Altersarmut

Altersarmut in der Steiermark. Stumme Dramen auf der Bühne progredienter sozialer Exklusion

Günther Gettinger

 

Abstract

Die wichtigsten Erfahrungen der Altensozialarbeit der gemeinnützigen Krobatschek Privatstiftung (KPS) im Bundesland Steiermark werden in Hinblick auf Altersarmut zusammenfassend dargestellt. Die Altensozialarbeit der KPS richtet sich primär nicht am Begriff Armut, sondern an den Begriffen Not und Notlage aus. Die Sozialarbeiterinnen der Stiftung erkunden seit zehn Jahren gemeinsam mit den Bedürftigen deren Nöte, um möglichst treffsicher helfen zu können. Die umfangreiche und systematische Dokumentation der Fallarbeit ermöglicht weitreichende Einsichten in die komplexe Dynamik bei der Entstehung von Altersarmut. Das vorhandene Datenmaterial steht wissenschaftlicher Auswertung zur Verfügung.

Schlagworte: Altensozialarbeit, Altersarmut, Gerontologie, Interdisziplinarität, Diskriminierung, Vereinsamung, Individualisierung, Alterungsprozesse, Traumatisierung, Engagement, Distanzierung

In:

Soziales Kapital 20

„Die gängigsten ökonomischen Definitionen von Armut innerhalb technologisch hochentwickelter Erwerbsgesellschaften gehen heute davon aus, dass Armut als ein über längere Zeit anhaltender sozialer Zustand (d.h. eine Lebenslage) zu definieren ist, in welchem Menschen nur unzureichendes Einkommen beziehen (Einkommensarmut). Viele ArmutsforscherInnen und die führenden VertreterInnen der Vereinten Nationen (UNO) haben sich seit 20 Jahren auf eine erweiterte Sicht von Armut geeinigt (siehe z. B. United Nations 1998). Sie verstehen Armut als eine grundsätzliche Verletzung der menschlichen Würde, da Mangel an lebenswichtigen Ressourcen wie Kleidung, Nahrung, Arbeit, medizinische Versorgung, Bildung oder Kredit vorliegt. Armut bewirkt und erzeugt dieser Auffassung zufolge kontinuierlich soziale Exklusion, insofern die Betroffenen an die Ränder der Gesellschaft gedrängt werden. Heute wird immer deutlicher sichtbar, dass man Armut nicht nur auf den Einkommensaspekt reduzieren kann. Armut hat wesentlich auch soziale, politische und kulturelle Aspekte und Armut untergräbt die Menschenrechte: ökonomisch (Recht auf Arbeit und angemessenes Einkommen), sozial (gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung), politisch (freie Meinungsäußerung, Presse- und Versammlungsfreiheit) und kulturell (Recht auf Erhalt der kulturellen Identität und Teilhabe am kulturellen Leben). In einem Statement der UNESCO ist dies wie folgt formuliert:

“Today it is widely held that one cannot consider only the economic part of poverty. Poverty is also social, political and cultural. Moreover, it is considered to undermine human rights – economic (the right to work and have an adequate income), social (access to health care and education), political (freedom of thought, expression and association) and cultural (the right to maintain one’s cultural identity and be involved in a community’s cultural life).“ (UNESCO o.J.)

Somit bedeutet Armut im relativen Sinn, in einer sozialen Notlage zu sein, d.h. nicht ausreichend über das für einen gewissen Lebensstandard Benötigte verfügen zu können. Der Begriff Armut ist damit ein kontextabhängiges, relationales Konstrukt und als solcher Gegenstand wissenschaftlicher und politischer Definitionen.“

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