Was versteht man unter Psychohygiene?

Ein Mensch sagt, und ist stolz darauf
ich geh in meinen Pflichten auf.
Doch bald darauf, nicht mehr so munter
geht er in seinen Pflichten unter.
Eugen Roth

Psychohygiene gilt als die Wissenschaft und Praxis von der Erhaltung der seelischen Gesundheit (siehe auch ‚Hygiene‘). Sie beschäftigt sich mit Lebensumständen, die sich begünstigend oder schädigend auf den menschlichen Organismus auswirken (siehe dazu auch den Beitrag ‚Psyche, was ist das?‘)

Ziel ist die Frühentdeckung der Beeinträchtigung psychischer Gesundheit, Aufklärung und Prävention. Die Psychohygiene als ein Teilbereich der Hygiene und Gesundheitsvorsorge beeinflusst alle Aktivitäten des täglichen Lebens, sowohl die physiologischen, als auch die psychologischen und geistigen (siehe dazu die Beiträge ‚Burnout – tiefer geblickt und ‚Burnout – Mensch und Arbeit am Scheideweg‚) .

Ziel der Psychohygiene ist es, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge und gesunden Lebensführung, psychische Belastungen zu reduzieren bzw. nach Möglichkeit auszuschalten. Belastungen lassen sich in Leistungsdruck, beruflicher Beanspruchung, starke Emotionen, Aufregung, Spannung und Angst differenzieren, wobei diese Auswirkungen auf die psychische, physische und soziale Integrität des Menschen haben und als Stressfaktoren bezeichnet werden.

Wie wird  ’seelische Gesundheit‘ definiert?

Was einem sowohl assoziativ als auch im Internet sofort begegnet ist der Gegenbegriff zu ’seelisch gesund‘, nämlich ’seelisch erkrankt‘. Dazu liest man ‚: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben nach wie vor mit Stigmatisierung zu kämpfen. Für die Betroffenen sind Zurückweisung und Ausgrenzung eine enorme Belastung.“

Psychohygiene, so lässt sich also schlussfolgern, hat  zur Aufgabe, psychischer Erkrankung vorzubeugen. Ergebnis guter Psychohygiene ist ‚Resilienz‘.

„Resilienz“ stammt aus dem Englischen (resilience) und kann mit Widerstandsfähigkeit (Elastizität oder Spannkraft) übersetzt werden. Der Begriff meint die Fähigkeit, mit belastenden Situationen gut umgehen zu können.

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur, seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, insbesondere seine emotionale Intelligenz, d. h., seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren und seine mehr oder weniger ‚pro-aktive‘ Einstellung zu Problemen (Neigung zum Verharren in Problemtrance / Problemfixierung oder aber Problemlösungsorientierung).

Einige Gruppen von Menschen erweisen sich als besonders resilient. Das sind in der Regel solche, die einen starken Zusammenhalt haben, eher kollektivistisch als individuell orientiert sind und sich durch starke Werte auszeichnen, die von den meisten Leuten aus der entsprechenden Gruppe geteilt werden (in der Resilienzforschung als „shared values“ bezeichnet).

Siehe Wikipedia Artikel: Resilienz

Wie kann aber Psychohygiene in einer hochindividualisierten Leistungsgesellschaft möglich gemacht werden? In einer Gesellschaft, in welcher der soziale Zusammenhang immer zufälliger wird und damit die Stabilität und Tragfähikgeit von Beziehungen abnimmt?

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Nik Wallenda (34)  auf einem Hochseil über den Grand Canyon

Antwort: Indem man ‚balancieren‘ lernt, auf auf dem ’schmalen Grat‘ zwischen gegensätzlichen Anforderungen zu gehen lernt, d.h. indem ‚geistig und mental höchst beweglich wird.‘ Das setzt die ‚Fähigkeit voraus, alle Überzeugungen ‚einklammern‘ zu können  und ‚ganz da zu sein‘, d.h. alles was überhaupt wert ist getan zu werden, auch mit ‚ganzer Aufmerksamkteit zu tun‘ (Stichwort: Flow).

„Volle Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller besonderen und schon ausgeformten Gedanken einem Menschen auf einem Berge gleichen, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich, doch ohne hinzublicken, viele Wälder und Ebenen bemerkt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen.“ – Simone Weil

Der Dichter Franz Kafka hat dazu folgendes angemerkt: „Die Wahrheit ist das, was jeder Mensch zum Leben braucht und doch von niemand bekommen oder erstehen kann. Jeder Mensch muss sie aus dem eigenen Innern immer wieder produzieren, sonst vergeht er. Leben ohne Wahrheit ist unmöglich. Die Wahrheit ist vielleicht das Leben selbst.“

Siehe dazu auch: Psychoneuroimmunologie,  ‚Widerstandskraft entwickeln – aber wie?‚, ‚Output ohne Input, das geht auf Dauer nicht‘ und ‚Wohlwollend neutrales Beobachten‘ und Entspannungsmusik

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Was jetzt dringend gebraucht wird…..

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There is a crack in everything…..

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Disruption – und dann?

Coronavirus Emergency In Venice

Wir erleben gerade eine ‚disruptive Phase‘ der menschlichen Entwicklung. Allen ist unmittelbar klar, dass die alte Ordnung zu einem ‚Halt‘ gekommen ist. Nicht alle, aber die meisten ahnen / fürchten / hoffen, dass ’nachher‘ nichts mehr so ist wie ‚vorher‘.

Die Spekulationen, wie das ‚Nachher‘ aussehen wird, schießen ins Kraut.

⇒ Falls überhaupt, dann fragt sich, was man relativ sicher vorausehen kann?

Disruption gehört in das Umfeld der Systemtheorie. Im Wikipedia Eintrag dazufinden wir u.a.:

„Das neudeutsche Wort Disruption (bzw. disruptiv) wurde aus dem Englischen übernommen, wo disruption – abgeleitet vom lateinischen Verb disrumpere (zerreißen, zerbrechen, zerschlagen, bzw. passivisch: platzen) – so viel wie Unterbrechung, Störung, Bruch, Unordnung oder Zerstörung bedeutet.

Das Wort Disruption trat vereinzelt erstmals Mitte der 1990er Jahre in Printmedien im Kontext Mikrobiologie bzw. Werbung auf. Etwa ein Jahrzehnt später wurde es gelegentlich im Zusammenhang mit technologischen Neuerungen verwendet. Seit 2015 häufte sich der Gebrauch des Begriffs Digitale Disruption im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft, besonders in der Start-up-Szene.“

Nun, die Ursache der jetzigen globalen Disruption ist ein mutierter SARS-Virus (SARS-CoV-2), der sich in unserer globalisierten Welt pandemisch verbreitet. Die WHO und die meisten Staaten der Welt sind auf dieses Ereignis schlecht vorbereitet, daher die ‚Disruption‘.

Aber zwei Staaten der Welt waren besser vorbereitet: Taiwan und Südkorea. Sie konnten auch deshalb so schnell und adäquat reagieren, weil sie gegenüber Europa einen Wissensvorsprung haben: Beide Länder haben schon schwere Epidemien mit Dutzenden Toten durchgemacht, Taiwan die Sars-Epidemie 2003, Südkorea die Mers-Epidemie 2015. Die beiden Staaten haben in der jetzigen Krise auf ähnliche Strategien gesetzt: Sie reagierten enorm schnell, nutzten effizient das verfügbare Datenmaterial und versorgten die Bevölkerung, etwa durch regelmäßige Pressekonferenzen, transparent mit viel Informationen.

So erhielten Anfang Februar Smartphonebesitzer in Taiwans Hauptstadt Taipeh eine Notfall-SMS der Behörden mit einem Link zu Google Maps. Dort waren alle Orte verzeichnet, die eine mit dem Coronavirus infizierte chinesische Touristin aus Wuhan besucht hatte. Somit konnten Untersuchungen gestartet werden.

Bereits als die allerersten Berichte aus China kamen, aktivierte Taiwan den Krisenmodus – und kein Aufwand war zu gering. Nicht nur am Flughafen wurden Untersuchungen durchgeführt, auch in Schulen wurde Fieber gemessen, sogar in großen U-Bahn-Stationen, hier durch Wärmekameras. 1100 Isolationsbetten wurden geschaffen, Verdachtsfälle kamen nicht nur in Quarantäne, es wurden auch Bewegungsprofile erstellt, um die sozialen Kontakte nachzuvollziehen. Das öffentliche Leben war eingeschränkt, kam aber nicht zum Erliegen: So wurden zwar Schulferien verlängert, doch die Restaurants blieben offen. Doch besuchen sie nun viel weniger Gäste.

Auch in Südkorea blieb das öffentliche Leben zu weiten Teilen aufrecht. Wobei hier vor allem die Stadt Daegu betroffen ist – und dort allein 4000 Fälle auf die „Shincheonji Jesus-Kirche“ zurückgehen, deren Mitglieder sämtliche Maßnahmen ablehnten. Derartige Brandherde stellte die Regierung unter strenge Isolation. Über andere mögliche Krisenherde wird die Bevölkerung mittels Apps informiert. Zudem führte auch Südkorea unverzüglich massenhaft Tests durch – es wurden dafür sogar eigene Drive-ins für Autofahrer geschaffen. Auch dort wurde jeder einzelne Fall genau dokumentiert, um mögliche Ansteckungen nachzuvollziehen.

Man hatte Erfahrungen und die entsprechenden technologischen Routinen im Umgang mit dieser Art von Virus.

Gesellschaften können sich anhand solche Herausforderungen adaptieren, geeignete Copingstrategien entwickeln. Es sind heute, wie man zu sagen pflegt, Data-istische Strategien. Und die werden bleiben.

Das kann man mit ziemlicher Sicherheit voraussagen. Die Tendenz zum Data-ismus wird durch die jetzige Krise massiv verstärkt. Was aber meint Data-ismus?

„Der von David Brooks in seinem New York Times-Artikel „The Philosophy of Data“ aus dem Jahr 2013 erstmals erwähnte Data-ismus ist ein ethisches System, das vom renommierten Historiker Yuval Noah Harari am intensivsten erforscht und populär gemacht wurde.

In seinem 2016 erschienenen Buch Homo Deus beschrieb Harari den Data-ismus als eine neue Form der Religion, welche wachsende Bedeutung von Big Data widerspiegelt.

Harari führt in seinem Buch aus, dass evolutionär gesehen Systeme bevorzugt werden, welche am schnellsten große Datenmengen situations-adäquat verarbeiten können. In einem Interview mit Wired erklärte Harari: „Menschen waren bislang evolutionär was Besonderes und Wichtiges, weil sie bis dato das fortschrittlichste Datenverarbeitungssystem im Universum waren; aber das ist nicht mehr der Fall.“

Jetzt erweisen sich Big Data und maschinelles Lernen als ausgefeilter, und Data-isten sind der Ansicht, dass wir den neuen Algorithmen so viele Informationen und Möglichkeiten wie möglich zur Verfügung stellen sollten, damit ein freier Datenfluss Innovationen und Fortschritte ermöglichen kann, welche wir so noch nie zuvor gesehen haben.“

Und welche wir in Zukunft zu unserem Überleben brauchen werden, wie sich gerade herausstellt.

Das also wird nach der Krise bleiben.

Zum Guten oder zum Schlechten?

Harari dazu im Aufsatz „Google and the end of free will“:

„Geräte wie der Kindle von Amazon können ständig Daten über ihre Benutzer sammeln, während sie Bücher lesen. Ihr Kindle kann überwachen, welche Teile eines Buches Sie schnell und welche langsam lesen. Auf welcher Seite Sie eine Pause gemacht und auf welchem ​​Satz haben Sie das Buch verlassen haben, um es nie wieder aufzunehmen. Wenn der Kindle mit einer Gesichtserkennungssoftware und biometrischen Sensoren aufgerüstet werden sollte, würde er wissen, wie jeder Satz Ihre Herzfrequenz und Ihren Blutdruck beeinflusst. Es würde wissen, was dich zum Lachen gebracht hat, was dich traurig gemacht hat, was dich wütend gemacht hat. Bald werden die Bücher Sie lesen, während Sie diese lesen. Und während Sie das meiste, was Sie lesen, schnell vergessen, müssen Computerprogramme nie vergessen. Solche Daten sollten es Amazon schließlich ermöglichen, Bücher mit unheimlicher Präzision für Sie auszuwählen. Außerdem kann Amazon genau wissen, wer Sie sind und wie man Ihre emotionalen Tasten drückt.
Denken wir das logisch weiter, dann können Menschen Algorithmen die Autorität übertragen, die wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben zu treffen, z. B. wen sie heiraten sollen. Im mittelalterlichen Europa hatten Priester und Eltern die Autorität, Ihren Partner für Sie zu wählen. In humanistischen Gesellschaften gaben wir diese Autorität unseren Gefühlen. In einer Dataist-Gesellschaft werde ich Google bitten, eine Auswahl zu treffen. „Hören Sie, Google“, werde ich sagen, „sowohl John als auch Paul umwerben mich. Ich mag beide, aber auf unterschiedliche Weise, und es ist so schwer, mich zu entscheiden. Was raten Sie mir bei allem, was Sie wissen? “

Und Google wird antworten: „Nun, ich kenne Sie vom Tag Ihrer Geburt an. Ich habe alle Ihre E-Mails gelesen, alle Ihre Telefonanrufe aufgezeichnet und kenne Ihre Lieblingsfilme, Ihre DNA und die gesamte biometrische Geschichte Ihres Herzens. Ich habe genaue Daten zu jedem Ereignis, an dem Sie teilgenommen haben, und ich kann Ihnen sekundenweise Diagramme Ihrer Herzfrequenz, Ihres Blutdrucks und Ihres Zuckerspiegels anzeigen, wenn Sie ein Date mit John oder Paul hatten. Und natürlich kenne ich beide genauso gut wie dich. Basierend auf all diesen Informationen, meinen hervorragenden Algorithmen und jahrzehntelangen Statistiken über Millionen von Beziehungen rate ich Ihnen, sich für John zu entscheiden, damit Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent langfristig zufriedener mit ihm sein werden“.

Wie der Kapitalismus begann auch der Data-ismus als neutrale wissenschaftliche Theorie, mutiert aber zu einer Religion, die behauptet, richtig und falsch bestimmen zu können. Der höchste Wert dieser neuen Religion ist der „Informationsfluss“. Wenn das Leben die Bewegung von Informationen ist und wir denken, dass das Leben gut ist, sollten wir den Informationsfluss im Universum erweitern, vertiefen und verbreiten. Laut Data-ismus sind menschliche Erfahrungen nicht heilig und Homo sapiens ist nicht die Spitze der Schöpfung oder ein Vorläufer eines zukünftigen Homo deus. Menschen sind lediglich Werkzeuge zur Schaffung des Internets aller Dinge, das sich möglicherweise vom Planeten Erde ausbreitet und die gesamte Galaxie und sogar das gesamte Universum überzieht. Dieses kosmische Datenverarbeitungssystem wäre  dann wie Gott. Es wird überall sein und alles kontrollieren, und die Menschen sind dazu bestimmt, sich ihm unterzuordnen.

Wir stehen jetzt an dieser Schwelle.

Daher hat sich Harari genau jetzt wieder zu Wort gemeldet:Was man vom Virus über die Zukunft erfahren kann……

„Die Menschheit steht jetzt vor einer globalen Krise. Vielleicht die größte Krise unserer Generation. Die Entscheidungen, die Menschen und Regierungen in den nächsten Wochen treffen, werden wahrscheinlich die Welt für die kommenden Jahre prägen. Sie werden nicht nur unsere Gesundheitssysteme, sondern auch unsere Wirtschaft, Politik und Kultur prägen. Wir müssen schnell und entschlossen handeln. Wir sollten aber auch die langfristigen Folgen unseres Handelns berücksichtigen. Bei der Wahl zwischen Alternativen sollten wir uns nicht nur fragen, wie wir die unmittelbare Bedrohung überwinden können, sondern auch, in welcher Art von Welt wir nach dem Sturm leben werden. Ja, der Sturm wird vergehen, die Menschheit wird überleben, die meisten von uns werden noch leben – aber wir werden in einer anderen Welt leben.“

 

 

 

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Was man vom Virus über die Zukunft erfahren kann……

⇒ What is worrisome is not so much or not only the present, but what comes after………

 

Yuval Noah Harari: the world after coronavirus

This storm will pass. But the choices we make now could change our lives for years to come

20 März, 2020 von Yuval Noah Harari

Humankind is now facing a global crisis. Perhaps the biggest crisis of our generation. The decisions people and governments take in the next few weeks will probably shape the world for years to come. They will shape not just our healthcare systems but also our economy, politics and culture. We must act quickly and decisively. We should also take into account the long-term consequences of our actions. When choosing between alternatives, we should ask ourselves not only how to overcome the immediate threat, but also what kind of world we will inhabit once the storm passes. Yes, the storm will pass, humankind will survive, most of us will still be alive — but we will inhabit a different world. 

Many short-term emergency measures will become a fixture of life. That is the nature of emergencies. They fast-forward historical processes. Decisions that in normal times could take years of deliberation are passed in a matter of hours. Immature and even dangerous technologies are pressed into service, because the risks of doing nothing are bigger. Entire countries serve as guinea-pigs in large-scale social experiments. What happens when everybody works from home and communicates only at a distance? What happens when entire schools and universities go online? In normal times, governments, businesses and educational boards would never agree to conduct such experiments. But these aren’t normal times. 

In this time of crisis, we face two particularly important choices. The first is between totalitarian surveillance and citizen empowerment. The second is between nationalist isolation and global solidarity. 

Under-the-skin surveillance

In order to stop the epidemic, entire populations need to comply with certain guidelines. There are two main ways of achieving this. One method is for the government to monitor people, and punish those who break the rules. Today, for the first time in human history, technology makes it possible to monitor everyone all the time. Fifty years ago, the KGB couldn’t follow 240m Soviet citizens 24 hours a day, nor could the KGB hope to effectively process all the information gathered. The KGB relied on human agents and analysts, and it just couldn’t place a human agent to follow every citizen. But now governments can rely on ubiquitous sensors and powerful algorithms instead of flesh-and-blood spooks. 

In their battle against the coronavirus epidemic several governments have already deployed the new surveillance tools. The most notable case is China. By closely monitoring people’s smartphones, making use of hundreds of millions of face-recognising cameras, and obliging people to check and report their body temperature and medical condition, the Chinese authorities can not only quickly identify suspected coronavirus carriers, but also track their movements and identify anyone they came into contact with. A range of mobile apps warn citizens about their proximity to infected patients. 

This kind of technology is not limited to east Asia. Prime Minister Benjamin Netanyahu of Israel recently authorised the Israel Security Agency to deploy surveillance technology normally reserved for battling terrorists to track coronavirus patients. When the relevant parliamentary subcommittee refused to authorise the measure, Netanyahu rammed it through with an “emergency decree”.

You might argue that there is nothing new about all this. In recent years both governments and corporations have been using ever more sophisticated technologies to track, monitor and manipulate people. Yet if we are not careful, the epidemic might nevertheless mark an important watershed in the history of surveillance. Not only because it might normalise the deployment of mass surveillance tools in countries that have so far rejected them, but even more so because it signifies a dramatic transition from “over the skin” to “under the skin” surveillance. 

Hitherto, when your finger touched the screen of your smartphone and clicked on a link, the government wanted to know what exactly your finger was clicking on. But with coronavirus, the focus of interest shifts. Now the government wants to know the temperature of your finger and the blood-pressure under its skin. 

The emergency pudding

One of the problems we face in working out where we stand on surveillance is that none of us know exactly how we are being surveilled, and what the coming years might bring. Surveillance technology is developing at breakneck speed, and what seemed science-fiction 10 years ago is today old news. As a thought experiment, consider a hypothetical government that demands that ev ery citizen wears a biometric bracelet that monitors body temperature and heart-rate 24 hours a day. The resulting data is hoarded and analysed by government algorithms. The algorithms will know that you are sick even before you know it, and they will also know where you have been, and who you have met. The chains of infection could be drastically shortened, and even cut altogether. Such a system could arguably stop the epidemic in its tracks within days. Sounds wonderful, right?

The downside is, of course, that this would give legitimacy to a terrifying new surveillance system. If you know, for example, that I clicked on a Fox News link rather than a CNN link, that can teach you something about my political views and perhaps even my personality. But if you can monitor what happens to my body temperature, blood pressure and heart-rate as I watch the video clip, you can learn what makes me laugh, what makes me cry, and what makes me really, really angry. 

It is crucial to remember that anger, joy, boredom and love are biological phenomena just like fever and a cough. The same technology that identifies coughs could also identify laughs. If corporations and governments start harvesting our biometric data en masse, they can get to know us far better than we know ourselves, and they can then not just predict our feelings but also manipulate our feelings and sell us anything they want — be it a product or a politician. Biometric monitoring would make Cambridge Analytica’s data hacking tactics look like something from the Stone Age. Imagine North Korea in 2030, when every citizen has to wear a biometric bracelet 24 hours a day. If you listen to a speech by the Great Leader and the bracelet picks up the tell-tale signs of anger, you are done for.

You could, of course, make the case for biometric surveillance as a temporary measure taken during a state of emergency. It would go away once the emergency is over. But temporary measures have a nasty habit of outlasting emergencies, especially as there is always a new emergency lurking on the horizon. My home country of Israel, for example, declared a state of emergency during its 1948 War of Independence, which justified a range of temporary measures from press censorship and land confiscation to special regulations for making pudding (I kid you not). The War of Independence has long been won, but Israel never declared the emergency over, and has failed to abolish many of the “temporary” measures of 1948 (the emergency pudding decree was mercifully abolished in 2011). 

Even when infections from coronavirus are down to zero, some data-hungry governments could argue they needed to keep the biometric surveillance systems in place because they fear a second wave of coronavirus, or because there is a new Ebola strain evolving in central Africa, or because . . . you get the idea. A big battle has been raging in recent years over our privacy. The coronavirus crisis could be the battle’s tipping point. For when people are given a choice between privacy and health, they will usually choose health.

The soap police

Asking people to choose between privacy and health is, in fact, the very root of the problem. Because this is a false choice. We can and should enjoy both privacy and health. We can choose to protect our health and stop the coronavirus epidemic not by instituting totalitarian surveillance regimes, but rather by empowering citizens. In recent weeks, some of the most successful efforts to contain the coronavirus epidemic were orchestrated by South Korea, Taiwan and Singapore. While these countries have made some use of tracking applications, they have relied far more on extensive testing, on honest reporting, and on the willing co-operation of a well-informed public. 

Centralised monitoring and harsh punishments aren’t the only way to make people comply with beneficial guidelines. When people are told the scientific facts, and when people trust public authorities to tell them these facts, citizens can do the right thing even without a Big Brother watching over their shoulders. A self-motivated and well-informed population is usually far more powerful and effective than a policed, ignorant population. 

Consider, for example, washing your hands with soap. This has been one of the greatest advances ever in human hygiene. This simple action saves millions of lives every year. While we take it for granted, it was only in the 19th century that scientists discovered the importance of washing hands with soap. Previously, even doctors and nurses proceeded from one surgical operation to the next without washing their hands. Today billions of people daily wash their hands, not because they are afraid of the soap police, but rather because they understand the facts. I wash my hands with soap because I have heard of viruses and bacteria, I understand that these tiny organisms cause diseases, and I know that soap can remove them. 

But to achieve such a level of compliance and co-operation, you need trust. People need to trust science, to trust public authorities, and to trust the media. Over the past few years, irresponsible politicians have deliberately undermined trust in science, in public authorities and in the media. Now these same irresponsible politicians might be tempted to take the high road to authoritarianism, arguing that you just cannot trust the public to do the right thing. 

Normally, trust that has been eroded for years cannot be rebuilt overnight. But these are not normal times. In a moment of crisis, minds too can change quickly. You can have bitter arguments with your siblings for years, but when some emergency occurs, you suddenly discover a hidden reservoir of trust and amity, and you rush to help one another. Instead of building a surveillance regime, it is not too late to rebuild people’s trust in science, in public authorities and in the media. We should definitely make use of new technologies too, but these technologies should empower citizens. I am all in favour of monitoring my body temperature and blood pressure, but that data should not be used to create an all-powerful government. Rather, that data should enable me to make more informed personal choices, and also to hold government accountable for its decisions. 

If I could track my own medical condition 24 hours a day, I would learn not only whether I have become a health hazard to other people, but also which habits contribute to my health. And if I could access and analyse reliable statistics on the spread of coronavirus, I would be able to judge whether the government is telling me the truth and whether it is adopting the right policies to combat the epidemic. Whenever people talk about surveillance, remember that the same surveillance technology can usually be used not only by governments to monitor individuals — but also by individuals to monitor governments. 

The coronavirus epidemic is thus a major test of citizenship. In the days ahead, each one of us should choose to trust scientific data and healthcare experts over unfounded conspiracy theories and self-serving politicians. If we fail to make the right choice, we might find ourselves signing away our most precious freedoms, thinking that this is the only way to safeguard our health.

The second important choice we confront is between nationalist isolation and global solidarity. Both the epidemic itself and the resulting economic crisis are global problems. They can be solved effectively only by global co-operation. 

First and foremost, in order to defeat the virus we need to share information globally. That’s the big advantage of humans over viruses. A coronavirus in China and a coronavirus in the US cannot swap tips about how to infect humans. But China can teach the US many valuable lessons about coronavirus and how to deal with it. What an Italian doctor discovers in Milan in the early morning might well save lives in Tehran by evening. When the UK government hesitates between several policies, it can get advice from the Koreans who have already faced a similar dilemma a month ago. But for this to happen, we need a spirit of global co-operation and trust. 

In the days ahead, each one of us should choose to trust scientific data and healthcare experts over unfounded conspiracy theories and self-serving politicians

Countries should be willing to share information openly and humbly seek advice, and should be able to trust the data and the insights they receive. We also need a global effort to produce and distribute medical equipment, most notably testing kits and respiratory machines. Instead of every country trying to do it locally and hoarding whatever equipment it can get, a co-ordinated global effort could greatly accelerate production and make sure life-saving equipment is distributed more fairly. Just as countries nationalise key industries during a war, the human war against coronavirus may require us to “humanise” the crucial production lines. A rich country with few coronavirus cases should be willing to send precious equipment to a poorer country with many cases, trusting that if and when it subsequently needs help, other countries will come to its assistance. 

We might consider a similar global effort to pool medical personnel. Countries currently less affected could send medical staff to the worst-hit regions of the world, both in order to help them in their hour of need, and in order to gain valuable experience. If later on the focus of the epidemic shifts, help could start flowing in the opposite direction. 

Global co-operation is vitally needed on the economic front too. Given the global nature of the economy and of supply chains, if each government does its own thing in complete disregard of the others, the result will be chaos and a deepening crisis. We need a global plan of action, and we need it fast. 

Another requirement is reaching a global agreement on travel. Suspending all international travel for months will cause tremendous hardships, and hamper the war against coronavirus. Countries need to co-operate in order to allow at least a trickle of essential travellers to continue crossing borders: scientists, doctors, journalists, politicians, businesspeople. This can be done by reaching a global agreement on the pre-screening of travellers by their home country. If you know that only carefully screened travellers were allowed on a plane, you would be more willing to accept them into your country. 

Unfortunately, at present countries hardly do any of these things. A collective paralysis has gripped the international community. There seem to be no adults in the room. One would have expected to see already weeks ago an emergency meeting of global leaders to come up with a common plan of action. The G7 leaders managed to organise a videoconference only this week, and it did not result in any such plan. 

In previous global crises — such as the 2008 financial crisis and the 2014 Ebola epidemic — the US assumed the role of global leader. But the current US administration has abdicated the job of leader. It has made it very clear that it cares about the greatness of America far more than about the future of humanity. 

This administration has abandoned even its closest allies. When it banned all travel from the EU, it didn’t bother to give the EU so much as an advance notice — let alone consult with the EU about that drastic measure. It has scandalised Germany by allegedly offering $1bn to a German pharmaceutical company to buy monopoly rights to a new Covid-19 vaccine. Even if the current administration eventually changes tack and comes up with a global plan of action, few would follow a leader who never takes responsibility, who never admits mistakes, and who routinely takes all the credit for himself while leaving all the blame to others. 

If the void left by the US isn’t filled by other countries, not only will it be much harder to stop the current epidemic, but its legacy will continue to poison international relations for years to come. Yet every crisis is also an opportunity. We must hope that the current epidemic will help humankind realise the acute danger posed by global disunity. 

Humanity needs to make a choice. Will we travel down the route of disunity, or will we adopt the path of global solidarity? If we choose disunity, this will not only prolong the crisis, but will probably result in even worse catastrophes in the future. If we choose global solidarity, it will be a victory not only against the coronavirus, but against all future epidemics and crises that might assail humankind in the 21st century. 

Yuval Noah Harari is author of ‘Sapiens’, ‘Homo Deus’ and ‘21 Lessons for the 21st Century’

Copyright © Yuval Noah Harari 2020

Source: FT

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Oder Mathias Horx….

 

Corona: Eine Resilienz-Übung
Was man vom Virus über die Zukunft erfahren kann

Gibt es eine Möglichkeit, anders mit der globalen Corona-Epidemie umzugehen als in den Reflexen von Angst (Panik!) oder reiner Beschwichtigung? Versuchen wir es. Machen wir eine kleine historisch-futuristische Übung.

Zunächst erinnert uns das Coronavirus (oder COVID-19) an etwas, was wir in einer hochtechnischen Zivilisation gerne verdrängen. Wir sind Teil der Natur. So sehr wir uns auch von der Welt des Organischen distanzieren, wir leben mit dem Biom der Erde in einer dynamischen Co-Evolution. Viren und Bakterien besiedeln unseren Körper inwendig und auswendig, so sehr wir uns auch schrubben und sterilisieren – ohne sie könnten wir gar nicht existieren. Die Mitochondrien, die Energiekraftwerke unserer Zellen, sind vor hunderten von Millionen Jahren aus der DNA von Mikroorganismen entstanden. Wir sind symbiotische Wesen; erschaffen aus dem gigantischen Pool der DNA auf dem Planeten Erde.

Das kränkt natürlich unser Autonomiebedürfnis. Manchmal wünschen wir uns deshalb, sterile Maschinen zu sein, die sich um das ganze biologische Gewimmel und Gewusel nicht scheren müssen. Das erklärt einen Großteil unserer Faszination mit Roboter-Existenzen und Künstlicher Intelligenz.

Das Leben aber geht seinen eigenen Weg. Es mutiert und adaptiert und baut um. Wo sehr viele Genome – von Hunden, Katzen, Schlangen, Vögeln, Reptilien – in nahen Kontakt geraten, wie etwa auf chinesischen Märkten, sind die Mutationsraten hoch. Viren sind Überlebensmaschinen auf organischer Basis, und sie suchen ihre Chance – wie wir.

Das COVID-19-Virus ist im Grunde nur eine weitere Variante der Grippe. Es ist nicht im Entferntesten so tödlich wie Ebola oder andere »Killer-Keime«, man denke an die »geschärften« Bakterien aus den Krankenhäusern. Eine echte Innovation ist jedoch die Selektivität des Virus. Eine Grippe macht alle Betroffenen gleich krank, COVID aber sucht sich die Alten und Schwachen heraus, bei Kindern und Jugendlichen gibt es oft noch nicht mal Symptome. Es scheint auch unscharf zu bleiben, wie lange eine Infektion braucht, und ab wann die Infizierten ansteckend sind. Das ist – aus der Sicht des Virus – ziemlich raffiniert, denn diese Varianz macht es schwierig, die Infektion zu unterbrechen. Der Virus hat sein Verhalten sozusagen an eine individualisierte Gesellschaft angepasst und sich dabei getarnt. Ziemlich schlau – im Sinne der evolutionären Fitness.
Der Sinn von Seuchen

Epidemien haben Millionen Menschenleben frühzeitig beendet. Sie waren, unter bestimmten Umständen, Massenkiller, was dann aber ihre Ausbreitung schnell begrenzte. Denn ein Keim, der seinen Wirt schnell tötet, hat keine echte Zukunftsperspektive. Gleichzeitig haben die Keime unser humanes Immunsystem aufgebaut, trainiert und immer weiter verfeinert. Es gibt Biologen, die sogar das menschliche Bewusstsein, die Größe unseres Hirns, auf diese ständige Wechselwirkung zurückführen. Wer unserer Vorfahren Infektionen überlebte oder gar nicht erst erkrankte, pflanzte sich fort, und »verankerte« seine Immun-Fähigkeiten und Resilienzen im menschlichen Erbgut. So setzten sich diejenigen durch, die über höhere organische Resilienz verfügten. Survival of the fittest Immune System.

Epidemien sind ein Produkt von Massengesellschaften, sie plagen den Menschen seit der Sesshaftigkeit, also seit rund 10.000 Jahren. Nomadische Jäger und Sammler sind oft die gesündesten Menschen – allerdings nur, wenn sie nicht mit »Fremdkeimen« konfrontiert werden, gegen die ihr Immunsystem hilflos ist. Das besiegelte das Schicksal der Inkas und vieler anderer indigener Stämme. Womöglich entwickelten sich schon in der Steinzeit Formen von sozialer Absonderung, von Quarantäne, als Reaktion auf Infektionsgefahren. Sozialtechniken von Askese und engem Gruppenbezug im Kontext von Religionen könnten also auch etwas mit Keimabwehr zu tun haben. So schufen Krankheiten womöglich gesellschaftliche Differenzierungen, Verfeinerungen von Kultur.

Als im Mittelalter die Pest die Anzahl der europäischen Bevölkerung in manchen Regionen bis auf die Hälfte reduzierte, führte dies zu einer ganzen Kaskade sozialer Innovationen. Die Idee des Privatlebens setzte sich durch und gleichzeitig entstanden Formen gesteuerter Migration, weil die Fürsten Ersatz für den Bevölkerungsverlust suchten. Hatte es zum Höhepunkt der Pest die klassischen Symptome von Hass-Paranoia und Sündenbock-Suche gegeben – zum Beispiel Hexenverbrennung und Judenhass – entstanden im Nachgang der Epidemie neue Toleranzen. Wo ganze Landstriche entvölkert waren, brauchte man Arbeitskräfte, »Bevölkerung«. Auch die Pest war eine Zoonose, die von Tieren (Ratten und Flöhen) auf Menschen übersprang – und sie erzwang Kulturformen der Hygiene. Dort, wo man Kanalisation, Badekultur und Sanitärwesen vorantrieb, konnten die großen Epidemien schneller bewältigt werden, auch Typhus und Cholera konnten so zurückgedrängt werden. Der Kampf gegen die Keime mündete schließlich in den bahnbrechenden Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaften um 1900, dem Wissen um Sepsis, Viren und Bakterien, der das Spiel Mensch/Virus auf eine neue Stufe brachte.

So ist »Zivilisation« eben auch ein Resultat gelungener Seuchenbekämpfung – und gleichzeitig ihre Voraussetzung. Die meisten Opfer forderten Infektionen immer in Situationen, in denen sich soziale Strukturen zugunsten von Massen-Chaos auflösten. Die Spanische Grippe, die am Ende des ersten Weltkriegs weltweit 50 Millionen Opfer forderte, zeigte, wie sich Viren und Bakterien an die »Verhältnisse« anpassen können – sie »schärfen« ihre Mortalität, wenn sie auf ein unbegrenzt verfügbares organisches Reservoir stoßen, auf Menschenmassen ohne Abwehrkräfte. Viren sind adaptiv – aber das sind auch die menschlichen Sozialformen, die denselben evolutionären Gesetzen von Mutation, Selektion und Adaption folgen.
Das Zeitalter der Meta-Kooperation

Erstaunlich ist zunächst, dass wir in einem Zeitalter des globalen Massentransports leben, aber sich dennoch in den letzten 50 Jahren keine größere Pandemie herausgebildet hat (mit EINER Ausnahme, dazu gleich mehr). Vier Milliarden Menschen sitzen jährlich in Flugzeugen auf engstem Raum zusammen und dennoch hat sich noch kein echter planetarer »Killerkeim« entwickelt. Die Ursache könnte auch darin liegen, dass unsere Immunsysteme heute andere sind als früher. Besser trainiert, variabler aufgestellt. Allerdings sind sie auch »gestresster«. Während wir nur noch Soy-Latte schlürfen und auf Erdnüsse allergisch reagieren, arbeitet unser Immunsystem auf Hochtouren, um mit der ganzen Keim-Diversität fertigzuwerden. Auch Viren und Bakterien sind längst multikulturell.

Eine Ausnahme war die AIDS-Epidemie. Sie verbreitete sich nur in intimen Kontakten, wählte also einen globalen Verbreitungsweg, der SO vorher nicht existierte. AIDS verlief völlig anders, als in den pessimistischen Prognosen vorausgesagt – ich kann mich noch an die Weltuntergangsstimmung und die Schlagzeilen in den 80-er Jahren erinnern. Doch AIDS führte weder zum Niedergang von Sex noch zu einer verschärften Stigmatisierung von Homosexuellen, sondern auf verquere Weise zum genauen Gegenteil. Die steigende Toleranz gegenüber Homosexualität und das erstaunliche Mitgefühl mit den Infizierten (Ausnahmen bestätigen die Regel) war ein Triumph der Aufklärung. Ein Erfolg, der selten gewürdigt wird, der aber etwas über die Paradoxialität erzählt, in der sich Werte- und Kulturnormen verändern. Neben Genen verbreiten sich auch MEME – kulturelle Codes – in der globalen Gesellschaft. Auch Toleranz und Solidarität wirken manchmal ansteckend.

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 hat gezeigt, dass die globalen Gesundheits-Institutionen durchaus in der Lage sind, schnelle Interventionen bei regionalen Krisen zu organisieren. Hans Rosling, der Große Meister der globalen Statistik beschreibt in seiner Biographie „Wie ich lernte, die Welt zu verstehen”, wie dieses erstaunliche Ergebnis zustande kam. Wenn es darauf ankommt sind Menschen durchaus in der Lage, Solidarität über Grenzen hinweg zu organisieren. Auf diesen »kooperativen Egoismus« kann man in Richtung Zukunft besser vertrauen als der Hoffnung auf reine Selbstlosigkeit.

So erzeugt die globale Seuchengefahr womöglich einen neuen integrativen Globalisierungs-Effekt. Ähnlich wie die Weltraumfahrt, die die Menschheit auf einer höheren Ebene symbolisch vereint (Der »Overview-Effekt«), spielen Pandemien die Rolle einer Menschheits-Vereinigungs-Instanz. Vor dem Virus sind wir alle gleich. Wie Aliens können Keime die menschlichen Streit-Kräfte vereinen.

Der Corona-Virus wirkt also wie ein großes sozialevolutionäres Experiment. Eine Übung in globaler Resilienz und Zusammenarbeit. In diesem Experiment wird getestet, welche sozialen Kooperationsformen sich bewähren und die besten Antworten gegen die Mikroben-Welt entwickeln. China hat nach einem ersten Versuch der Ignoranz seine mächtige kollektive Kompetenz bewiesen – Rigorosität kann manchmal sinnvoll und human sein. Aber diese Erfahrung wird China auch SELBST verändern. In China wird es keine Wochenmärkte des alten Stils mehr geben, davon kann man ausgehen. Und auch die Frage einer bürger-kooperativen Informationspolitik wird auf dem Tisch bleiben. Singapur und Hongkong haben durch effiziente Organisationsformen die Seuche konsequent bekämpft – obwohl diese Stadtstaaten eine enorme Menschendichte aufweisen, gab es bislang kaum Todesopfer. Südkorea versucht sich in Digital-Methoden, scheitert aber teilweise im Kulturellen. Generell stellt der Virus auch die digitale Frage neu: Haben uns die Auguren der Künstlichen Intelligenz nicht immer wahre Wunderwerke versprochen, wenn es um die Entwicklung neuer Medikamente geht? Also her mit dem Impfstoff! Oder sind am Ende soziale Antworten doch besser als technologische?

Im Iran hat COVID-19 den Bruch zwischen despotischer Herrschaft und Bürgern weiter verbreitert. In Italien ist die Lage widersprüchlich – manche Beobachter sprechen aber von einem Solidaritäts-Effekt, der die inneren Spaltungen überbrückt. In Deutschland ist endlich eine Meta-Debatte um die hysterische Überzeichnung von Gefahren entstanden. Hinter der Virus-Angst kulminieren viele andere Ängste: Wohlstands-Angst, Fremden-Angst, Versagens-Angst, soziale Paranoia in allen Varianten. Unweigerlich wird hier magisches Denken aktualisiert, Schuld- und Strafbereitschaft. Haben „wir uns an der Natur versündigt, die jetzt zurückschlägt?”

Epidemien bieten jedoch auch einen Erfahrungsraum für das Gegenteil. Der Stillstand, der durch Seuchen entsteht, hat eine erfrischende Gegenseite. Wir erfahren Entschleunigungen, erleben, dass nicht alles gleich zusammenbricht, wenn einmal Großveranstaltungen ausbleiben oder die ewige Flut der Waren stockt. Wenn nicht alles immerzu rennt und hastet, werden neue Kommunikationsformen ermöglicht. Wie auch beim Ausbruch des Isländischen Vulkans Eyjafjallajökull vor zehn Jahren, als die globale Zivilisation auch »zusammenbrach«, aber sich plötzlich Menschen begegneten, die sich sonst nie begegnet wären. Und Island der größte Touristenboom aller Zeiten beschert wurde.

Ausgerechnet Gesundheitskrisen bergen kulturelle Heilungspotentiale. Wir erleben uns als verletzlich, aber auch auf einer neuen Ebene gleich. Erfolgreich sind in dieser Entwicklung jene Gesellschaften die a) vertrauensvoll kooperieren können und b) denen es gelingt ihre Ängste und Paniküberschüsse zu moderieren. So bildet sich ein neuer evolutionärer Selektor für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft aus. Erfolgreich und gewinnend sind diejenigen, die sich Risiken selbstbewusst entgegenstellen, ohne gleich die Nerven zu verlieren. Darin liegt eine Weisheit des menschlichen Kultursystems. Das Immunsystem des Gesellschaftlichen kann durch Krisen wachsen.

Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte mit erheblichem Heiterkeits-Effekt, wenn Donald Trump ausgerechnet am Corona-Virus scheitern würde. Das behauptet der US-amerikanische Nationalökonom Nouriel Roubini, der die Finanzkrise von 2009 ziemlich präzise prognostizierte. Trumps Wiederwahl, so Roubini, ist schon verloren, weil Trump die Corona-Infektion verharmloste. Populisten dürfen alles, aber nicht die Grandiositäts-Illusion ihrer Anhänger beschädigen. Wenn in den USA die Börsen zusammenklappen und das US-Gesundheitssystem sich als dysfunktional und überfordert herausstellt, wird aus dem Ballon Trump die Luft herausgelassen – pffff. Wenn das tatsächlich so käme (ich glaube allerdings nicht so ganz daran), wäre das eine interessante Pirouette der Weltgeschichte – und eine lehrreiche Erzählung über das wahre Wesen des Wandels.

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Oder  Hannes  Hofbauer lesen…..

 

Corona wird vorbeigehen ■ Die Rückgewinnung unserer Freiheitsrechte und des sozialen Zusammenhaltes werden uns in Österreich und auch den Großteil der Länder des Planeten Erde hingegen noch lange beschäftigen.

Von UHUDLA Mitarbeiter Hannes Hofbauer

Dieser Hintergrundartikel ist auch auf der Internetplattform Rubikon veröffentlicht worden.


Man muss manchmal ein Stück auf Distanz gehen, um die Dinge klarer zu sehen. Mittendrin in diesem gewaltigen Umwälzungsprozess lassen wir uns von Suggestionen, dies alles sei alternativlos, vielleicht mitreißen.

Überlegen wir uns, wie wir reagiert hätten, hätte man uns Anfang diesen Jahres vorhergesagt, was Mitte März 2020 Realität ist: die vollkommene Entrechtung aller Menschen in Deutschland, Österreich und praktisch ganz Europa und die irritierende Tatsache, dass dies von fast allen Menschen völlig widerstandslos hingenommen wird.

Wir erleben derzeit die vollendete Dystopie. Wie konnte es so weit kommen? Einmal liegt es natürlich an dem geschickt gewählten Vorwand: der Volksgesundheit, einem Gut also, das allen nahegeht. Zum anderen gibt es eine Gewöhnung an Fügsamkeit, die durchaus das Ergebnis eines langen, bewusst gesteuerten Prozesses ist. Wachen wir auf und erkennen: Nicht das Virus ist das Problem, sondern das, was die Regierungen unter Berufung auf ihn mit unserer Freiheit anstellen!

Wir kennen das von großen geopolitischen Ereignissen. Da werden tatsächlich bestehende Krisen und Konflikte, wie sie einzelne Länder oder Regionen plagen, von außen instrumentalisiert. Erinnert sei nur an den Zerfallsprozess im Jugoslawien der 1990er Jahre oder an die seit 2013/2014 bestehende Ukraine-Krise. Soziale Unzufriedenheit mit einer korrupten Regierung wurde von äußeren Kräften dynamisiert, um wirtschaftliche und/oder strategische Interessen durchzusetzen.
Warum ich mit solchen Beispielen einen Beitrag über autoritär verfügte Repressionsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise beginne, ist rasch erklärt.
In dem heute uns alle betreffenden Fall wird ein tatsächliches gesundheitliches Problem, über dessen Schwere sich Virologen streiten, dazu benützt, den Polizeistaat zu implementieren. Vorab zur Klarstellung: das Coronavirus soll und darf nicht unterschätzt werden, aber fest steht auch, dass die zur Pandemie erhobene Epidemie vorübergehen wird, während die Menschen in Österreich und anderen europäischen Ländern am aufgebauten Repressionsapparat noch lange leiden werden.
Sämtliche Staatskanzleien, die seit Wochen Panik verbreiten, bestätigen dies indirekt, wenn sie davon ausgehen, dass die Ausbreitung des Virus erst dann gestoppt werden kann, wenn mehr als die Hälfte der Bevölkerung damit infiziert und in der Folge immunisiert ist. Wenn sich also das Virus an der sogenannten Herdenimmunität selbst erledigt, dann braucht es doch eher Vorsicht und Empfehlungen als eine das soziale Leben abwürgende Verbotsmaschine.

Vorbild Österreich
Österreich war einer der ersten Staaten in Europa, der seine demokratische Maske fallengelassen hat. Kanzler Sebastian Kurz weist immer wieder stolz darauf hin, wie er sich in Südkorea und vor allem Israel Tipps holte, um das soziale Leben kaltzustellen. Es war der 15. März 2020, ein frühlingshafter Sonntag, an dem Parlament, Bundesrat und Bundespräsident in wenigen Stunden ein Gesetzespaket geschnürt und damit de facto den Notstand ausgerufen haben. Genannt wurde er dennoch nicht so, erinnert dieses Wort doch an die Notstandsverordnung des Jahres 1933, mit der die Austrofaschisten rund um Engelbert Dollfuß den Machtwechsel zum „Ständestaat“ vollzogen.

Diesmal ging alles parlamentarisch pipi-fein durch den Plenarsaal auf den Schreibtisch von Präsident Alexander van der Bellen. Die Grünen, seit wenigen Wochen als Juniorpartner in diversen Regierungsämtern, hatten zwar für viele Funktionen noch keine Pressesprecher eingerichtet, beteuerten aber gemeinsam mit dem konservativ-autoritären Kanzler, dass die Lahmlegung des sozialen Lebens notwendig sei. „Der Feind ist das Virus“, sollte später auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula van der Leyen die Kriegsrhetorik auspacken.
Seit dem 15. März 2020 herrscht Ausgangsverbot, genannt: Ausgangsbeschränkung. Bald zogen Länder wie Frankreich und Deutschland nach. Die eigene Wohnung darf nur mehr aus dringenden Gründen verlassen werden: einem unaufschiebbarem Weg zum Arbeitsplatz, der gefälligst zu Hause einzurichten ist, zum Einkaufen von Lebensmitteln und um für jemand anderen medizinische Hilfe zu holen. Um den Block zu spazieren, ist nur alleine erlaubt oder mit einer Person, die nachweislich im selben Haushalt lebt. Wo drei oder mehr Menschen zusammenstehen, schreitet die Exekutive, vorbildlich mit Mundschutz, Handschuhen und Elektroschockern ausgestattet, ein. Polizei und LKWs teilen sich die Überlandstraßen, demnächst kommen teilmobilisierte 3.000 Militärs hinzu.
Wer hätte Ende Februar gedacht, dass sich zwei Wochen später Europas Unverantwortliche im Lizitationskampf um die härtesten Einschnitte ins Leben der BewohnerInnen befinden: isolierte Gemeinden, abgesperrte Bezirke, Tirol unter Totalquarantäne, Staatsgrenzen zu, der Schengenraum abgeschottet, spezielle Ausweise für den Gang zum Supermarkt. Die Staaten überbieten einander in Verbotsagenden.

Die Staaten überbieten sich in Verbotsregeln. Die 14-tägige Zwangsquarantäne vor oder nach Grenzübertritten hat das Unwort von der „Weltoffenheit“ abgelöst. Wir erleben, neben all dem Wahnsinn, den Offenbarungseid der Europäischen Union. Der entrechtete Mensch ist Wirklichkeit geworden. Im Dienste der Volksgesundheit. Wer soll das glauben?

Ernüchternd bislang auch die grassierende Apathie gegenüber den Verordnungen; und die sich rasch einstellende Routine, mit der die neuen asozialen Verhaltensregeln angenommen werden. Der Mann in der fast leeren U-Bahn, der einem einsteigenden Bekannten den Ellbogen statt der Hand reicht, die Bankangestellte, die einen mit riesigem, über die halben Augen reichenden Mund- und Nasenschutz sowie schwarzen Handschuhen von der Weite mit der Aufforderung begrüßt, Abstand zu halten. Übereifrige, die sich selbst zu Verhaltenswächtern stilisieren, so wie jener Mann, der im Wiener Türkenschanzpark die Polizei rief, weil sich eine Mutter mit Kleinkind nicht an die Sperre des Kinderspielplatzes hielt. Man ertappt sich schon selbst dabei, mit heruntergezogenem Pullover die Klinke der eigenen Klotür zu öffnen. Es herrschen dystopische Zustände.

Freilich, lange werden sie sich nicht halten. Der Mensch ist ein Zoon politicon, ein soziales Wesen. Wie der Fisch das Wasser braucht er die Gemeinschaft. Und erste Ansätze von Protest regen sich bereits. Wenn in Wien — wie in vielen italienischen Städten — um 18 Uhr an offenen Fenstern Musik gemacht oder geklatscht wird, dann ist das noch keine kräftige Opposition zum Polizeistaat, aber ein Ausdruck von Unzufriedenheit. Lange kann der Mensch die auferlegte Isolation nicht ertragen.
Es ist nicht das Virus, es ist die Repression.

Worüber man sich verständigen sollte:
Es ist nicht das Virus, das unser Leben dermaßen umgekrempelt hat, sondern die Antwort der Mächtigen darauf. Warum sie dies taten und welche Kalküle dahinter stehen, darüber lohnt es sich nachzudenken.
Vorweg: Ein Masterplan zur Kontrolle von allem und jedem liegt der Repressionsmaschine nicht zugrunde. Dazu läuft alles zu unkoordiniert ab und tritt die sichtbare Rat- und Kompetenzlosigkeit von Politikern zu häufig vor die Kameras.
Allerdings fällt auf, mit welcher Ausdauer und Heftigkeit die sogenannten Fallzahlen und Todesfälle gehypt werden. An der schieren Anzahl kann’s nicht liegen. China, wo das Coronavirus erstmals identifiziert wurde, meldet zum 18. März 2020 3.237 Verstorbene, was verglichen mit anderen Infektionen — wie Malaria in Afrika — keine große Panik auslösen müsste. Und in Italien, dem im Verhältnis zur Einwohnerzahl am heftigsten betroffenen Land der Welt, sind es 2.503.

Eine Besonderheit bei der — nennen wir sie für einmal so — Corona-Krise besteht darin, dass sie nicht wie die allermeisten Krankheiten vornehmlich die armen Klassen betrifft, sondern umgekehrt bei den reicheren zuschlägt.
Das Virus tut dies freilich nicht, weil es Arme und Reiche unterscheiden könnte, sondern weil seine rasante Verbreitung der weltweiten Mobilität zuzuschreiben ist. Und es sind nun einmal die besser Situierten, die Wirtschaftsbosse und EU-Abgeordneten, die alle paar Tage in voll bepackten Fliegern stundenlang dieselbe, zirkulierende Aircondition-Luft einatmen; ein idealer Verbreitungsort für ansteckende Krankheiten, wie jeder und jede weiß, der oder die öfter durch die Luft fliegt. Es dürfte auch nicht ganz zufällig sein, dass ausgerechnet Mailand, der europäische Hot Spot der Haute Couture und Fashion-Mode — Made in China — zum Einfallstor für das Virus geworden ist. Und in Österreich trugen die Skigebiete der High Society, Sankt Anton am Arlberg und Ischgl, entscheidend zur Ausbreitung des Virus bei. Beide sind mittlerweile unter absolute Quarantäne gestellt.

Von der Frau des spanischen Ministerpräsidenten Begona Gomez bis zum CDU-Hoffnungsträger Friedrich Merz ist die Oberschicht verhältnismäßig stark betroffen, was sich wiederum politisch und medial entsprechend niederschlägt. Der Klassencharakter der Virus-Verbreitung wird freilich in den großen Medienhäusern oder der Politik nicht thematisiert, stattdessen hat man sich darauf verständigt, den Schutz der Alten und Kranken in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken. Das kommt gut an und verhindert etwaiges Nachfragen.

Wer profitiert und wer verliert?
Die von der Politik lancierte und von den Medien transportierte Panik mit all ihren polizeistaatlichen Maßnahmen hat das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht und greift das wirtschaftliche rapide an. Die Sorge vor der großen Rezession greift um sich, sie ist begründet. Worin besteht also die Logik, dermaßen extreme Maßnahmen zu ergreifen, die den Unternehmen und den Investoren schaden? Oder äußert sich hierin ein politisches Primat über ökonomische Prozesse — mithin eine Zeitenwende, die nach rechts, aber auch nach links ausschlagen könnte?

Auf derart kniffelige Fragen muss es mehrere Antworten geben. Da ist einmal eine einleuchtende, die von linken Ökonomen wie Winfried Wolf im neuen Lunapark21 vertreten wird. Ihm zufolge befanden sich wichtige Sektoren, allen voran die Automobilindustrie, bereits lange vor dem viralen Ausbruch in einer tiefen Krise, die Produktionszahlen gingen zurück, die Klimafrage drohte zur Existenzfrage zu werden. Diese Sektoren könnten mit staatlich verfügter Hilfe, die nun angeblich wegen Corona notwendig geworden ist, eine ungeahnte Anschubfinanzierung für einen neuen Akkumulationszyklus erhalten. Auch direkte Verstaatlichungen, mit denen Geld wie bei der Weltwirtschaftskrise 2007/2008 in marode Banken gepumpt wurde, die sich damit sanierten, um anschließend weiterzumachen wie bisher, sind denkbar. Mit der Fluglinie Alitalia ist dies bereits gelungen.

Auch jenseits von Verstaatlichungen werden überall hoch dotierte Rettungspakete geschnürt. In Österreich vermeldete das Kanzleramt am 19. März 2020, 38 Milliarden Euro in „die Wirtschaft“ stecken zu wollen. Beim Run auf die Formulare kommen dafür ausgebildete Rechtsanwaltskanzleien ins Spiel, die sich große Unternehmen eher leisten können als kleine und mittelständische Unternehmen, die KMUs. Auch für diese Klein- und Mittelbetriebe, so die Regierung, wird es eigene Fonds geben, die unbürokratisch Geld verteilen. Dieses Geld ist natürlich nicht vorhanden, nirgends budgetiert. Zur Requirierung böte sich ein über die Zentralbanken verordnetes Bail-In an, ein Geldabschöpfen von Sparbüchern oder Anleihen.

Als Vorbild könnte die Staatskrise in Zypern gelten. Dort retteten im März 2016 der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank das zypriotische Bankensystem mit einem Monsterkredit von 17 Milliarden Euro, den sie sich durch den Zugriff auf die Sparbücher aller Zyprioten besichern ließen. Sämtliche Guthaben über 100.000 Euro wurden kassiert.

Auch wenn es sich dabei um Betriebspensionskassen wie jene der Universitätsangestellten handelte. Das Bail-Out, Raushauen, der Banken wurde mit dem Bail-In, Reinhauen oder Eintunken, der Sparbuchbesitzer betrieben.
Die Summe, die nach der sogenannten Corona-Krise für die Rettung der Betriebe notwendig sein wird, übersteigt freilich das vergleichsweise überschaubare zypriotische Vorbild aus dem Jahr 2013. Entsprechend radikaler könnten die Einschnitte sein.
Freilich gibt es in einer Krise wie der jetzigen nicht nur Verlierer, die auf staatliche Rettung warten, sondern auch direkte Profiteure.
Als krassestes Beispiel muss hier die Pharmaindustrie genannt werden. Diese hat im vergangenen Jahrzehnt einen Siegeslauf — unter anderem gegen die Tabakindustrie — hingelegt, der andere Branchen vor Neid erblassen lässt. Wer die Werbespots der großen TV-Anstalten beobachtet, dem fällt seit langem auf, wie zentral Medikamente sich dort breit gemacht haben. Das Coronavirus bietet phantastische Möglichkeiten, mit Testungen, Schutzkleidung und Impfstoffen Kassa zu machen.

Die wichtigsten wirtschaftlichen Profiteure sind allerdings weder jene, die es gut verstehen, im Anschluss an die Krise möglichst viel und effizient Staatsknete abgreifen zu können, noch eine ganze Branche wie die Pharmaindustrie, sondern die jeweils kapitalstärksten Unternehmen gegen die kleinere, schwächere Konkurrenz.
Dies gilt für alle Bereiche und Branchen. Es steht ein immenser Konzentrationsprozess bevor. Außer dem Lebensmittelhandel, den Tabakläden und den Apotheken wurden ja so gut wie alle Geschäfte behördlich gesperrt. Das trifft die kleineren, Eigentümer geführten Unternehmen härter als die großen, weil sie wochenlangen Verdienstausfall schlicht weniger gut verkraften als internationale Ketten.

Das Beispiel des Buchhandels mag die Situation erklären. Da haben sich Berlin und Wien in ihrem Corona-Wahn angemaßt, sämtliche Buchhandlungen zu schließen. Sie öffnen damit den gesamten Markt für den ohnehin schon monopolartig agierenden US-Riesen Amazon, der seine pakistanischen, outgesourcten Lieferanten nun umso mehr durch die Städte hetzt. Der kleine Laden an der Ecke oder die gut sortierte Großbuchhandlung neben der Universität, die auch geschlossen ist, bezahlen weiter Miete, Strom, Gas, Wasser, eventuell auch Angestellte, wenn sie nicht in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Soviel staatlicher Eingriff zugunsten des Branchenführers wäre ohne die autoritär-repressive Politik nie möglich gewesen.

Verlierer sind neben den kleineren Unternehmern natürlich auch alle, die nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft. Hunderttausende stehen demnächst vor dem Arbeitsamt, in Österreich waren es in den ersten beiden Tagen nach den Geschäftsschließungen bereits 49.000. Nach weiteren drei Tagen schnellte die Zahl der neu gemeldeten Arbeitslosen bis am Freitg dem 20 März 2020  auf 97.500 hoch. Die Handels- und Industrieunternehmen sowie die Dienstleister müssen nach kapitalistischer Rationalität reagieren, um im System überleben zu können. Für die Beschäftigten bedeutet dies im Fall, dass Unternehmen geschlossen sind — und das ist in diesen Zeiten der Normalfall — die Kündigung. Bemühungen um staatliche Unterstützung, wie Kurzarbeitszeitregelungen oder ähnliches, können wieder nur jene in Anspruch nehmen, deren Kraft — finanziell und arbeitstechnisch — dafür ausreicht.

Der repressive Staat, soviel ist nach diesen kurzen Erläuterungen klar geworden, macht für manche Sinn. Ökonomisch stärkt er die Starken und politisch die Autoritären, eine toxische Mischung, die wir uns alle nicht gefallen lassen dürfen.

 

Der Autor
Hannes Hofbauer studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte und arbeitet als Publizist und Verleger. Im Promedia Verlag sind von ihm zum Thema erschienen: „EU-Osterweiterung. Historische Basis – ökonomische Triebkräfte – soziale Folgen“ (2008) und „ Die Diktatur des Kapitals. Souveränitätsverlust im postdemokratischen Zeitalter (Promedia Verlag, Wien 2014)

Aus: Uhudla

 

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Oder Giorgio Agamben:

Giorgio Agamben: “Clarifications”

TUESDAY, MARCH 17, 2020 ~ ADAM KOTSKO

Translator’s Note: Giorgio Agamben asked me to translate this brief essay, which serves as an indirect response to the controversy surrounding his article about the response to coronavirus in Italy (see here for the original Italian piece and here for an English translation).


Fear is a poor advisor, but it causes many things to appear that one pretended not to see. The problem is not to give opinions on the gravity of the disease, but to ask about the ethical and political consequences of the epidemic. The first thing that the wave of panic that has paralyzed the country obviously shows is that our society no longer believes in anything but bare life. It is obvious that Italians are disposed to sacrifice practically everything — the normal conditions of life, social relationships, work, even friendships, affections, and religious and political convictions — to the danger of getting sick. Bare life — and the danger of losing it — is not something that unites people, but blinds and separates them. Other human beings, as in the plague described in Alessandro Manzoni’s novel, are now seen solely as possible spreaders of the plague whom one must avoid at all costs and from whom one needs to keep oneself at a distance of at least a meter. The dead — our dead — do not have a right to a funeral and it is not clear what will happen to the bodies of our loved ones. Our neighbor has been cancelled and it is curious that churches remain silent on the subject. What do human relationships become in a country that habituates itself to live in this way for who knows how long? And what is a society that has no value other than survival?
The other thing, no less disquieting than the first, that the epidemic has caused to appear with clarity is that the state of exception, to which governments have habituated us for some time, has truly become the normal condition. There have been more serious epidemics in the past, but no one ever thought for that reason to declare a state of emergency like the current one, which prevents us even from moving. People have been so habituated to live in conditions of perennial crisis and perennial emergency that they don’t seem to notice that their life has been reduced to a purely biological condition and has not only every social and political dimension, but also human and affective. A society that lives in a perennial state of emergency cannot be a free society. We in fact live in a society that has sacrificed freedom to so-called “reasons of security” and has therefore condemned itself to live in a perennial state of fear and insecurity.
It is not surprising that for the virus one speaks of war. The emergency measures obligate us in fact to life in conditions of curfew. But a war with an invisible enemy that can lurk in every other person is the most absurd of wars. It is, in reality, a civil war. The enemy is not outside, it is within us.
What is worrisome is not so much or not only the present, but what comes after. Just as wars have left as a legacy to peace a series of inauspicious technology, from barbed wire to nuclear power plants, so it is also very likely that one will seek to continue even after the health emergency experiments that governments did not manage to bring to reality before: closing universities and schools and doing lessons only online, putting a stop once and for all to meeting together and speaking for political or cultural reasons and exchanging only digital messages with each other, wherever possible substituting machines for every contact — every contagion — between human beings.

Source: Blog

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Exponentielles Wachstum…..

In Zeiten einer Epidemie wird das, was exponentielles Wachstum er-  und bewirkt deutlich sichtbar. Die Grundrechnungsarten muss man beherrschen, das reicht schon…..

Maybe the Most IMPORTANT Video You’ll Ever See:

Aktuelle (12.03.2020) Anwendung:

Coronavirus Epidemie in Österreich

Weltweit..

 

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Wie man spricht…… Sieger erkennt man sofort / Verlierer auch! Ja?

Wir scheitern nicht an der Realität, sondern an unseren subjektiven Wahrnehmungen, verhärteten Vorurteilen und überzogenen Erwartungen. Dabei entscheidet vor allem die richtige Perspektive über Erfolg und Misserfolg.
Voraussetzung jeden Führungsverhaltens ist die Fähigkeit, sich selbst führen zu können, auf der Grundlage eines entspannten Bewusstseins, der richtigen Einstellung zu dem was man tut, mehr noch, wie man es tut. Vor allem, woher man die Kraft und Ausstrahlung nimmt, um jeden – wirklich jeden – Auftritt beim Kunden und Mitarbeiter zu einem exzellenten Erfolgserlebnis werden zu lassen.
Wer Menschen führen will, sollte erst einmal sich selbst führen können.
Ein Vortrag von Dieter Lange, der Antworten gibt auf die wichtigsten Fragen und dort Fragen stellt, wo wir meinen, die Antworten schon zu wissen (aber, – Achtung – die ‚Glätte und Selbstverständlichkeit‘, mit der Lange hier rhetorisch ‚besticht‘, ist seine Art, sich selber zu inszenieren. Wer studieren will, wie moderne ‚Gurus‘ des westlichen INDIVIDUALISMUS arbeiten, der hat hier ein wunderbares Beispiel):

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Pain & brain….

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