Metaphysics as an ‚art form‘?

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Franz Kafka

This is not a pipe

This is not a pipe…

Bilder der Wirklichkeit

In seinem berühmten Essay ‚THE ART OF PERCEIVING MOVEMENT‘ schreibt der Physiker David Bohm:

‚In what way , then, are we to understand the proper symbolic function of a metaphysical statement? Perhaps some insight into this question can be obtained by adding to the metaphysical form >all is X<, a further form introduced by Korzybski: >Whatever we say ‚all‘ is, it isn’t.< Not all is ‚all‘ more than anything that can be contained in our knowledge; is is also different, in the sense that our knowledge is not an absolute truth and so becomes false when extrapolated without limit. Indeed, as pointed out in earlier sections, reality as a whole is vast and immense, so that anything that is known ultimately merges and shades into a measureless unknown in which the totality of what mankind may know, at any particular stage, has its origin, its sustenance, and its ultimate dissolution.

But, evidently, even Korzybski’s statement itself suffers from the defect which it was designed to point out. For it, too, is a statement about ‚all‘, and thus, through its own meaning, it collapses into a contradiction. What this signifies is that the whole attitude that leads one to  attempt to say something true about ‚all‘ is what has to be dropped. Rather, as pointed out earlier, metaphysics in an explicit  expression of a world view. It is thus to be regarded as an art form, resembling poetry in some ways and mathematics in others, rather than as an attempt to say something true about reality as a whole.“ (Bohm, On Creativity, p.96)

Dazu der Physiker Erwin Schrödinger:

„Ich habe mir vorgenommen, hier das zweite Prinzip zu erörtern, welches ich ‚Objektivierung‘ genannt habe.

Damit meine ich genau dasselbe, was auch oftmals die ‚Hypothese der realen Außenwelt‘ genannt wird. Ich behaupte, es handelt sich dabei um eine gewisse Vereinfachung, die wir einführen, um das unerhört verwickelte ‚Problem der Natur‘ zu meistern. Ohne es uns ganz klarzumachen und ohne dabei immer ganz streng folgerichtig zu sein, schließen wir das ‚Subjekt der Erkenntnis‘ aus aus dem Bereich dessen, was wir an der Natur verstehen wollen. Wir treten mit unserer Person zurück in die Rolle eines Zuschauers, der nicht zur Welt gehört, welch letztere eben dadurch zu einer ‚objektiven‘ Welt wird. Dieses Vorgehen wird durch folgende Umstände ‚verschleiert‘.

Erstens einmal gehört mein eigener Leib – an den mein Geistesleben so unmittelbar und eng verknüpft ist – mit zu dem ‚Objekt‘, das ich aus meinen Sinnesempfindungen, Wahrnehmungen und Erinnerungen konstruiere – mein Leib gehört mir zur ‚realen Außenwelt‘. Zweitens gehören auch die Leiber anderer Wesen mit zu dieser objektiven Welt.

Nun habe ich gute Gründe zu meinen, daß jene fremden Leiber auch mit Bewußtsein verbunden sind, daß jeder sozusagen der Sitz eines dem meinen ähnlichen Bewußtseins ist. Ich kann keinem vernünftigem Zweifel Raum geben, daß auch diese fremden Bewußtseinssphären in irgendeinem Sinn existieren, aktuell sind, obwohl ich allerdings keinen unmittelbaren subjektiven Zugang zu ihnen habe. So bin ich also geneigt, diese fremden Bewußtseinssphären selber als etwas Objektives anzusehen, als einen Teil der realen Außenwelt. Ich schließe dann rasch, daß auch ‚ich selbst‘ einen Teil dieser realen Außenwelt bilde. Ich versetze sozusagen mein eigenes wahrnehmendes Selbst (welches ‚diese Welt‘ als geistiges Produkt konstruiert hat) in sie zurück – mit dem Ergebnis, daß als logische Folge dieser ganzen ‚Kette von Fehlschlüssen‘ nunmehr die Hölle los ist – eine Hölle von unerträglichen logischen Antinomien.“

Aus: Geist und Materie 

Wir Menschen sind in der Wolle metaphysisch gefärbt. Das Beste, das wir dabei zusammen kriegen, ist unbefangen einander Zuhören:  das Suspendieren der eigenen Vorannahmen im Lauschen der Erzählungen und Beschreibungen Anderer (die mir ihre Weltsicht darstellen, schildern, zeigen; und denen ich dann lausche).

‚Credo ut intelligam’ sagte die mittelalterliche Scholastik völlig zutreffend. Aber dieser ‚Glaube’ – das wissen wir heute –  hat mit ‚Gott’ und ‚Göttlichkeit’ nichts zu tun. Kafka, dieser unendlich witzige und weise Kafka, hat einmal gesagt: ‚Mythos ist der Versuch, das Unerklärliche zu erklären. Bleibt immer noch das unerklärliche Gebirge.’ D.h.: unmittelbares Erleben ist primär, jedes Erklären des Erlebten sekundär. Wir müssen uns aber alles Erlebte ‚erklären’ können, sonst packt uns tiefste Unruhe.

Nietzsche hat diese ‚Erklärungswut’ in der seiner ‚Götzendämmerung’ treffend so beschrieben:

„Mit dem Unbekannten ist die Gefahr, die Unruhe, die Sorge gegeben, – der erste Instinkt geht dahin, diese peinlichen Zustände wegzuschaffen. Erster Grundsatz: irgend eine Erklärung ist besser als keine. Weil es sich im Grunde nur um ein Loswerdenwollen drückender Vorstellungen handelt, nimmt man es nicht gerade streng mit den Mitteln, sie loszuwerden: die erste Vorstellung, mit der sich das Unbekannte als bekannt erklärt, thut so wohl, dass man sie „für wahrhält“. Beweis der Lust („der Kraft“) als Criterium der Wahrheit.“

Ja, jeder Glaube ruht auf ‚eigenen’ (tautologischen, irrationalen) Gründen. Mit ihm beginnt und endet alles begriffliche Denken. Solange ausschließlich begriffliches Denken dieser Art vorherrscht muss diese Art von Denken solcherart Gläubige voneinander (und auch in sich selbst) trennen.

Verbindend ist dann nur mehr ernsthafter und offener Dialog.

 

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