Wofür nehme ich mir eigentlich Zeit?

Hamsterrad

Apropos ‚Zeitmanagement‘:

„Lewis Mumford, sagte, dass die zentrale Erfindung des industriellen Zeitalters die mechanische Uhr und nicht die Dampfmaschine, oder ähnliches war. Mit Beginn des Industriezeitalters wurde Zeit in ein messbares ‚entäußertes‘ Ding verwandelt, dem die subjektive und menschliche Dimension abhandengekommen ist. Selten aber doch haben wir heute noch Zugang dazu, immer dann, wenn wir etwas mit allen unseren Sinnen erfahren und tun. Dann hat Zeit eine andere Qualität und Bedeutung für uns.“ – Jacob Needleman. ‚The Soul’s Internal Clock‘

„Zeit ist Leben. Ohne Zeit kein Leben, ohne Leben keine Zeit. Mit der
Geburt wird der Mensch in die Zeit gesetzt und in der Stunde des Todes verlässt sie ihn wieder. Ein untrüglicher Beweis, dass die Zeit den Menschen und nicht der Mensch die Zeit beherrscht…. Man kann aber lernen, sich damit abzufinden, von der Zeit abhängig zu sein, und souverän mit dieser Abhängigkeit umzugehen.“ – Prof. Dr. Karlheinz Geißler

Ich würde es eher so sagen (und ich habe 25 Jahre Zeit- und Selbstmanagement unterrichtet):

Leben findet immer nur ‚jetzt‘ statt. Wer aber ganz im jeweiligen Tun aufgeht, der lebt ‚jetzt‘, und der erlebt solches Tun ‚zeitlos‘. Selbstverständlich vergeht auch während solcher Tätigkeiten messbare Uhrzeit, denn alles Tun hat einen Anfang und ein Ende (als ‚Dauer‘). Daher ist ‚Timing‘ und Zeitplanung sinnvoll und notwendig, andernfalls kann man mit anderen nicht sinnvoll abgestimmt zusammen arbeiten. Und darüber hinaus ist Zeit sehr oft auch ‚Geld‘: zumeist rechnen wir mit anderen in den von uns investierten Lebenszeiteinheiten ab (wenn Arbeit geleistet wird). Aber wir planen nicht ‚Zeit‘ (sie ist bloß eine Maßeinheit), sondern ausschließlich unser ‚Tun in der uns verfügbaren Zeit‘. Zeitplanung ist damit immer nur Tätigkeitsplanung, und all das, was nicht so geplant werden muss, verbuchen wir als ‚freie Zeit‘, als frei und spontan gestaltbare Zeit. Souveräner Umgang mit der Zeit besteht daher aus einem ‚gesunden Mix: a) aus realistischer Tätigkeitsplanung und der konsequenten Umsetzung dieser Tätigkeiten lt. Plan, und b) aus ‚ungeplanten Zeitabschnitten‘, in denen spontan Leben passieren kann (wie und was auch immer).

Realistische Zeitplanung beinhaltet machbare Zeitvorgaben für notwendige Routine – Tätigkeiten plus das Einplanen von Pufferzeiten für Unvorhersehbares bei der Durchführung solcher Tätigkeiten (etwa im Verhältnis von 60:40).

Wichtig (vielleicht das Wichtigste!): Wer aber nicht schon während einer Tätigkeit Befriedigung finden kann, der wird diese nie finden. Denn ‚zukünftige Belohnungen‘ liegen immer in der Zukunft, und in dieser kommt man nie an. Und wer es jedoch versteht, im Hier-und-Jetzt‘ zu leben, der hat wenig bis keine Probleme mit Zeitplanung. Denn diese ist dann nur bloß noch eine ‚technische Übung‘…. . Wer sich aber unter Zeitdruck gesetzt fühlt, der hat sich selbst unter Druck gesetzt. Das ist dann mehr ein psychologisches Problem, als ein Problem der Zeitplanung. Denn Zeit kann man nie ‚haben‘, man kann sie sich nur ‚nehmen‘- und zwar immer nur ‚jetzt‘. Jetzt plane ich, und jetzt setze ich das Geplante um.“

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s