Wann, wenn nicht jetzt?

Der ‚Riss’ zwischen Geist und Materie (zwischen ‚Sehendem und Gesehenem), der vielbedachte und vielbeschworene ‚Cartesian Split’, ist nur scheinbar ein solcher: denn das, was wie der ‚missing link’ aussieht, IST die Verbindung. Also jenes NICHTS (das zugleich ‚Alles’, ‚Fülle’ ist), welches den Newton’schen (‚absoluten’) Raum in Verbindung mit der (‚absoluten) Zeit einfasst: jene relationale Totalität (dynamische Mannigfaltigkeit), welche alle sinnliche Wahrnehmungen konstituiert, die  4-dimensionalen Raumzeit.

Dieses ‚Nichts’, welche die Einheit von Raumzeit und Materie und Geist darstellt, dieses NICHTS ist erfahrbar, erfahrbar als das raumzeitlose ‚Hier-und-Jetzt’, als die begrifflich (ohne dass man sich dabei in Paradoxien verstickt) nicht fassbare unvergängliche Einheit von Geist und Materie. Man kann diese Einheit mit dem in Raumzeitkategorien operierenden Verstand aber nicht ‚verstehen’ (weil sie ja die Voraussetzung alles Verstehens ist;  Raum- und Zeitkategorien erst ‚begründet’), man kann diese Einheit als ‚Wahrnehmender’ nicht ‚sinnlich’ wahrnehmen; man kann aber ‚realisieren’, dass man diese raumzeitlose Einheit – und damit unvergänglich – IST ( innerhalb der Raumzeit als das freie und spontane Zusammenspiel aller sinnlichen Eindrücke; ‚Lose your mind, come to your senses!’).

Auf der begrifflichen Ebene erscheint diese unvergängliche EINHEIT von Geist und Materie dann aber als NICHTS,  als ‚Nicht-Wissen’, als das ‚UNWISSBARE’.

Weder Magie, noch Mythos und erst recht nicht rationale Analyse können irgend etwas Gültiges über diese zeitlose Dimension sagen. Sie können bestenfalls ‚Fingerzeige’, Hinweise produzieren: ‚Schau, in diese Richtung musst Du schauen!’

Es ist aber nicht das ‚übliche Sehen’, das hier mit ‚Schauen’ gemeint ist – es ist vielmehr ein ‚ganzheitliches Sehen’ gemeint, eines,  in dem der Seher und das ‚Gesehene’ eins werden. Dieses grundlegende ‚anteilnehmende Sehen’ (welches eigentlich vielmehr ein kontemplatives ‚Hören’, ein ‚Lauschen’ vergleichbar ist) wird aber von unserem heute vorherrschend rational konditionierten Weltverstand fast völlig verdunkelt, verunmöglicht, verkrüppelt: denn unser Verstand funktioniert nach vielen Jahrhunderten Selbst- und Welt-Wahrnehmungstraining so, dass wir heute ‚automatisch’ alles nur mehr ‚evidence based’, also vermittels raumzeitlicher Kategorien (aus der ‚Subjekt-Objekt-Spaltung heraus) ‚begreifen’ können.

So konditioniert müssen wir dann zwanghaft – wie einst der mythische Riese Prokrustes – die qualitativ – quantitative kreative Unendlichkeit des Seins auf die abstrakten Kategorien unseres rationalen Denkens reduzieren. Eine Schreckensherrschaft, in der Tat! Eine furchtbare Verarmung der Seinswahrnehmung, ‚Seinsvergessenheit’ geradezu…..

Wann geht diese illusionäre Schreckensherrschaft zu Ende? Wann, wenn nicht jetzt? Denn Freiheit ist immer nur ‚jetzt’.

„Und er sprach zu ihnen: Euch ist’s gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu wissen; denen aber draußen widerfährt es alles nur durch Gleichnisse,  auf dass sie es mit sehenden Augen sehen, und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören, und doch nicht verstehen, auf dass sie sich nicht dermaleinst bekehren und ihre Sünden ihnen vergeben werden…… Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“*

Auf diese Meldungen hin haben sie ihn gekreuzigt.

Aber im ‚Jetzt’ ist zeitlos alles erhalten, Leben und Tod sind eine Einheit, jeder Frühling – jedes Osterfest – beweist es:

„Denn wenn es nicht Dionysos wäre, dem sie die Prozession veranstalten und das Phalloslied singen, so wär’s ein ganz schändliches Tun. Ist doch Hades eins mit Dionysos, dem sie da toben und Fastnacht feiern!

Wie kann einer verborgen bleiben vor dem, was nimmer untergeht!“**

Anmerkungen:

* Markus-Evangelium, Kapitel 4

** Heraklit aus Ephesus: Fragmente 15 und 16

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