Das Unerhörte ist alltäglich geworden

Die Überschrift ist ein Satz von Ingeborg Bachmann.

Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Was meint dann so gesehen heute ‚erhört‘? Nun, das Gedicht nennt die Voraussetzungen dafür: Tapferkeit vor dem Freund, und – Geduld. Vor allem Geduld mit sich selber und anderen, nicht im Sinne von alles ‚erduldend‘, sondern von ‚wachsam lauschend‘, einen ‚offenen Geist habend‘: und damit Geheimnisse verratend, welche die menschliche Würde verletzen, und niemandem blind gehorchen.

>‘Du bist die einzige Person, welche Dir Zeit geben kann.‘ Dieser Satz bringt in mir etwas zum Schwingen. Ja, tatsächlich: niemand sonst kann einem ‚Zeit geben‘. Das ist wirklich fundamental: Lernen, sich Zeit zu nehmen.< – Walter Carrington

„Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld, ein vorzeitiges Abbrechen des Methodischen, ein scheinbares Einpfählen der scheinbaren Sache.“ – Franz Kafka

„Das menschliche Leben ist so gemacht, dass es nur erträglich ist, wenn wir uns über seine Mängel hinwegtäuschen. Diejenigen aber, welche jede Selbsttäuschung zurückweisen, ohne jedoch gegen ihr ‚Schicksal‘ zu rebellieren, enden schließlich an einem Ort außerhalb von Raum und Zeit, welcher ihnen erlaubt, das Leben so zu nehmen, wie es kommt.“ – Simone Weil

„Die Wirklichkeit hat keinen Inhalt und keine Form. Daher kann sie auch nicht erkannt werden. Für gewöhnlich sieht man sich aber um und sagt, ‚Der Raum hier ist doch sicherlich wirklich. Mit Sicherheit ist der Inhalt dieses Raums wirklich‘. Nein! Dieser ‘Inhalt’ ist nur das, was Du gerade in ihn hineinsiehst. ‚In Wirklichkeit‘ ist das, womit Du wahrnehmen kannst, das, was wirklich ‚wirklich‘ ist. Genehmige Dir also die Möglichkeit und wirf Dich selber mit Haut und Haar in die Suche nach dem Ursprung von allem und jedem, jenseits aller Reize und Anschaulichkeit, nach dem Urgrund, welcher von außen betrachtet nichts als Dunkelheit und Stille ist.  – Albert Low

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