte auszeichnen, die von den meisten Leuten aus der entsprechenden Gruppe geteilt werden (in der Resilienzforschung als „shared values“ bezeichnet).

Siehe Wikipedia Artikel: Resilienz

Wie kann aber Psychohygiene in einer hochindividualisierten Leistungsgesellschaft möglich gemacht werden? In einer Gesellschaft, in welcher der soziale Zusammenhang immer zufälliger wird und damit die Stabilität und Tragfähikgeit von Beziehungen abnimmt?

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Nik Wallenda (34)  auf einem Hochseil über den Grand Canyon

Antwort: Indem man ‚balancieren‘ lernt, auf auf dem ’schmalen Grat‘ zwischen gegensätzlichen Anforderungen zu gehen lernt, d.h. indem ‚geistig und mental höchst beweglich wird.‘ Das setzt die ‚Fähigkeit voraus, alle Überzeugungen ‚einklammern‘ zu können  und ‚ganz da zu sein‘, d.h. alles was überhaupt wert ist getan zu werden, auch mit ‚ganzer Aufmerksamkteit zu tun‘ (Stichwort: Flow).

„Volle Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller besonderen und schon ausgeformten Gedanken einem Menschen auf einem Berge gleichen, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich, doch ohne hinzublicken, viele Wälder und Ebenen bemerkt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen.“ – Simone Weil

Der Dichter Franz Kafka hat dazu folgendes angemerkt: „Die Wahrheit ist das, was jeder Mensch zum Leben braucht und doch von niemand bekommen oder erstehen kann. Jeder Mensch muss sie aus dem eigenen Innern immer wieder produzieren, sonst vergeht er. Leben ohne Wahrheit ist unmöglich. Die Wahrheit ist vielleicht das Leben selbst.“

Siehe dazu auch: Psychoneuroimmunologie,  ‚Widerstandskraft entwickeln – aber wie?‚, ‚Output ohne Input, das geht auf Dauer nicht‘ und ‚Wohlwollend neutrales Beobachten‘ und Entspannungsmusik

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What is the ego?

The whole structure of then ‚me‘ is put together by thought. Thought is the movement of experience, memory – the content of my consciousness. Is there not more about the me? Yes, ‚beyond thought‘. When thought naturally comes to an end, the ‚real me‘ is. This timeless and limitless ‚me‘ then uses thought, otherwise thought runs on itself…….

 

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Unvollendet gebliebene biologische Reaktionen auf eine Bedrohung:

Wenn ein Mensch einer überwältigenden Belastung, Bedrohung oder Verletzung ausgesetzt ist, entwickelt er eine entsprechende fixierte und fehlangepasste prozedurale Erinnerung, die sich störend auf die flexible und angemessene Reaktionsfähigkeit des Nervensystems auswirkt. Zu posttraumatischen Belastungsstörungen kommt es bekanntlich immer dann, wenn die hiermit verbundenen impliziten Erinnerungen nicht neutralisiert werden können. Die daran anschließende fehlende flexible Reaktionsfähigkeit ist Grundlage vieler der Symptome im Kontext traumatisierender Erlebnisse. In Reaktion auf Bedrohung und Verletzung vollziehen Tiere – und auch das Tier Mensch – bekanntlich biologisch begründete, unbewusste Handlungsmuster, die sie darauf vorbereiten, der Gefahr zu begegnen, indem sie sich schützen oder verteidigen. Allein schon die Struktur von traumatisierenden Erlebnissen selber, zu der Aktivierung, Erstarrung, Dissoziation und Kollaps gehören, basiert auf der evolutionären Entwicklung überlebenssichernder Verhaltensweisen.
Tiere in freier Wildbahn erholen sich spontan wieder von diesem Zustand, sofern sie die Gefahr überlebt haben. Durch unwillkürliche Bewegungen, Veränderungen des Atemmusters, Gähnen, Zittern und Beben wird die intensive biologische Erregung gelöst oder entladen. Beim Menschen gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die dieses „Zurücksetzen“ des Nervensystems in den Normalzustand vereiteln können: Angst vor dem Entladungsprozess selbst, längeres Verweilen in der traumatisierenden Situation, komplexe kognitive und psychosoziale Phantasien, kortikale Einmischungen……..

Psyche und Körper traumatisierter Menschen geben aus dieser Sicht heraus „Schnappschüsse“ ihrer erfolglosen Bemühungen wieder, sich selbst angesichts von Bedrohung oder Verletzung zu schützen oder zu verteidigen – und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein Trauma, so könnte man durchaus sagen, ist eine mit hoher Aktivierung verbundene, unvollendet gebliebene biologische Reaktion auf eine Bedrohung, bei der die Zeit zum Stillstand gekommen ist (‚Fixierung‘). Wenn wir uns zum Beispiel auf Flucht oder Kampf vorbereiten, werden in unserem ganzen Körper Muskeln angespannt. Bei den Mustern, nach denen diese Anspannung erfolgt, geht es um Mobilisierung von viel Energie und darum, handlungsfähig zu sein. Sind wir nicht in der Lage, die hierzu angemessenen Maßnahmen zu Ende zu bringen, kommt es nicht zur Entladung der enormen Energie, die bei diesen überlebenssichernden Vorbereitungen erzeugt wurde. Diese Energie wird dann (wie bei einem Schnappschuss) fixiert. Sie schlägt sich in ganz bestimmten neuromuskulären Mustern nieder, die Startbereitschaft oder hilfloses Zusammensacken (d. h., Mobilisierung oder Immobilisierung bzw. abwechselnd beides oder zugleich) spiegeln. Die betreffende Person bleibt dann, was ihr Zentralnervensystem anbelangt, in einem Zustand zunächst akuter und dann chronischer Erregung und Dysfunktion. Das Ausweichen der Betroffenen in zwanghafte Phantasien kann als misslingender Selbstheilungsversuch gedeutet werden.

Therapeutisch sinnvoll ist daher der Aufbau einer tragenden Beziehung  und einer Umgebung, in welcher körperliche Wahrnehmungen gefunden werden können, die mit Sicherheit und Behagen verbunden sind. Diese werden dann zu einem Reservoir von inhärenten, verkörperten Ressourcen, zu denen der Klient immer wieder zurückkehren kann, während er sich Stück für Stück an die Empfindungen und Phantasien herantastet, die mit dem erlebten Stress verbunden sind. Zur biologischen Vervollständigung und autonomen Entladung kommt es in kontrollierten und handhabbaren Schritten, während der Therapeut den Klienten anleitet, auf viszerale Empfindungen oder feine motorische Impulse zu achten, die mit unabgeschlossenen Schutz- und Abwehrreaktionen zusammenhängen. Hier berühren sich Psycho- und Physiotherapie.

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When we are under a life threat……

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Have you ever wondered why you struggle to learn something new when you are stressed? Do you wonder why you or your partner are so damn sensitive? Here is an  interview with the leading authority on the autonomic nervous system and the man who developed the polyvagal theory, Stephen Porges. He’s a real pioneer and someone who cares a lot about you feeling safe, in life, and in your relationships. Stephen Porges is about to give you a big download on why you might not feel safe and what you can do about it. Bottom line? We cover the neuroscience of safe relationships and how to create them.

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Descartes was wrong: ‘a person is a person through other persons’

According to Ubuntu philosophy, which has its origins in ancient Africa, a newborn baby is not a person. People are born without ‘ena’, or selfhood, and instead must acquire it through interactions and experiences over time. So the ‘self’/‘other’ distinction that’s axiomatic in Western philosophy is much blurrier in Ubuntu thought. As the Kenyan-born philosopher John Mbiti put it in African Religions and Philosophy (1975): ‘I am because we are, and since we are, therefore I am.’

https://aeon.co/ideas/descartes-was-wrong-a-person-is-a-person-through-other-persons

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Konformismus sichergestellt

Gleichschaltung

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Is there ‚complete action‘?

„……is there an action which is not born out of time? I am going to explain this carefully. Acquiring knowledge in any field requires time. To get to know each other requires time, if they are more intimate, that also requires time. So all our action is the outcome of knowledge and time. Right? Time being not only by the watch, by the sun rise and sun set, but also psychologically. That is, I am, I shall be; I have not, but I will have; or, I am greedy, angry, violent, but time will help me to resolve it. So our mind is put together by thought and time, and knowledge. So our action is born out of that. If you examine it very carefully, all our action is based on that, and therefore knowledge being incomplete, thought being incomplete, there must be strife between two people, man, woman, and so on, man and man, the whole business of relationship. And if one understands this, or intellectually is aware of it, to be intellectually aware of it is partial, because that is only part of our life, to be emotionally aware of it is also partial, but to be aware of it completely, the whole implication of that. Right?“

Transcript: Click!

 

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Your brain hallucinates your ‚private dream-world‘

The world you can perceive is a very small world indeed. And it is entirely private. Take it to be a dream and be done with it. Perception is recognition, is it not? Something entirely unfamiliar can be sensed, but cannot be perceived.
Perception involves memory. Perception, imagination, expectation, anticipation, illusion — all are based on memory. There are hardly any borderlines between them. They just merge into each other. All are responses of memory. How much do you remember? Try to write down from memory what you were thinking, saying and doing on the 30th of the last month. Ok. You do remember a lot — unconscious memory makes the world in which you live so familiar. The world is but a reflection of imagination. Whatever I want to see, I can see. But why should I invent patterns of creation, evolution and destruction? I do not need them. The world is in me, the world is myself. I am not afraid of it and have no desire to lock it up in a mental picture. The universe is all names and forms, based on qualities and their differences, while I am beyond. The world is there because I am, but I am not the world. I know there is a world, which includes this body and this mind, but I do not consider them to be more “mine” than other minds and bodies. They are there, in time and space, but I am timeless and spaceless. I am neither the potentiality nor the actualization, nor the actuality of things. In my light they come and go as the specks of dust dancing in the sunbeam. The light illumines the specks, but does not depend on them. Nor can it be said to create them. It cannot be even said to know them. That in which consciousness happens, the universal consciousness or mind, we call the ether of consciousness. All the objects of consciousness form the universe. What is beyond both, supporting both, is the supreme state, a state of utter stillness and silence. Whoever goes there disappears. It is unreachable by words, or mind.“ – M. Nisargadatta

„Our brain is the result of time, evolution. Our brain is not your brain and my brain, but the brain of mankind. This is difficult for you to see, and even recognize, because we have been so conditioned that it is my brain. And it is your brain. But if you observe, human beings right throughout the world go through enormous turmoil, poverty, anxiety, insecurity, confusion, psychologically wounded, fear, fear of being hurt, physically, fear of psychological hurts, fear of death, and the enquiry, what is there beyond…

That is the content of our consciousness. And as long as there’s that content, which is always divisive, which is always fragmented, our action must be fragmented. Right?

So the problem then is: is it possible for the content of that consciousness to be dissolved?“

J. Krishnamurti

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