George Tabori: Die Lebenseinstellung eines seelisch gesunden Menschen ?

„Ich habe nie geplant, nur gehofft.“ (G. Tabori)

Aber auch das ‚Hoffen‘ will gelernt sein. Denn: ‚Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.‘

Es gibt aber eine Art ‚Lebenshoffnung‘, welche das ‚Närrische‘ am ‚hoffenden‘ Leben offensichtlich macht: Absurde Komik. Schwarzer Humor vs. gelernte Dummheit („Mein schwarzer Humor, in den ich geflüchtet bin“, sagt Tabori), ja, das ist es!!! So kann man ‚entkommen‘. Denn die operative Hektik in Form rastloser Tätigkeit, die hängt immer nur an nahe liegenden Zielen, sie hat in ihrer Distanzlosigkeit zu sich selbst von sich und der Welt kein umfassendes und damit kein von Dummheit ‚befreiendes‘ Bild.

Der ‚Spielemacher‘ George Tabori über sich: „Was, wie ich annahm, meine Seele rettete, waren rein animalische Neugier, auf auch Verrücktes, und eine nebulöse moralische Haltung, niemals, was auch immer geschehen möge, niemals so zu werden wie die.“„Ich hatte ein wunderbares Leben, gesegnet von schierem Glück und mehreren gezielten Anschlägen. (An einem sonnigen Morgen, als ich die Earl’s Court Road entlang zum Bäcker ging, blieb ich kurz stehen, um meine losen Schnürsenkel zu binden und wurde vor einer V 2 bewahrt, die an mir vorbei in die Bäckerei einschlug. Kein Croissant blieb übrig.) Ich habe nie geplant, nur gehofft.“ —– Taboris zentrale Themen waren das Grauen von Rassismus und Massenmord und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Auf geniale Weise setzte er dem Furchtbaren eine absurde Komik entgegen – als Regisseur, als Stückeschreiber und privat.

Aus einem Interview:

Interessieren Sie sich für das Böse im Menschen?

TABORI: Ja, aber ich weiß nicht, ob ich darüber sprechen will.

In Ihrem Theaterstück »Mein Kampf« zeigen Sie sogar für Hitler Verständnis.

TABORI: Natürlich.

Seine Untaten erklären Sie damit, daß er in seiner Jugend keine Liebe bekam.

TABORI: Wie soll man es sonst erklären?

Auch der Jago in Ihrer Inszenierung von Shakespeares »Othello« wird zum Verbrecher, weil er sich ungeliebt fühlt.

TABORI: Ja, aber das ist nicht der einzige Grund. Erklärungen sind immer fragwürdig, auch wenn sie einleuchtend scheinen. Davon abgesehen glaube ich schon, daß die Liebe aus uns bessere Menschen macht.

Meinen Sie, das Böse ist aus der Welt zu schaffen?

TABORI: Die Welt ist so groß.

Sie sind Optimist?

TABORI: Nein.

Wie schützen Sie sich vor der Verzweiflung?

TABORI: Indem ich Theater mache. Wenn man so viel arbeitet wie ich, ist man von allem anderen abgelenkt. Was sonst in der Welt geschieht, erlebt man dann nur als Geschichten, die in der Zeitung stehen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s