Der ‚Archimedische Punkt‘ der Seele?

Gibt es so etwas wie einen ‚archimedischen Punkt‘ im mentalen Geschehen?

Was ist ein ‚archimedischer Punkt‘?

Wikipedia dazu:

„Der archimedische Punkt ist ein theoretischer „absoluter Punkt“ außerhalb eines Versuchsaufbaus. Dieser sei insbesondere unbeweglich und könnte daher fest verankert als Angelpunkt dienen. Der archimedische Punkt hat seinen Namen von der Aussage Archimedes‘, er könne ganz alleine die Erde anheben, wenn er nur einen festen Punkt und einen ausreichend langen Hebel hätte.

Im übertragenen Sinne wird dieser Begriff in der Philosophie verwendet, um eine vollkommen evidente (unbezweifelbare) Wahrheit oder Tatsache zu bezeichnen. Für René Descartes und die, die ihm folgen, bildet die Aussage „Ich denke, also bin ich“ (cogito, ergo sum) einen solchen archimedischen Punkt, denn auch wenn ich denke „Ich bin nicht“, sei da zweifellos ein Ich, das denkt.“

Wir fragen also im ‚übertragenen Sinn‘ nach einem Pukt, der unsere subjektiven ‚mentalen Standpunkte‘ aushebeln kann? Gibt es den? Auf den wir uns immer wieder rückbeziehen können? Es wäre jener fixe Pukt, auf dem C.G. Jungs ‚Goldwaage‘ aufruhen würde….

Viele Menschen, wenn man sie fragt, verneinen die Existenz eines solchen Punkts. Sie würden in sich nichts dergleichen finden, sagen sie. Und einige philosophisch versierte Köpfe sagen, dieser Punkt wäre die genaue Umkehrung von Descartes Vorschlag ‚Ich denke, also bin ich‘ in Form von ‚Ich bin, daher will ich, spüre ich, tue ich, etc.‘ Der einzige fixe Punkt im allem mentalen Geschehen sei das ‚Präsenz-Erleben‘, das ‚ICH-BIN-DA‘ – Erleben. Im Zustand der Ohnhmacht oder des Tiefschlafs wäre dieses Präsenzerleben suspendiert.

Ok, aber ’supsendiert‘, d.h. aufgehoben, aufbewahrt, gelöst in – WAS?

Nun, suspendiert in das, was man Gewahrsein oder Achtsamkeit nennt:

„Die Achtsamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller besonderen und schon ausgeformten Gedanken einem Menschen auf einem Berge gleichen, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich, doch ohne hinzublicken, viele Wälder und Ebenen bemerkt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen… Meistens verwechselt man eine gewisse Muskelanstrengung mit Aufmerksamkeit. Wenn man Schülern sagt: ›Nun passt einmal gut auf‹, sieht man sie die Brauen runzeln, den Atem anhalten, die Muskeln anspannen. Fragt man sie dann nach zwei Minuten, worauf sich ihre Aufmerksamkeit richtet, so wissen sie keine Antwort. Sie haben überhaupt nicht aufgepasst; sie waren nicht aufmerksam. Sie haben ihre Muskeln angespannt. In solchen Muskelanstrengungen vergeudet man oft seine Kräfte beim Studium. Weil man dabei am Ende ermüdet, hat man den Eindruck, gearbeitet zu haben.«“ – Simone Weil, Zeugnis für das Gute, Zürich 1998

Das ist er also, der ‚archimedische Punkt’…. Kein Wunder, dass so viele Menschen nichts von ihm wissen. Man findet ihn nicht durch Denken und Beobachten. Er liegt dem Denken und Beobachten zugrunde.

Siehe auch: Aspekte von Achtsamkeit

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