‚Erlebte Sicherheit‘ vs. ‚objektiv garantierte Sicherheit‘

 

Vom Wert des ’souveränen ‚Nein, Danke!‘

In Zeiten scheinbar oder tatsächlich zunehmender Bedrohung sei an Marianne Gronemeyers Unterscheidung zweier Sicherheitsvorstellungen erinnert, ‚Erlebte Sicherheit‘ und ‚objektiv garantierte Sicherheit‘.

Erlebte Sicherheit:
Hätte mit Selbstermächtigung zu tun, mit Selbstkenntnis: „Sie beruht auf meinen Fähigkeiten, meiner Erfahrung, meiner Geschicklichkeit, meinem Vertrauen“. Diese Sicherheit sei zu erlangen, indem man sich mit sich und anderen befreunde. Die Fähigkeiten, die man dazu erwerben muss, seien „solche des Aushalten-Könnens, des Erleiden-Könnens und natürlich vor allem Fähigkeiten des Unterlassen-Könnens, des Verzichts, des souveränen ‚Nein, Danke!‘“

Garantiere Sicherheit:
„Im zweiten Fall“, der Orientierung an den von Experten definierten Sicherheitsstandards, „hängt die Sicherheit davon ab, gegen welche Gefahren ich gewappnet bin. (Die Wappnung und die Waffen sind gleichen Wortursprungs). Diese Sicherheit zwingt mich, mich einer grundsätzlich feindseligen Lebensumwelt zu erwehren. Mein Blick wird auf Gefahrenerkennung spezialisiert. Misstrauen wird zur Tugend und sorge zum Grundgefühl des Lebens. Immer neue Mittel wollen gefunden und erfunden werden, um antizipierte Gefahren zu bannen. Und wo eine Gefahr gebannt wurde, geht die fieberhafte Suche nach neuen Gefahrenquellen los, die ihrerseits den Erindergeist enorm anstachelt. Kurzum: Mein Leben hängt daran, dass ich gut gerüstet bin gegen die Fährnisse des Lebens: Prävention. Diese Sicherheit kennzeichnet unseren Industriegesellschaftlichen Alltag. Sie wird industriell und bürokratisch gefertigt.“

Wenn man diese Unterscheidung treffen will (und ich finde es sinnvoll, sie zu treffen), weil sie eine Unterscheidung einführt, welche grundsätzlich verschiedene Grundhaltungen dem Leben gegenüber sichtbar machen kann (nämlich Orientierung an Selbstorganisation vs.Fremdbestimmung durch Verwaltung und Industrie), dann sieht man sofort, warum die Mächtigen uns in permanente Bedrohungslagen versetzen müssen. Das garantiert die Statussicherheit der Bürokraten und garantiert Nachfrage nach industrieller Produktion von Sicherheitsgütern. Angst wird produziert, damit Sicherheit hergestellt werden kann. Paradox!

Aber dieser ganze Mechanismus hat sich in der Zwischenzeit beinahe völlig verselbstständigt, fürchte ich. Wir, die diesen paradoxen Mechanismen Unterworfenen, verlangen perverserweise nach dem, was uns noch abhängiger macht, weil die ‚Umstände‘ tatsächlich danach geworden sind. Und die Machthaber können auch nicht mehr anders, als den Imperativen dieses System zu folgen. Irgendwie ein Teufelskreis, der sich immer schneller zu drehen beginnt……Wenn das so wäre, dann müsste man sich mit diesem Teufelskreis vertraut machen, sich mit ihm so anfreunden, dass man wieder zur ‚Selbstermächtigung‘ kommt, zum „souveränen Nein, Danke!“

http://www.marianne-gronemeyer.de/resources/Essen+2012+Gesundheitstagung.pdf

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