Was heißt ‚mündig‘?

‚Mündigkeit‘ ist eine sowohl soziale Kategorie – Demente werden z.B. ‚entmündigt‘, ‚besachwaltert‘, Kinder gelten noch nicht als voll ’strafmündig‘, etc. – als auch eine ‚personale‘: Ich erkunde, wie mündig/unmündig ich bin. Diese Erkundungsprozess ist ‚gelebte Mündigkeit‘, d.h. Selber-Denken, eigene Worte durchn den eigenen Mund äussern……

„AUFKLÄRUNG“, sagt Kant, “ ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ – Der gute alte Kant! Aber ja, ist ja wahr, was der gestrenge und grantige Herr da sagt. Aber irgendwie gilt das erst heute, im Zeitalter des Internets:  jeder kann sich mit wenigen Klicks in Sekundenschnelle fast über jedes Thema schlau machen – wenn man weiß, was und wie zu suchen ist. —- Kinder können das. Sie verlernen es aber rasch, weil sie die ‚Alten‘ dabei nicht unterstützen, ja durch ‚Belehrungen‘  geradezu daran hindern!!!!! Also ist bei Kindern ‚Unmündigkeit‘  nicht ’selbsverschuldet‘, sondern anerzogen, sozial ‚verordnet. ‚Schuld‘ an der Unmündigkeit der Kinder und Jugendlichen, wenn überhaupt jemand ‚Schuld‘ ist (eine fragwürdige Kategorie!), sind daher für lange Zeit nicht die Kinder, sondern deren zentrale ‚Bezugspersonen‘.

Die ‚Selbsterziehung‘ der ‚Erzieher‘ ist erste Voraussetzung für einen ‚mündigen‘ Umgang mit dem Leben. Aber es ist ein interaktiver, dialogischer Prozess: jeder ‚erzieht‘ jeden, wenn es im Leben ‚dialogisch‘ zugeht.

Tut es aber nicht: „…wenn man weiß, was und wie zu suchen ist…“. Genau das ist es, was in einer humanistischen Gesellschaft gelehrt WURDE! Doch heute geht es nur mehr um AUSbildung, die einem außerhalb des Menschen liegenden Zweck dient, nicht mehr um Bildung des Menschen, d.h. seine Neigungen, Fähigkeiten und Absichten aus den bestehenden Anlagen zu bilden.“ – So kürzlich ein Dialogpartner. Ich stimme ihm zu.

Schlechte Zeiten für ‚Mündigkeit‘.

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3 Antworten zu Was heißt ‚mündig‘?

  1. ladysmartypants schreibt:

    Mehr als nur schlechte Zeiten, wie wahr.
    Traurigerweise nimmt die selbstverschuldete Unmündigkeit wieder zu – und noch trauriger, die meisten wissen heutzutage nicht einmal mehr, wer Immanuel Kant überhaupt war.

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