Hindernisse ‚bypassen’…..

Wenn man heute eine politisches oder institutionelles ‚Problem‘ lösen will, dann weiß man nicht so recht, wo anfangen. Denn es sind zumeist vertrackte Probleme, will heißen, komplexe Zusammenhänge machen lineare Lösungen unmöglich. Und die meisten Lösungen ‚emergieren‘ erst während des Prozesses, wenn überhaupt, was alle ‚Planungen‘ dann immer ‚alt ausschauen‘ lässt…

Die Bewältigungsversuche der aktuellen Covid-Pandemie dürfen da durchaus als aktuelles Beispiel herangezogen werden.

Es gibt aber ein ‚Grundprinzip‘, auf welchem alle erfolgreichen Bewältigungsstrategien von ‚Problemen‘ aufruhen: zuerst mal einen BYPASS durch den Problemdschungel legen. Was ist damit gemeint?

Sich nicht von der Dringlichkeit der Problemlösung terrorisieren lassen, sondern innerlich einen weiten Abstand zur aktuellen Problemsituation gewinnen. Alle ‚Frames‘ hinter sich lassen (indem man sie mental einklammert), in denen das vorliegende Problem bislang ‚eingefasst‘ worden ist. Wären sie ‚passend‘ oder ’stimmig‘, dann wäre eine funktionierende Problemlösung ja schon in Sicht…..

Denn ja …. zumeist ist nämlich die Tatsache des Festhaltens an unpassenden Lösungsversuchen dafür verantwortlich, dass Probleme immer ‚unlösbarer‘ erscheinen bzw. werden. Sich ein paar Momente von allen Vorannahmen und Vorurteilen lösen — das ist mit ‚Bypass legen‘ gemeint. Und auch: sich immer wieder neu auf dieses Fundament besinnen, beziehen. Dann können alle Formen von Kreativität zu blühen beginnen, allerorts, ‚wie von Zauberhand koordiniert‘.

In anderen Worten:

„Wenn der Zuhörer weiterhin außer Kraft gesetzt bleibt, ohne sich in das Zuhören als solches einzumischen, dann geschieht es ganz von selbst, dass der relative, gespaltene Verstand von seiner natürlichen Neigung abgehalten wird, sich mit umständlichen Interpretationen von Worten zu beschäftigen, und er wird zudem daran gehindert, den ununterbrochenen Vorgang des Objekte -Schaffens weiter aufrechtzuerhalten. Dann hat der heile und umfassende Verstand die Möglichkeit, in direkter Verbindung mit dem reinen Sprechen und dem reinen Hören das Yoga der Worte hervorzubringen. Dann ist die Möglichkeit dafür geschaffen, dass die Worte ihre innerste, tiefste und feinste Bedeutung offenbaren.“ – Ramesh S. Balsekar, in: Pointers, S. 190 f

…..in direkter Verbindung mit dem reinen Sprechen und dem reinen Hören das Yoga der Worte hervorzubringen!

Und dieses ‚reine Hören und Sprechen‘ ist’s, das uns heute so bitterlich fehlt. Daher schreitet die Verzweiflung und Komplizieung des Lebens so rapide voran, und damit auch das Anwachsen untauglicher Lösungsversuche.

Die Gefahr wächst dadurch, täglich und stündlich. Und mit ihr jene Angst, die dumm macht.

Bypass legen ist aber eine lebenslange Übung, die viel Ausdauer verlangt. Man ‚hat‘ diese Fähigkeit nicht, sie ist die Aktualität des Prozesses der ständigen Erneuerung seiner selbst.

P.S.:

„In allen Bereichen – Wissenschaft, Technologie, Politik, Religion – neigen wir dazu, nützliche Interpretationen in eingefrorene und potenziell gefährliche Ideologien zu verwandeln. Anstatt die konkrete Anwendung der Wörter zu betrachten, lösen wir sie von der Praxis und versehen sie und die Bilder, die sie erzeugen, mit größerer Realität als die Realität selbst, auf die sie sich beziehen. Wir stehen auf der Seite der Worte, selbst wenn sie anfangen, der zu Grunde liegenden Realität zu widersprechen. Am Ende gibt es nur eine Art von Bedeutung. Wie Wittgenstein es ausdrückt, wenn die Abstraktionen der Philosophie einen Nutzen haben sollen, „muss er so bescheiden sein wie jener der Wörter „Tisch“, „Lampe“, „Tür“. Er könnte „hmm“ hinzugefügt haben.

https://aeon.co/essays/why-meaning-is-more-sunken-into-words-than-we-realise

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