NLP UND DER (fehlende) ANFÄNGERGEIST……

>Eine der am häufigsten zitierten Vorannahmen des NLP lautet „Die Landkarte ist nicht das Gebiet.“ Eine Metapher des Philosophen Alfred Korzybski, die verdeutlicht, dass sich uns die Welt nur indirekt über unsere Sinneseindrücke erschließt.

Die Sinne funktionieren wie Filter, so dass das, was jeder Mensch von der Welt weiß, nur eine Annäherung an die Welt darstellt. Eben eine mentale Landkarte und nicht die Welt oder das Gebiet selbst.

Im NLP gilt Korzybskis Metapher als Aufforderung zu Respekt und Toleranz. Schließlich kann keine Landkarte für sich beanspruchen, die richtige oder maßgebliche zu sein.

Gleichzeitig fördert das Interesse an anderen Landkarten die eigene Wahrnehmung und geistige Flexibilität.  Je unterschiedlicher die  Landkarte des Kommunikationspartners, umso erweiternder kann sie für die eigene Weltsicht sein.<

https://nlpheidelbergmannheim.wordpress.com/2010/10/14/was-bedeutet-die-landkarte-ist-nicht-das-gebiet/

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Landkarten, auch mentale Landkarten, sind Abstraktionen, Auszüge. Aus was wird da aber was heraus gezogen? Was ist mit direkter Wahrnehmung von Landschaft gemeint? Was mit ‚mentaler Repräsentation? Kann man eine ‚Landschaft‘ überhaupt direkt wahrnehmen? Wenn ja, wie? Und von wem? Wenn nein, was heißt dann ‚Abstraktion‘ überhaupt?

Eine Blume.

blume

Das ist keine Blume, nur das Bild einer Blume…..

Eine Blume. Wie ‚repräsentiere‘ ich sie mir? Die Blume präsentiert sich mir sinnlich, ich kann sie mit allen Sinnen wahrnehmen. Ich habe ähnliche Blumen schon gesehen, daher weiß ich: das da, schaut aus wie eine ‚Blume‘. Name und Form – das macht ein Konzept, einen Begriff aus, eben den Begriff der Blume. Diese ‚etwas da‘ vor mir, sinnlicher Kontakt damit, Eintritt in die bw. und ubw. Wahrnehmung, Kategorisierung. Das geht ganz schnell!

Nimm ich diese Blume da vor mir ‚direkt‘ wahr, oder sehe ich sie durch meine Vorerfahrungen mit ‚Blumen‘? Also meine ganze bisherige Lebenserfahrung prägt meinen Begriff von Blume, deren Teilmenge mein Umgang mit Blumen ist. Alle meine Begriffe, meine Sprache, bilden meine Landkarte von ‚Welt‘. Dieses Begriffsnetz ist mein Bezugsrahmen, mein ‚Abstraktionssystem‘ – und nicht nur die Wahrnehmung dieser einzelnen Blume da vor mir. Alle meine gespeicherten (erinnerten) Lebenserfahrungen und meine aktuelle Befindlichkeit bewirken, wie ich diese Blume da vor mir betrachte. Sie ist Teil einer ‚Situation‘, in der ich mich jetzt befinde. Was diese ‚Situation‘ jetzt für mich bedeutet, bestimmt meine Wahrnehmung und meinen Umgang mit dieser Blume da vor mir.

‚Direkter‘ Kontakt mit dieser Blume da vor mir, hieße also, alle meine bisherigen Welterfahrungen erfolgreich so einzuklammern, als würde ich zum ersten Mal in meinem Leben einer Blume begegnen – die Unschuld des ‚ersten Mal‘! –  Anfängergeist also!!!

Im Augenblick so leben, als wäre es der erste Augenblick, zeitlos im ‚Hier-und-Jetzt‘. – Wenn ich so ‚bin‘, dann bin ‚ICH‘ nicht, nicht mehr und noch nicht: keine Erwartungen und keine Erinnerungen dominieren mein Wahrnehmen. Dominieren! Sie können (und werden) im Hintergrund da sein, aber sie bestimmen nicht meine Begegnung mit dieser Blume da. Das Ganze ist dann eine völlig neue, einzigartige Begegnung. Ich kategorisiere nicht in affenartiger Geschwindigkeit, ich lausche, staune, lasse mich in der Begegnung erfassen, erfüllen. Und aus diesem ‚Erfülltsein‘ heraus wird mein ‚Hintergrund-Ich‘ ganz anders agieren, als wenn die Situation umgekehrt wäre: Kategorisierung im Vordergrund, Begegnung im Hintergrund.

Der Hintergrund wird ja vom unterscheidenden Verstand ausgeblendet, wahrgenommen wird, was auffällt, was zufällig ‚hervorsticht‘, was ‚anders‘ als erwartet ist, was sich der spontanen Einordnung widersetzt. ICH ‚manipuliert‘ die Wahrnehmung der Situation entsprechend der bislang gemachten Vorerfahrungen und der daraus gespeisten Erwartungen; diese Aktivität verhindert das ‚Erfülltwerden‘ durch die Einmaligkeit der gegenwärtigen Situation.

Statt an ‚subtiler Einmaligkeit‘ orientiere ich mich an ‚Augenfälligem‘, an den ‚Oberflächlichkeiten‘ – d.h. an den Abweichungen von den erwarteten Regelmäßigkeiten – in der gegenwärtigen Situation.

Das also meint Erfahrung gesteuert entlang ‚mentaler Landkarten‘ im Gegensatz zu ‚direkter Wahrnehmung der Landschaft‘. Direkte Wahrnehmung bedeutet, dass der Gegensatz zwischen ‚Beobachter‘ und ‚Beobachtetem‘ verschwindet. Ich ‚wird‘ dadurch aber nicht zum Beobachteten (was lächerlich wäre), sondern der Beobachter und das Beobachtete verschmelzen im Horizont des Vorgangs solch spontanen ‚ganzheitlichen Wahrnehmens‘, gehen auf (im doppelten Wortsinn von ‚aufgehen‘) in ‚jungfräulicher Wahrnehmung‘: die Blume und der Beobachter ‚entstehen‘ und ‚vergehen‘ im selben Augenblick, im Augenblick der begegnenden Wahrnehmung.

NLP macht daraus aber eine Sache von Respekt und Toleranz: „Im NLP gilt Korzybskis Metapher als Aufforderung zu Respekt und Toleranz. Schließlich kann keine Landkarte für sich beanspruchen, die richtige oder maßgebliche zu sein.“

Selbst die maximalst ‚respektvolle‘ Perspektivenverschränkung zweier mentaler Landkarten bleibt aber immer noch ‚Beschränktheit‘, in diesem Fall halt ‚verschränkte Beschränktheit‘. Die volle FRISCHE direkter Wahrnehmung fehlt, man hat miteinander sich in seiner Beschränktheit der situativen Wahrnehmung bloß ein wenig erweitert!

2 verschränkte egozentrisch-manipulative Blicke auf die Blume machen noch keinen Moment Begegnung mit dieser! Machen also keine ‚Korrektur‘ der ‚Oberflächenstruktur‘ durch die ‚Tiefenstruktur‘ der Landschaft in der gegenwärtigen Situationswahrnehmung.

Das ist es was NLP nicht begreift, begreifen kann, da es Korzybskis ‚Metapher‘ nicht wirklich als solche – nämlich als Hinweis auf etwas, das nur metaphorisch ausgedrückt werden kann – ernst nimmt. Denn NLP interessiert sich nur für die technisch-manipulative Seite von Wahrnehmung, d.h. für die Konstruktion pragmatisch ‚geeigneterer‘ mentaler Landkarten, für das sog. Neuro-linguistische-Programmieren.

Das kann auch nicht anders sein, denn wer könnte denn den ‚Meister-Programmierer‘ der ‚wahren Wirklichkeit‘ schon guten Gewissens spielen? In falscher Bescheidenheit präsentiert sich NLP als ‚respektvoll‘ und ‚tolerant‘, als Technik der Bewusstseins-Veränderung, im Sinne von ‚praktisch erfolgreicherer kommunikativer Beherrschung je gegebener Situationen‘.

Und wenn einmal alle die NLP-Techniken beherrschen, so wird uns versprochen, dann wird ‚alles wieder gut‘ sein. Weil wir dann die mangelhafte Oberflächenstrukturen unserer Wirklichkeitswahrnehmung erfolgreich an die Tiefenstrukturen derselben angepasst haben (womit wir dann gar nicht mehr anders können, als pragmatisch erfolgreich und ethisch ‚richtig‘ zu handeln).

► Im NLP steckt aber kein Gramm ‚Anfängergeist‘!

Anfängergeist: „Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unmöglich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so, dass wir das unablässige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben vermögen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen darüber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tatsächlich geschieht. Uns entrüstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.“ – Bernie Glassman Roshi*

„Im Anfänger-Geist gibt es keinen Gedanken: ‚Ich habe etwas erreicht.‘ Wenn wir nicht daran denken, etwas zu erreichen, nicht an uns selbst denken, sind wir wahre Anfänger. Dann können wir wirklich etwas lernen. Der Geist des Anfängers ist der Geist des Mitgefühls. Wenn unser Geist mitfühlend ist, ist er grenzenlos. Dogen (ein japanische Zenmeister) betonte immer, wie wichtig es ist, unseren ursprünglichen, grenzenlosen Geist wieder zu gewinnen. Dann sind wir zu uns selbst immer wahrhaftig, dann fühlen wir mit allen Wesen und können wirklich praktizieren. Das ist also das Schwierigste, immer den Anfänger-Geist beizubehalten. Er ist das Geheimnis der Zen-Praxis.“ – ZenMeister Suzuki

Aber auch die Formulierung ‚den grenzenlosen Geist wieder gewinnen‘ ist höchst irreführend. Wer ‚gewinnt‘ DENN da ‚was‘? Und wie ging da wem was verloren? „Wenn wir nicht daran denken, etwas zu erreichen, nicht an uns selbst denken, sind wir wahre Anfänger.“ – JA!

* https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&ved=0ahUKEwjS4dKehfnbAhWCaFAKHTYwBfEQFgg_MAM&url=http%3A%2F%2Fwww.gelnhausen-meditation.de%2FAnfaengergeist.pdf&usg=AOvVaw3_d00NDAIFLBbbT948RExm

Apropos ‚EINKLANG MIT DEM, WAS IN ERSCHEINUNG TRITT‘. Wir ‚treten‘ auf die ‚Erscheinungen‘, vernichten sie in unglaublichem Ausmaß, und zwar durch unsere Lebensweise, in der wir primär ’nur an uns selber denken‘:

https://psyhygiene.wordpress.com/2018/06/30/shocking-isnt-it/

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