Wenn alle Sinne harmonisch zusammenwirken……..

„Denn wir wollen uns
nicht nur herzen
sondern auch munden
und hauten und haaren
und armen und brüsten und bauchen
und geschlechten
und wieder handen und füßen.“

Erich Fried

Bild unten: ©Andrea Garber
 Mit allen Sinnen...

Wir leben durch unsere Sinne.

Einer von ihnen dominiert gewöhnlich; das Hören, das Sehen, das Schmecken usw. scheinen getrennt voneinander zu sein, aber ist dies eine Tatsache? Oder ist es so, dass wir dem einen oder dem anderen größere Bedeutung beigemessen haben – beziehungsweise, dass ihm das Denken die größere Bedeutung beigemessen hat? Man kann großartige Musik hören und Freude daran haben und trotzdem gefühllos anderen Dingen gegenüber sein. Man kann einen feinsinnigen Geschmack haben und einer zarten Farbe gegenüber völlig stumpf sein; das ist Fragmentation. Wenn jedes Fragment sich nur seiner selbst bewusst ist, wird die Fragmentation aufrechterhalten. Die Energie wird auf diese Weise zerteilt. Wenn das so ist, und es scheint so zu sein, gibt es dann ein nicht fragmentiertes Bewusstsein aller Sinne? Und das Denken ist Teil der Sinne. Das bedeutet – kann der Körper sich seiner selbst bewusst sein? Nicht Sie sind sich Ihres eigenen Körpers bewusst, sondern der Körper selbst ist sich bewusst. Es ist sehr wichtig, das herauszufinden. Niemand anders kann Sie das lehren: sonst wäre es Information aus zweiter Hand, die das Denken sich selbst auferlegt.

Sie müssen für sich selbst entdecken, ob der ganze Organismus, das physische Gebilde, sich seiner selbst bewusst sein kann. Sie sind sich vielleicht der Bewegung eines Armes, eines Beines oder des Kopfes bewusst und haben durch diese Bewegung das Gefühl, dass Sie sich des Ganzen bewusst werden, unsere Frage ist aber: Kann der Körper sich seiner selbst ohne jede Bewegung bewusst sein? Es ist sehr wichtig, dass man das herausfindet, denn das Denken hat dem Körper sein Muster aufgezwungen, d. h. das, was es für die richtige Art körperlicher Übung, Ernährung usw. hält. Das Denken herrscht also über den Organismus; bewusst oder unbewusst besteht ein Kampf zwischen dem Denken und dem Organismus. Auf diese Weise zerstört das Denken die natürliche Intelligenz des Körpers. Hat der Körper, der physische Organismus, seine eigene Intelligenz? Das hat er, wenn alle Sinne harmonisch zusammenwirken, so dass keine Anstrengung besteht und das Verlangen keine emotionalen oder sinnlichen Forderungen stellt. Wenn man hungrig ist, isst man, und gewöhnlich diktiert der Geschmack, der sich durch Gewohnheiten bildet, das was man isst. Also findet Fragmentierung statt. Ein gesunder Körper kann nur durch die Harmonie aller Sinne hervorgebracht werden, und das bedeutet Körperintelligenz. Wir fragen: Bringt nicht Disharmonie Energievergeudung mit sich? Kann die eigene Intelligenz des Organismus, die durch das Denken unterdrückt oder zerstört wurde, geweckt werden?

Erinnerungen verwüsten den Körper. Die Erinnerung an das Vergnügen von gestern macht das Denken zum Herrn über den Körper. Der Körper wird dann ein Sklave dieses Herrn, und die Intelligenz ist ausgeschaltet. Es besteht also ein Konflikt. Dieser Kampf kann sich als Trägheit, Müdigkeit, Gleichgültigkeit oder durch neurotische Reaktionen ausdrücken. Wenn der Körper seine eigene Intelligenz vom Denken befreit hat, obwohl das Denken ein Teil davon ist, wird diese Intelligenz auf das eigene Wohlbefinden achten.

Vergnügen beherrscht unser Leben – in sehr roher oder hochkultivierter Form. Und Vergnügen ist seinem Wesen nach eine Erinnerung – das, was gewesen ist oder erwartet wird. Vergnügen liegt niemals im jetzt. Wenn das Vergnügen abgelehnt, unterdrückt oder blockiert wird, dann entstehen aus dieser Frustration neurotische Handlungen wie Gewalt und Hass. Dann sucht das Vergnügen andere Formen und Auswege: Zufriedenheit und Unzufriedenheit entstehen. Sich all dieser Aktivitäten physisch und psychisch bewusst zu sein, erfordert, dass man den gesamten Vorgang des eigenen Lebens beobachtet.

Wenn sich der Körper seiner selbst bewusst ist, dann können wir eine weitere und vielleicht schwierigere Frage stellen: Kann das Denken, das dieses ganze Bewusstsein zusammengesetzt hat, sich seiner selbst gewahr sein? Die meiste Zeit beherrscht das Denken den Körper, und dadurch verliert der Körper seine Vitalität, seine Intelligenz, seine eigene innere Energie, und daraus entstehen neurotische Reaktionen. Ist die Körperintelligenz verschieden von der totalen Intelligenz, die nur zustande kommen kann, wenn das Denken seine eigene Begrenzung wahrnimmt und seinen richtigen Platz findet?

Aus: J. Krishnamurti, ‚Empfindsamkeit‘, 1. Juli 1979

Ja, man kann einen feinen Geschmack haben und einer zarten Farbe gegenüber völlig stumpf sein; das ist fragmentierte Wahrnehmung.  Gibt es ein nicht fragmentiertes Bewusstsein aller Sinne?

Dieses nicht fragementierte Bewusstsein aller Sinne, es wäre das, was wir – seelische Gesundheit nennen!

„Das vegetative Nervensystem basiert auf der Wechselwirkung zweier antagonistischer Teilsysteme, dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Der Sympathikus sorgt für Spannung und Energiesteigerung und der Parasympathikus für Entspannung. Wenn die Funktion des Sympathikus stärker ist als die des Parasympathikus, werden die Denkprozesse im Bewusstsein aktiviert. Wenn umgekehrt die Funktion des Parasympathikus stärker ist als die des Sympathikus, tritt die Wahrnehmung der Sinne in den Vordergrund und wir haben ein starkes Empfinden unseres Körpers. Wenn diese beiden Teilsysteme des vegetativen Nervensystems im Gleichgewicht sind, hebt sich ihre Wirkung auf, d. h. Denken und Wahrnehmen werden zunehmend schwächer oder verschwinden. In diesem Augenblick ist das Gleichgewicht aller physischen, psychischen und geistigen Funktionen erreicht, und diese Verfassung von Körper und Geist wird shinjin datsuraku genannt. So bedeutet shinjin datsuraku »Das Fallenlassen von Körper und Geist«, das heißt die Befreiung von dem gewöhnlichen Bewusstsein von Körper und Geist.“ – – Aus: Einführung in das Shôbôgenzô, von Gudô Wafu Nishijima Rôshi

…“And this is really the essence of what I want to talk to you about. Because, you see, to be detached from the world, in the sense Buddhists, Taoists, and Hindus will often talk about detachment, does not mean to be non participative. You can have a sexual life, very rich and very full, and yet all the time be detached. By that I dont mean that you just go through it mechanically and have your thoughts elsewhere. I mean a complete participation but still detached. And the difference of the two attitudes is this. On the one hand, there is a way of being so anxious about physical pleasure, so afraid that you won’t make it, that you grab it too hard. That you just have to have that thing! And if you do that, you destroy it completely. And therefore after ever attempt to get it, you feel disappointed, you feel empty, you feel something was lost. And therefore you want it again. And you have to keep repeating,repeating, repeating – because you never really got there and it is this that is the hang up. This is what is meant by attachment to the world, in an evil sense.

But on the other hand, Pleasure in its fullness, cannot be experienced when one is grasping it. I knew a little girl to whom someone gave a bunny rabbit. She was so delighted by the bunny rabbit, and so afraid of losing it, that taking it home in the car, she squeezed it to death with love. And lots of parents do that to their children. And lots of spouses do it to each other. They hold on too hard, and so take the life out of this transient, beautifully fragile thing that life is…To have it, to have life, and to have its pleasure, you must at the same time let go of IT!“ – Alan Watts, Eastern Wisdom and Modern Life, Collected Talks 1960–1980

Video: Secret of Happiness

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