Transparenz? Vertrauen und Kontrolle!

Nackerte am Strand

Wenn zuviel Transparenz in Organisationen den Tod der Vitalität der Organisation ausmacht……

Klingt absurd, oder?

Wir hören heute immer wieder die Forderung, dass die Abläufe in Organisationen zu ‚intransparent‘ seien, d.h. nicht ’nachvollziehbar‘. Damit einher ginge ‚Konfusion‘ und ‚Desorientierung‘ der derart Organisierten. Enscheidungen würden von ihnen als willkürlich erlebt. Unsicherheit würde sich breit machen. Nur ‚mehr Transparenz‘ könnte die erwünschte Sicherheit herstellen.

Wenn alle über alle und alles Bescheid wüssten, dann ginge im menschlichen Zusammenleben das verloren, was uns so wertvoll ist: das, was wir den ‚persönlichen Gestaltungsspielraum‘ nennen, unsere ‚individuellen Zugänge‘ und ‚Lösungen‘; unsere ‚verbotenen Geheimnisse‘ und ‚Intimitäten‘, unsere ‚abweichende Energien‘, unsere ‚Kleinkrimininalität‘ (um es ganz provokant zu sagen!)

Jeder Organisation braucht das, was ich ‚organisatorische Unschärfen‘ nenne. Das ist nichts anderes, als der ‚Interpretationsspielraum‘ der vorgegebenen Regeln und Rollen durch den ‚Rolleninhaber‘. Und diese ‚Spielräume‘ sind genau das, was Organisationen ‚vital‘ macht, flexibel und kreativ – aber auch unheimlich (sofern man diesen ‚Faktor‘ des ‚Unbegreiflichen‘ begreifen will); das, was sie ‚unberechenbar‘ und ‚rätselhaft‘ macht (wie in Kafkas ‚Schloß‘ so treffend beschrieben).

‚Wer viel fragt, der geht viel irr!‘ – Organisationen funktioneren, weil jeder Rolleninhaber sich seine ‚Freiheiten‘ nimmt, nicht weil er sie (die Freiheit) als Aufgabe von anderen übergeben bekommen hat. Freiheit ist immer mit Risiko verbunden, dem Risiko in Konflikte verwickelt zu werden. In solchen Konflikten wächst man, erstarrt oder zerbricht man.  Um dieses Risiko kalkulierbar zu machen, brauchen wir Regeln und definierte Verfahren der Konfliktaustragung. Wenn der Einzelne zu sehr ‚von der Rolle ist‘, dann kommt er in die Klappsmühle. Wenn das gesamte Kollektiv ‚von der Rolle ist‘, dann gibt es Krieg und Bürgerkrieg, Anarchie (ja, ja,  es gibt sie – die ‚Kreativität des Marktes‘, aber auch die ‚Anarchie des Marktes‘).

Was zu lernen ist, und was die Menschheit bis zu einem gewissen Grad auch gelernt hat, ist also der ‚weise Gebrauch‘ von FREIHEIT.  Freiheit ist nicht definierbar, aber lebbar. Jeder weiß genau, was er als Unfreiheit erlebt; und wann ein höherer Grad an gemeinsamer Freiheit entstanden ist, ein höherer Grad von lebendiger sozialer Ordnung. Freiheit ist Ordnung, was sonst?

Lasst uns ‚frei‘ darüber reden und forschen, was wir als Unfreiheit erleben – und wir werden gemeinsam freier im Umgang werden. Wer aber dabei von ‚transparenten Freiheitsvorstellungen‘ ausgeht, der hat sich schon in seine Vorstellungen von Freiheit und Transparenz eingesperrt.

Man stelle sich vor, alle Menschen wären einander so transparent in Gedanken, Worten,  Werken, Wahrnehmungen und Vorstellungen, so wie nackte Menschen, die einander am Strand begegnen. Er wäre ein Horror!

Dass der ‚Urgrund‘ unseres Seins und Zusammenlebens nicht auf diese Art ‚transparent‘ ist, das ist ein wahrer Segen. Das macht das Leben erst spannend, aufregend und interessant. – Aber klar doch, bei allen ‚Überraschungen‘, die wir uns selber und anderen so ständig und notwendigerweise bereiten, ist eine gewisse Berechenbarkeit und Voraussagbarkeit unabdingbar. Für gewöhnlich nennt man diesen Aspekt des Zusammenlebens VERTRAUEN. Ohne Vertrautheit und Vertrauensgrundsatz würde man aus Angst vor den unabsehbren Folgen seine Tuns nicht einen Schritt vor den anderen setzen können.

Also lautet die ‚Formel‘: Vertrauen ist gut und notwendig, aber ebenso auch Kontrolle und Berechenbarkeit. Sie müssen sich ‚die Waage halten‘, wenn das Zusammenleben lebenswert sein soll.

Derzeit schlägt das Pendel ganz stark Richtung ‚Kontrolle‘ aus. Je mehr Vertrauen verlorengeht, desto mehr soll sie durch Kontrolle ersetzt werden. – Solch eine Bewegung ist aber ein sich selbst verstärkender Teufelskreis.

Ohne freie Untersuchung, was uns so ängstlich und unsicher macht, werden wir im Käfig der Diktatur landen. Das ist so sicher wie das Amen in Gebet….. Vertrauen ineinander und in etwas entsteht nur durch genaue Prüfung, durch eingehendes gemeinsames Studium……

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