Was versteht man unter Psychohygiene?

Ein Mensch sagt, und ist stolz darauf
ich geh in meinen Pflichten auf.
Doch bald darauf, nicht mehr so munter
geht er in seinen Pflichten unter.
Eugen Roth

Psychohygiene gilt als die Wissenschaft und Praxis von der Erhaltung der seelischen Gesundheit (siehe auch ‚Hygiene‘). Sie beschäftigt sich mit Lebensumständen, die sich begünstigend oder schädigend auf den menschlichen Organismus auswirken (siehe dazu auch den Beitrag ‚Psyche, was ist das?‘)

Ziel ist die Frühentdeckung der Beeinträchtigung psychischer Gesundheit, Aufklärung und Prävention. Die Psychohygiene als ein Teilbereich der Hygiene und Gesundheitsvorsorge beeinflusst alle Aktivitäten des täglichen Lebens, sowohl die physiologischen, als auch die psychologischen und geistigen (siehe dazu die Beiträge ‚Burnout – tiefer geblickt und ‚Burnout – Mensch und Arbeit am Scheideweg‚) .

Ziel der Psychohygiene ist es, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge und gesunden Lebensführung, psychische Belastungen zu reduzieren bzw. nach Möglichkeit auszuschalten. Belastungen lassen sich in Leistungsdruck, beruflicher Beanspruchung, starke Emotionen, Aufregung, Spannung und Angst differenzieren, wobei diese Auswirkungen auf die psychische, physische und soziale Integrität des Menschen haben und als Stressfaktoren bezeichnet werden.

Wie wird  ’seelische Gesundheit‘ definiert?

Was einem sowohl assoziativ als auch im Internet sofort begegnet ist der Gegenbegriff zu ’seelisch gesund‘, nämlich ’seelisch erkrankt‘. Dazu liest man ‚: „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben nach wie vor mit Stigmatisierung zu kämpfen. Für die Betroffenen sind Zurückweisung und Ausgrenzung eine enorme Belastung.“

Psychohygiene, so lässt sich also schlussfolgern, hat  zur Aufgabe, psychischer Erkrankung vorzubeugen. Ergebnis guter Psychohygiene ist ‚Resilienz‘.

„Resilienz“ stammt aus dem Englischen (resilience) und kann mit Widerstandsfähigkeit (Elastizität oder Spannkraft) übersetzt werden. Der Begriff meint die Fähigkeit, mit belastenden Situationen gut umgehen zu können.

Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur, seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, insbesondere seine emotionale Intelligenz, d. h., seine Fähigkeit, Emotionen und Handlungen zu kontrollieren und seine mehr oder weniger ‚pro-aktive‘ Einstellung zu Problemen (Neigung zum Verharren in Problemtrance / Problemfixierung oder aber Problemlösungsorientierung).

Einige Gruppen von Menschen erweisen sich als besonders resilient. Das sind in der Regel solche, die einen starken Zusammenhalt haben, eher kollektivistisch als individuell orientiert sind und sich durch starke Werte auszeichnen, die von den meisten Leuten aus der entsprechenden Gruppe geteilt werden (in der Resilienzforschung als „shared values“ bezeichnet).

Siehe Wikipedia Artikel: Resilienz

Wie kann aber Psychohygiene in einer hochindividualisierten Leistungsgesellschaft möglich gemacht werden? In einer Gesellschaft, in welcher der soziale Zusammenhang immer zufälliger wird und damit die Stabilität und Tragfähikgeit von Beziehungen abnimmt?

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Nik Wallenda (34)  auf einem Hochseil über den Grand Canyon

Antwort: Indem man ‚balancieren‘ lernt, auf auf dem ’schmalen Grat‘ zwischen gegensätzlichen Anforderungen zu gehen lernt, d.h. indem ‚geistig und mental höchst beweglich wird.‘ Das setzt die ‚Fähigkeit voraus, alle Überzeugungen ‚einklammern‘ zu können  und ‚ganz da zu sein‘, d.h. alles was überhaupt wert ist getan zu werden, auch mit ‚ganzer Aufmerksamkteit zu tun‘ (Stichwort: Flow).

„Volle Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller besonderen und schon ausgeformten Gedanken einem Menschen auf einem Berge gleichen, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich, doch ohne hinzublicken, viele Wälder und Ebenen bemerkt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen.“ – Simone Weil

Der Dichter Franz Kafka hat dazu folgendes angemerkt: „Die Wahrheit ist das, was jeder Mensch zum Leben braucht und doch von niemand bekommen oder erstehen kann. Jeder Mensch muss sie aus dem eigenen Innern immer wieder produzieren, sonst vergeht er. Leben ohne Wahrheit ist unmöglich. Die Wahrheit ist vielleicht das Leben selbst.“

Siehe dazu auch: Psychoneuroimmunologie,  ‚Widerstandskraft entwickeln – aber wie?‚, ‚Output ohne Input, das geht auf Dauer nicht‘ und ‚Wohlwollend neutrales Beobachten‘ und Entspannungsmusik

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Quod erat demonstrandum?

Nach einem Coachingtermin mit einer TOP-Führungskraft wurde mir heute klarer als je zuvor:

Zu Beginn der Pandemie hätten die Regierenden eigentlich mit folgender Strategie erfolgreiches ‚Komplexitätsmanagement‘ einleiten können / müssen:

„Die Situation ist für uns alle eine neue und unübersichtliche Herausforderung. Diese besteht darin, gemeinsam zu lernen. Vorsicht ist genauso das Gebot der Stunde wie auch das umfassende und vertiefte Studium des Krankheitserregers und der Krankheits- und Erkrangkungsverläufe. Jede*r ist gefordert zu lernen.“

Damit hätte ein kollektiver Lernprozess statt kollektiver Panikmache einsetzen können. Wäre das tatsächlich eine Möglichkeit gewesen?

Ja und Nein. Ja, warum denn nicht? Theoretisch ist LERNEN und ERKUNDEN immer eine Möglichkeit; und dazu auch noch die vernünftigeste. Aber ‚kollektiv‘ agieren Menschen angesichts von Gefahren nur sehr selten mit VERNUNFT, also rational. Krudere Angstbewältigungsformen stehen spontan im Vordergrund, sofern der  kulturelle ‚Reifegrad‘ von Gesellschaften diese nicht spontan in den Hintergrund drängt.

Wie reagiert und agiert wurde wissen wir: mit ‚WAR ON VIRUS‘ – den lebensbedrohlichen Feind unter Kontrolle bringen. Dazu musste man schreckliche ‚Feindbilder‘ produzieren und Angst vor dem Bedroher schüren. Beides war und ist bis heute schnell zur Hand.

Ich habe mich sogleich gefragt: ‚Wie kommt man aus dieser ‚Nummer‘ wieder heraus?‘ Und die Antwort war auch gleich da: schwer bis gar nicht. Wer Wind sät, der wird Sturm ernten…..

Und mir war auch sehr bald klar: wäre ich heuer im Frühjahr in Regierungsverantwortung gewesen, ich hätte nicht viele Wahlmöglichkeiten gehabt, hätte nicht viel anders agieren können, als tatsächlich agiert wurde. Die Bandbreite des Möglichen wurde uns weltweit ohnehin vorgeführt.

Also lehrt uns diese Art der Betrachtung etwas, etwas schrecklich Ernüchterndes: wir – die Menschheit – sind als Kollektiv zu Beginn des 21. Jhdts zwar technlogisch äußerst  lernfähig, sonst aber – psychosozial – ähnlich primitiv strukturiert wie die ersten Primaten.

Zum Management der komplexen Mensch-Umweltbedingungen, die wir heute geschaffen haben, sind wir völlig ungeeignet. Wir haben unsere Lektionen nicht gelernt. Das haben wir gewusst, geahnt.

Jetzt haben wir aber den Beweis.

Was also zu lernen wäre:

We define the concept of “situation” by saying that it represents a standpoint that limits the possibility of vision. Hence essential part of the concept of situation is the concept of “horizon.” The horizon is the range of vision that includes everything that can be seen from a particular vantage point …. A person who has no horizon is a man who does not see far enough and hence overvalues what is nearest to him…… (Gadamer)

We all have a natural distaste for ambiguity and confusion, it goes up from situational stressors, on an individual level and a group level. And we’re stuck with it simply because we have to be ambiguity-reducers. “You’re going to have to defend your decisions later on,” or, “Think of the consequences of your decision.” It’s not enough to just say, “I should take my time before a decision” because we all know that, we just don’t do it. One strategy is to formalize those kinds of reminders. Write down not just the pros and cons, but what are the consequences of the decision? And also think about how stressed you are that day. Are you feeling rushed? Is your need for closure particularly high that day? Then it’s even more important to be deliberate…..

https://www.theatlantic.com/health/archive/2015/10/the-benefits-of-getting-comfortable-with-uncertainty/409807/ 

Krishnamurti: I wonder if we really are aware of anger, sadness, happiness? Or are we aware of these things only when they are all over? Let us begin as though we know nothing about it at all and start from scratch. Let us not make any assertions, dogmatic or subtle, but let us explore this question which, if one really went into it very deeply, would reveal an extraordinary state that the mind had probably never touched, a dimension not touched by superficial awareness. Let us start from the superficial and work through.

We see with our eyes, we perceive with our senses the things about us – the colour of the flower, the humming bird over the flower the light of this Californian sun, the thousand sounds of different qualities and subtleties, the depth and the height, the shadow of the tree and the tree itself. We feel in the same way our own bodies, which are the instruments of these different kinds of superficial, sensory perceptions. If these perceptions remained at the superficial level there would be no confusion at all. That flower, that pansy, that rose, are there, and that’s all there is to it. There is no preference, no comparison, no like and dislike, only the thing before us without any psychological involvement. Is all this superficial sensory perception or awareness quite clear? It can be expanded to the stars, to the depth of the seas, and to the ultimate frontiers of scientific observation, using all the instruments of modern technology. So you see that the rose and all the universe and the people in it, your own wife if you have one, the stars, the seas, the mountains, the microbes, the atoms, the neutrons, this room, the door, really are there. Now, the next step; what you think about these things, or what you feel about them, is your psychological response to them. And this we call thought or emotion. So the superficial awareness is a very simple matter: the door is there. But the description of the door is not the door, and when you get emotionally involved in the description you don’t see the door. This description might be a word or a scientific treatise or a strong emotional response; none of these is the door itself. This is very important to understand right from the beginning. If we don’t understand this we shall get more and more confused. The description is never the described. Though we are describing something even now, and we have to, the thing we are describing is not our description of it, so please bear this in mind right through our talk. Never confuse the word with the thing it describes. The word is never the real, and we are easily carried away when we come to the next stage of awareness where it becomes personal and we get emotional through the word.

So there is the superficial awareness of the tree, the bird, the door, and there is the response to that, which is thought, feeling, emotion. Now when we become aware of this response, we might call it a second depth of awareness. There is the awareness of the rose, and the awareness of the response to the rose. Often we are unaware of this response to the rose. In reality it is the same awareness which sees the rose and which sees the response. It is one movement and it is wrong to speak of the outer and inner awareness. When there is a visual awareness of the tree without any psychological involvement there is no division in relationship. But when there is a psychological response to the tree, the response is a conditioned response, it is the response of past memory, past experiences, and the response is a division in relationship. This response is the birth of what we shall call the „me“ in relationship and the „non-me“. This is how you place yourself in relationship to the world. This is how you create the individual and the community. The world is seen not as it is, but in its various relationships to the „me“ of memory. This division is the life and the flourishing of everything we call our psychological being, and from this arises all contradiction and division. Are you very clear that you perceive this? When there is the awareness of the tree there is no evaluation. But when there is a response to the tree, when the tree is judged with like and dislike, then a division takes place in this awareness as the „me“ and the „non-me“, the „me“ who is different from the thing observed. This ‚me‘ is the response, in relationship, of past memory, past experiences. Now can there be an awareness, an observation of the tree, without any judgement, and can there be an observation of the response, the reactions, without any judgement? In this way we eradicate the principle of division, the principle of ‚me‘ and ’non-me‘, both in looking at the tree and in looking at ourselves.

Dazu Elias Canetti :

„Ich habe sie (die Dichter, Anm. G.G) als die Hüter der Verwandlungen bezeichnet, aber sie sind es noch in einem anderen Sinne. In einer Welt, die auf Leistung und Spezialisierung angelegt ist, die nichts als Spitzen sieht, denen man in einer Art von linearer Beschränkung zustrebt, die alle Kraft an die kalte Einsamkeit der Spitzen wendet, das Danebenliegende aber, das Vielfache, das Eigentliche, das sich zu keiner Spitzenhilfe anbietet, missachtet und verwischt, in einer Welt, die die Verwandlung mehr und mehr verbietet, weil sie dem Allzweck der Produktion entgegenwirkt, die bedenkenlos die Mittel zu ihrer Selbstzerstörung vervielfältigt und gleichzeitig zu ersticken sucht, was an früher erworbenen Qualitäten des Menschen noch vorhanden wäre, das ihr entgegenwirken könnte, in einer solchen Welt, die man als die verblendetste aller Welten bezeichnen möchte, scheint es von geradezu kardinaler Bedeutung, dass es welche gibt, die diese Gabe der Verwandlung ihr zum Trotz weiter üben. Dies, meine ich, wäre die eigentliche Aufgabe der Dichter. Sie sollten, dank einer Gabe, die eine allgemeine war, die jetzt zur Atrophie verurteilt ist, die sie sich aber mit allen Mitteln erhalten müssten, die Zugänge zwischen den Menschen offenhalten. Sie sollten imstande sein, zu jedem zu werden, auch zum Kleinsten, zum Naivsten, zum Ohnmächtigsten. Ihre Lust auf Erfahrung anderer von innen her dürfte nie von den Zwecken bestimmt sein, aus denen unser normales, sozusagen offizielles Leben besteht, sie müsste völlig frei sein von einer Absicht auf Erfolg oder Geltung, eine Leidenschaft für sich, eben die Leidenschaft der Verwandlung.

Es würde ein immer offenes Ohr dazugehören, doch wäre es damit allein nicht getan, denn eine Überzahl der Menschen heute ist des Sprechens kaum mehr mächtig, sie äußern sich in den Phrasen der Zeitungen und öffentlichen Medien und sagen, ohne wirklich dasselbe zu sein, mehr und mehr dasselbe. Nur durch Verwandlung in dem extremen Sinn, in dem das Wort hier gebraucht wird, wäre es möglich zu fühlen, was ein Mensch hinter seinen Worten ist, der wirkliche Bestand dessen, was an Lebendem da ist, wäre auf keine andere Weise zu erfassen. Es ist ein geheimnisvoller, in seiner Natur noch kaum untersuchter Prozess und doch ist es der einzige wahre Zugang zum anderen Menschen.“

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Extremely rare

“Knowing your own darkness is the best method for dealing with the darknesses of other people. One does not become enlightened by imagining figures of light, but by making the darkness conscious. The most terrifying thing is to accept oneself completely. Your visions will become clear only when you can look into your own heart. Who looks outside, dreams; who looks inside, awakes.”

C.G.Jung

„When the doors of perception are cleansed, men [and women] will see things as they truly are, infinite.“ ~William Blake

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Kollektive Panik?

corona lombardei

Wertschätzung des Lebens

„…… Wir haben überreagiert, weil uns mit Bildern von sterbenden Menschen die so gründlich verdrängte Hinfälligkeit der menschlichen Existenz vor Augen geführt wird. Es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert, Verdrängungen brechen immer irgendwann auf. Das Coronavirus hat sich dafür so gut geeignet, weil niemand dagegen immun war und weil es sich weltweit so rasant ausbreiten konnte. Und weil die Angst sich durch die aberwitzigen globalisierten Ländervergleiche von einer nationalen Hysterie zu einer planetaren Panik auswachsen konnte.

Die moralischen Dimensionen stimmen nicht. Wie oft nehmen wir Medienberichte über den den Verlust von Menschenleben achselzuckend zur Kenntnis: über tausende Todesopfer im Straßenverkehr etwa oder über Hunderttausende von alten oder vorerkrankten Menschen, die laut Angaben der Europäischen Umweltagentur Jahr für Jahr an den Folgen von Feinstaubbelastung vorzeitig sterben. Um viele dieser Menschenleben zu retten, wäre kein milliardenschwerer Shutdown nötig gewesen.

Tempolimits und temporäre Fahrverbote in den Krisenzonen hätten ausgereicht. Aber wir waren nicht einmal bereit, diesen Menschen zuliebe unsere Mobilitätsgewohnheiten zu ändern. Und jetzt sind wir plötzlich in der Lage, zum Schutz von bedrohten Menschenleben das gesamte öffentliche Leben und die komplette Wirtschaft stillstehen zu lassen? So fixiert sind wir auf diese vermeintlich ganz und gar einzigartige Bedrohung, dass uns solche Widersprüche nicht auffallen.

Es wird sich schon bald zeigen, wie nachhaltig unsere neu entdeckte Wertschätzung des Lebens sein wird. Die nächste Epidemie kommt bestimmt. In Deutschland sind allein in der Grippesaison 2017/18 mehr als 25.000 Menschen gestorben, an und mit dem Virus. Damals war uns das nur eine Randnotiz wert. Werden wir bei der nächsten Grippewelle erneut den Kampf um jedes einzelne Menschenleben aufnehmen und das öffentliche Leben lahmlegen? Und werden die Medien dann wieder täglich von der Opfer-Olympiade aller Länder berichten? Oder wird das Coronavirus für immer jene Heimsuchung bleiben, der wir für einen kurzen entgrenzten Moment buchstäblich die Krone aufgesetzt haben? (Album, Dietmar Krug, 6.9.2020)“

Quelle: Der Standard

Und zu den medizinischen Aspekten der ‚Überreaktion‘:

Dr. HADITSCH

Quelle: ORF

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Die vier ‚edlen Wahrheiten’…. or: the symbol gets in the way of practical life

 

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Köper und Psyche sind ‚meine Angelegenheit‘ – besonders jetzt

In Zeiten von Covid 19 schreitet die Medizinalisierung des Alltags rapide voran.

Medizinalisierung?

Ja, Gesundheit primär als ‚Angelgenheit‘ von ‚Health-Care-Expertinnen‘ und Politikern und nicht ‚mein und Dein Geschäft‘.

Da tut es gut, sich diesen Google-Talk in Erinnerung zu rufen, MIND OVER MEDICINE, von Dr. Lissa Rankin:

„She is a physician whose research led her to discover that our bodies have natural self-repair mechanisms that can be activated or disabled based on thoughts, beliefs, and feelings that originate in the mind. She is on a mission to heal our broken health care system, help patients play a more active role in healing themselves, heal, train and certify physicians in a more enlightened way of practicing medicine, and encourage the health care industry to embrace and facilitate, rather than resist, the body’s self-healing capacities.

Dr. Lissa Rankin was a skeptical physician, trained in evidence-based academic medicine and raised by a closed-minded physician father.

But after witnessing patients who declined conventional medical treatment, only to experience spontaneous remissions from seemingly „“incurable““ illnesses, she couldn’t deny the possibility that patients might hold within them the power to heal themselves. Her curiosity led her to dig deep into the medical literature to scientifically prove that the mind can heal the body as well as make the body sick.

Her search uncovered not only proof that our bodyminds can heal themselves, but also the shocking physiological mechanisms of how emotions like fear, loneliness, pessimism, and depression can make bodies sick, while love, intimate connection, optimism, and faith can heal them.“

Muss aber durch diesen Vortrag ergänzt werden:

„Stress is ubiquitous these days — it plays a role in the workplace, in the home, and virtually everywhere that people interact. It can take a heavy toll on individuals unless it is recognized and managed effectively and insightfully. This is even more true for parents, family members and caregivers of individuals with neuro-behavioural disorders such as FASD, and if left unchecked, accumulated stress goes on to undermine immunity, disrupts the body’s physiological milieu and can prepare the ground for a multitude chronic diseases and conditions.
This presentation, adapted for this conference, is based on When The Body Says No, a best-selling book that has been translated into more than twelve languages on five continents.“

Und diese beiden ‚Expertenmeinungen‘ über ‚Expertisen‘ müssen unbedingt durch diesen Blickpunkt ergänzt werden:

„You can know yourself only when you are unaware, when you are not calculating, not protecting, not constantly watching to guide, to transform, to subdue, to control; when you see yourself unexpectedly, that is, when the mind has no preconceptions with regard to itself, when the mind is open, unprepared to meet the unknown. If your mind is prepared, surely you cannot know the unknown, for you are the unknown. If you say to yourself, ‚I am God,‘ or ‚I am nothing but a mass of social influences or a bundle of qualities‘; if you have any preconception of yourself, you cannot comprehend the unknown, that which is spontaneous.
So spontaneity can come only when the intellect is unguarded, when it is not protecting itself, when it is no longer afraid for itself; and this can happen only from within. That is, the spontaneous must be the new, the unknown, the incalculable, the creative, that which must be expressed, loved, in which the will as the process of intellect, controlling, directing, has no part. Observe your own emotional states and you will see that the moments of great joy, great ecstasy, are unpremeditated; they happen, mysteriously, darkly, unknowingly.“

 J. Krishnamurti, The Book of Life

 

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„Wasser, Wasser überall, aber kein Tropfen zu trinken.“ – Amusing Ourselves to Death

Am 19.03.2001 erschien die u.a. Rezension in der FAZ. Heute schreiben wir Ende August 2020.

UND ES IST ALLES NOCH VIEL SCHLIMMER GEKOMMEN ALS ES SICH IE HERREN POSTMAN, ORWELL UND HUXLEY SAMT REZENSENTEN ÜBERHAUPT VORSTELLEN KONNTEN. Sowohl „1984“ als auch „Schöne Neue Welt“ wurden / werden heute gleichzeitig umgesetzt: sie kannten die VIRTUALISIERUNG DER REALITÄT DURCH BIG DATA noch nicht gut genug………

Aber die Tendenzen haben sie treffend erkannt. Ja, ja…. „die kontextlose, für den Empfänger letztlich irrelevante Information …… erfreut sich heute allgemeiner Beliebtheit, vorausgesetzt, sie ist total und erfolgt möglichst noch vor dem zu berichtenden Ereignis.“

Oder besser noch: statt wirklicher Ereignisse. Virtuelle Realität eben…… the medium is the message / massage …… Vermeidung von Kontemplation durch die Art der Rezeption …..

***

Ausgangs- und Fluchtpunkt von Neil Postmans kulturkritischer Polemik „Amusing Ourselves to Death“ sind Orwells „1984“ und Huxleys „Schöne Neue Welt“. Aber während Orwell eher das Modell für den Ostblock darstellt, so Postman, wird Huxley Dystopie im Westen mit großen Schritten umgesetzt.

Der Unterschied: Orwell spricht von Kulturverfall durch Überwachung, Huxley vom Kulturverfall durch Vergnügen. Nicht das Gefängnis, sondern das Fernsehen ist das Problem, wobei die Gefahr dadurch verstärkt wird, dass die Menschen ihren Unterdrücker lieben, so wie sie jeden lieben, der ihnen Zerstreuung gewährt.

Bittere Medienmedizin

Wofür Postman, der am 8. März 70 Jahre alt wurde, steht, weiß man gewöhnlich auch, wenn man sein Buch nicht gelesen hat. Da mag es erstaunen, wenn der Autor Gefallen am „Unsinn im Fernsehen“ findet und die Gefahr eher dann sieht, wenn sich das Fernsehen „anspruchsvoll gibt und sich als Vermittler bedeutsamer kultureller Botschaften präsentiert“. Aus diesem Grunde finden auch bemühtere Sendungen wie die „Sesamstraße“ keine Gnade, setzt diese doch an die Stelle des konzentrierten, angestrengten Lernens die Idee vom Unterricht als Unterhaltung. Postmans Bildungsidee, da bleiben keine Zweifel, beruht ganz auf der Rhetorik des sorgevollen, gestrengen Apothekers: Nur was bitter schmeckt, hilft.

Er argumentiert im Sinne seines Vorbilds Marshall McLuhan vom Medium her und nicht von dessem Einsatz: Das Fernsehen hat da schon vor dem Einschalten verloren. Denn die Sünde liegt im Verstoß gegen das zweite Gebot: Du sollst dir kein Bildnis machen, was auf die Verteidigung der abstrakten Idee des Wortes gegen dessen sinnliche Verkörperlichung zielt. Die Dispositive des Fensehens aber heißen: Ersetzung des Wortes durch das Bild, Tendenz zu kurzen Schnitten, Vermeidung der kontemplativen Situation schon durch den unaufhaltsamen Ablauf der Rezeption. Im Zeitalter der privaten Sender und der Fernbedienung kommen die Vermeidung von Irritation und kognitiver Überforderung – beide im Ruch, Zuschauerverluste zu verursachen – hinzu. Es sind die „grammatischen Eigenschaften“ der Medien, und nicht ihrer Inhalte, die eine bestimmte Art zu denken und zu empfinden begründen.

Dieser Determinismus hat Geschichte: So wie einst Montesquieu von der geographischen Struktur („De l’Esprit Des Lois“, 1748), so erklärte Herder („Ideen“, 1784-91) von der Struktur der Sprache aus den Charakter eines Volkes. Demnach hindere zum Beispiel die einfache Satzstruktur im Französischen an tieferer Philosphie in dieser Sprache, ganz im Gegensatz zum deutschen Satzbau. Solch indifferente, aber griffige Erklärungen sind der Stoff, aus dem Vorurteile gemacht werden.

Sprache, Philosophie und Fernsehen

Vorurteile lassen Postman denn auch übersehen, dass das Fernsehen in seinen Anfangsjahren durchaus Langsamkeit und Sachlichkeit kannte, „Short Cuts“ also nicht unbedingt eine Frage der Technik, sondern des Lebensgefühls sind. Dass Nachrichtensprecher heute zu Unterhaltungsstars mutieren, muss auch an etwas anderem liegen.

Dass Postmann dieser Spur überhaupt nicht nachgeht, ist ein Mangel seines Buches.

Und doch, betrachtet man den aktuellen Stand der Dinge, wird man Postman in vielem Recht geben. Das Fernsehen hat unsere Wahrnehmungsgewohnheiten und Erwartungshaltungen verändert, und das Internet mit seiner Klick-Logik wird die konstatierte Tendenz zur „Sitcom-Kultur“ (alle 20 Sekunden ein Witz) gewiss nicht aufhalten.

Was Informationen betrifft, so liegt deren Wert heute eher im Tempo der Bereitstellung als im Nutzen für die eigene Lebenssituation. Die kontextlose, für den Empfänger letztlich irrelevante Information – die Thoreau bereits mit der Einführung der Telegraphie aufkommen sah, und die in der Erfindung des Kreuzworträtsel ihren größten Erfolg feiert – erfreut sich heute allgemeiner Beliebtheit, vorausgesetzt, sie ist total und erfolgt möglichst noch vor dem zu berichtenden Ereignis.

McLuhan – Postman – Springsteen

Man mag Postmans Kulturpessimismus als antiquierten Bildungskonservatismus und nicht therapierte Technikphobie durchschauen. Die Lektüre seines Buches hilft dennoch, angesichts des gegenwärtigen Massenkonsums von Information und Unterhaltung – der uns glücklich zu machen scheint wie die Droge „Soma“ die Bewohner der Brave New World – innezuhalten und noch mal Bruce Springsteens „57 Channels And Nothin‘ On“ aufzulegen oder, was Postman tut, mit Coleridge den ersten poetischen Medienkritiker zu zitierten: „Wasser, Wasser überall, aber kein Tropfen zu trinken.“

Quelle: FAZ, Wider die Kultur der Sitcom

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Infinite Potential – The Life and Ideas of David Bohm

He was one of the 20th Century’s most brilliant physicists. Albert Einstein called him his spiritual son. The Dalai Lama relied upon him as his “science guru.” So why is it that hardly any of us know the name: David Bohm?

By telling the little-known story of David Bohm and evoking the realms he explored in his research, INFINITE POTENTIAL takes us on a mesmerizing and immersive journey into the mystery of Consciousness––through the use of hypnotic music and rich visual tapestries. The film includes interviews with luminaries such as H.H. the Dalai Lama, esteemed artist Antony Gormley, Oxford philosopher and physicists Sir Roger Penrose, and many more who were influenced by Bohm’s revolutionary work.

Growing up in a poor Pennsylvania coal-mining town during the Great Depression, David Bohm possessed a rare and maverick intelligence that baffled his parents and peers. After earning a scholarship to go to college, Bohm got the attention of the greatest minds in science, including Robert Oppenheimer, the father of the Atomic Bomb, who became his thesis advisor but would eventually turn against him.

Bohm’s explorations led him to intuit a hidden order to reality––the Quantum Potential––that underlies both the microscopic world of subatomic particles and also the macro world of stars and galaxies. Bohm had turned to Eastern thought and the wisdom traditions of India to talk about something that underlies all of creation––a realm that mystics have known about for millennia and modern science is only just beginning to explore. Bohm’s revolutionary ideas were way ahead of their time––a threat to the scientific orthodoxy. And that’s why he was dismissed.

Today, University College London and the University of Toronto are conducting experiments to prove the existence of the Quantum Potential, which could revolutionize human thought, our relationship to the planet––and David Bohm could well become a household name.

David Bohm in conversation with Indian philosopher and writer Jiddu Krishnamurti, with whom he had a twenty-five year relationship.

 

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Das Unerhörte ist alltäglich geworden

An endemic criminality that hides itself in tacit principles, values, procedures, in everyday language and everyday tyranny prvails today……

Ingeborg Bachmann:

„…. our plague is real: our historical and political metaphors are out of control. There is ‘a pandemic of’ we say – and what we also mean is that there is violence we can’t stop, and which seems to infect not only lives and minds, but the very words we use.“

‘No new world without a new language’ is one of Bachmann’s most frequently quoted sayings (‘Keine neue Welt ohne neue Sprache’).

‘I’ve often wondered,’ Bachmann wrote in the 1960s, ‘just where the virus of crime escaped to – it cannot have simply disappeared from our world 20 years ago just because murder is no longer praised, desired, decorated with medals …’ Exactly like Camus, she saw that European fascism had released an insidious kind of evil into the world. Around the same time, Arendt (who admired Bachmann) used the expression ‘the banality of evil’ to similarly describe an endemic criminality that hides itself in tacit principles, values, procedures, in everyday language and everyday tyranny.

The plague novel

 

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Watts on C.G.Jung

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Psychedelics and How to Change Your Mind

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