„What’s Love Got To Do With It“?

flirt

What’s love got to do, got to do with it
What’s love but a sweet old fashioned notion
What’s love got to do, got to do with it
Who needs a heart when a heart can be broken

– Tina Turner

Jeder von uns ist tief drinnen gespalten, zerrissen und liebt damit sich und die anderen auf ‚herzzerreißende‘ Weise.

Wir glauben das nicht, und verstehen es auch dann nicht, wenn psychische „Unwetter“ unerwartet – wie aus ‚heiterem Himmel‘ -als der erlebbare Ausdruck dieser Tatsache über uns hereinbrechen (denn wir machen dann automatisch immer ‚die Anderen‘ für unser ‚Schlechtgehen‘ verantwortlich). Und so führen wir einen unbewussten Kampf gegen uns selber, einen, den wir aber nie gewinnen können und bei dem wir nicht nur uns selber verfehlen, sondern in dem wir auch die Nähe zu unseren Freunden und Geliebten, und damit unsere wirkliche Lebensfreude verlieren. Wir „agieren“ dabei aus, was in jedem von uns angelegt ist: tiefsitzende innere Konflikte („Leider hat die Realität auch noch ein Wörtchen mitzureden“, sagt die Protagonistin dazu in der nachfolgend dargestellten ‚Szene‘).

Wir sehen diese erst, wenn wir sie in Szene setzen (uns oder anderen unfreiwillig eine ‚Szene machen‘), denn als Personen ‚sind‘ wir diese Konflikte. Sie zu verstehen, bedeutet, eine andere Person zu werden. Das ist die große Chance! Sie nicht zu verstehen, bedeutet, sie immer wieder erleben zu müssen: das ist die große Gefahr.

Das Verstehen solcher ‚traumatisierenden Erlebnisse‘ (es sollte besser heißen: das Verstehen der Bedeutung der Re-Inszenierung solch früher, und daher unbewusster Traumatisierungen) ist eine Reise durch die unentdeckten Schmerzen aus vergangenen Zeiten: eine klärende Reise in die Tiefen der eigenen Seele.

Zumeist aber bleiben wir im Selbstmitleid stecken, und damit in den unverstandenen Wiederholungen aller dieser Re-inszenierungen früher Traumatisierungen (‚Ich glaube an das Schicksal, aber was es mir damit sagen wollte, ist mir unklar‘, sagt die traurig-wütende Heldin der nachfolgend dargestellten Episode). Es sind Dramen, bei denen der tragische Held / die tragische Heldin als der / die große VerliererIn schon von vornherein feststeht.

►► Und genau aus diesem Stoff sind unsere ‚Lebensthemen‘, unsere ‚Lebensdramen‘ gemacht. Der Psychotherapeut Erich Fromm meinte, dass unsere ‚Lebensthemen‘ damit a) intensiv, ja geradezu ‚gewalttätig’ wären, b) die Gesamtpersönlichkeit, also Geist und Körper erfassen würden und c) so lange wiederkehren würden, bis wir sie endgültig verstanden hätten (d.h. für die meisten Menschen damit nie endgültig lösbar erscheinen würden).

Nachstehend ein anschauliches Beispiel dafür, eines von vielen, die man heute in einschlägigen Blogbeiträgen in Sekundenschnelle finden kann (diese anschauliche und freimütig dargestellte ‚Szene‘ wurde von mir jüngst – d.h. Ende August 2015 – in einem öffentlich zugänglichen Sozialen Medium gefunden).

***

And the winner takes it all

„Urlaub, endlich Urlaub! Monate habe ich durchgearbeitet und mir diese zwei Wochen “Erholung” verdient. Hätte mir jemand vorher gesteckt, mit welchem Gefühl ich aus diesem Urlaub kommen würde, hätte ich wohlmöglich lieber weitergearbeitet. Aber von vorn.

Wochenende, 5 Sterne Hotel in Berlin und ein voller Partyplan. Auf eine bestimmte Rockparty freuten wir uns schon seit Wochen und widmeten uns schon Stunden vorher den Vorbereitungen.

Perfekt gestylt malten wir uns den Ablauf des Abends aus. Wir würden den Club betreten, die Blicke der Männer hingen sich an unsere Fersen, Augenpaare nur auf uns gerichtet. Der DJ hätte keine andere Möglichkeit, als unsere Lieblingslieder zu spielen. Wie in Trance würden wir zum Beat tanzen, unseren Wimpernaufschlag nur zum Flirt mit den schönsten Männern nutzen. Am anderen Ende des Clubs würde jede von uns den Mann ihrer Träume erspähen, ihm ein Lächeln schenken und ihn Minuten später inkl. zweier Biere in der Hand auf der Tanzfläche treffen. Zu viert würden wir uns anlächeln in dem Wissen, dass wir kurz darauf wild knutschen in der Ecke stehen sollten. Mit neuen Handynummern in der Tasche, würden wir trunken vor Freude bei Sonnenschein den Club verlassen und glückselig ins Hotelbett fallen.

So der Plan. Leider hat die Realität auch noch ein Wörtchen mitzureden. Perfekt gestylt liefen wir an den Türstehern eines Berliner Rockclubs vorbei, schon von weitem hübsche Männer entdeckend. Reizüberflutung, Blicke nach rechts, Blicke nach links. Nehme ich den dort? Oder den? Oder vielleicht doch den da hinten? Inklusive der obligatorischen Turbo-Mate begutachtete ich die anderen Gäste und rang mich zu diesem frühen Zeitpunkt zu einigen Augenaufschlägen durch.

Dass zu so früher Stunde noch keine offensichtliche Reaktion zurückkam, war nicht weiter verwunderlich. Doch desto später der Abend wurde, umso komischer wurde mir. Als ich mit meiner Freundin den Tanzfloor wechselte, erblickte ich einen wunderschönen Mann. Tolle Augen, gut angezogen, richtig schnuckelig. Ich lächelte, er lächelte zurück, perfekt! Meine Blicke wichen, in der Hoffnung, dass er mir hinterher kommen würde. Kurz darauf drehte ich mich um, sah meine Freundin lächelnd. Sie flirtete offensiv mit diesem schicken Herrn. Ich fühlte, wie sich mein Magen zusammen zog. Was fällt ihm ein? Leicht geknickt, tanzte ich die schlechte Laune weg. Schon sah ich am anderen Ende des Floors einen weiteren schönen Mann. Ich behielt ihn im Augenwinkel, während ich mit meiner Freundin tanzte. Ab und zu lächelte ich ihm zu, versuchte verführerisch auszusehen. Obligatorisch fragte ich meine Freundin, ob sie denn aktuell jemanden zum Flirten hätte, nicht dass ich sie allein lassen müsste, um mich mit dem Herren zu unterhalten. „Da guck mal, der da hinten flirtet mich schon die ganze Zeit an!“ hörte ich sie sagen, während sie auf meinen Herren zeigte. WTF? Wir Mädels haben leider den gleichen Typ Mann auf den wir abfahren, aber so extrem habe ich das nie wahrgenommen. Es könnten 500 Männer in einem Club sein, wir würden uns genau den Gleichen aussuchen.

Ich überließ ihr den Mann. Was soll ich mit jemandem, der auf meine Freundin steht? So erging es mir noch einige Male an diesem Abend. Ich fühlte mich unbedeutend, klein und hässlich. In meinem Bauch hegte sich Groll, Wut, Enttäuschung. Schlimme Gedanken schossen mir durch den Kopf „Wenn die Männer wüssten, wie zickig sie sein kann, würden sie mich wählen.“ Ich hasste mich für diese Gedanken, meine Freundin bedeutet mir viel. Doch in diesen Momenten verfluchte ich sie. Sie machte mir wieder einmal bewusst, dass ich eben NICHT die Wahl habe, dass ich kämpfen muss, um einen Mann zu halten. Meine Gefühle zu diesem Zeitpunkt, kann ich kaum in Worte fassen. Ich fühlte mich wie in einer Seifenblase, in der ich laut um Hilfe schreie. Brüllend sehe ich die Menschen um mich herum teilnahmslos an mir vorbei ziehen. Hören sie mich nicht? Sie müssen doch merken, dass ich laut nach Hilfe rufe. Die Blase um mich herum füllt sich mit Energie, ich bebe, zittere am ganzen Körper. Ich will diese Blase platzen lassen, will dass die Welle der freigesetzten Energie die Menschen umschmeißt. Wieso hört mich denn keiner? Irgendjemand muss meine Schreie doch hören!

Aus Trotz ließ ich meine Blicke über den Tanzfloor schweifen und entdeckte einen Herrn, der allein auf einem Barhocker saß. Typ Hipster, eigentlich nicht meins. Insgesamt aber recht gutaussehend. Also Jule, wenn du heute noch was reißen willst, dir beweisen willst, dass du es doch kannst, dann ran! Jetzt! Attacke!

Neben ihm stehend begann ich ein Gespräch, unverfänglich aber direkt. Minuten später fanden wir uns knutschend auf der Tanzfläche wieder. Yes! Es geht noch! Lächelnd suchte ich nach meiner Freundin, meine Trophäe musste schließlich präsentiert werden.

Sie war gerade in ein Gespräch vertieft, mit Mr. Hot persönlich. Ok, will man ja nicht stören. Mein Hipster verabschiedete sich kurz darauf, es war schließlich schon spät. Nummern haben wir nicht getauscht, mehr als einen Namen habe ich nicht bekommen.

Alleine tanzend sprach mich ein Kumpel von Mr. Hot an, sturzbetrunken, aber besser als alleine tanzen. Er erzählte mir, dass Mr. Hot bei der Polizei arbeitet, und zufällig auch noch bei mir um die Ecke wohnt. Ich lief rot an, Wut machte sich in meinem Körper breit. Das wäre meiner gewesen, das wäre Schicksal gewesen. Ich halte nicht hinterm Berg damit, dass ich auf Polizisten abfahre. Ein Polizist, der zufällig bei mir um die Ecke wohnt. Ich dachte ich spinne! Knutschend stand meine Freundin nun mit MEINEM zukünftigen Freund in der Ecke. Mich zog es ebenfalls in eine Ecke, allerdings in eine andere. Heulen, einfach nur zum Heulen war mir zu Mute. Was soll das alles? Ich glaube an das Schicksal, aber was es mir damit sagen wollte, ist mir unklar. Meine Trophäe erschien mir nur noch wie ein Trostpreis. Ein Trostpreis für das Mitmachen bei einem Wettbewerb, bei dem der Gewinner schon fest stand. Am Ende steht nur fest: And the winner takes it all.“

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