Perspektivenwechsel üben

Eine zentrale Methode zur Lösung verinnerlichter äußerer Konflikte – und damit ein Kernstück von Psychohygiene als ‚Resilienztraining‘ – ist der Perspektivenwechsel und der offene Dialog.

Anbei die Arbeitsblätter:

1. Perspektivenwechsel

2. Offener Dialog als Achtsamkeitsübung

3. 4 dialogische Grundfertigkeiten

4. Dialog und Diskussion

P.S..

‚Perspektivenwechsel üben‘ ist keine leichte Sache. Sie fällt auch ‚großen Geistern‘ schwer. Ich  möchte zum Beweis dieser Behauptung auf das Beispiel SIR KALR POPPER verweisen. Hier die ‚Geschichte‘.

Gedankeninhalte, Theorien und Argumente sind nicht das Resultat subjektiven Denkens, insofern sie, im Hinblick auf wahr oder falsch, objektive Sachverhalte betreffen und damit intersubjektiv überprüfbar sind, sagte der Phlosoph Popper.

Den Bereich der „objektiven Theorien“ nannte er „Welt 3“, im Unterschied zur „Welt 1“ der „physikalischen Gegenstände“ und zur „Welt 2“ der „subjektiven Bewußtseinszustände“. Nicht das subjektive Verstehen, sondern die objektive Möglichkeit des Verstandenwerdens macht nach ihm allein „Wissen“ aus, was für ihn ein „objektives Wissen“, das auch bestehen mag, ohne daß ein Mensch es je wissen könnte, nicht ausschließt. Poppers „Welt 3“ ähnelt in gewisser Hinsicht Platons Welt der Ideen.

Die ‚objektive Möglichkeit des Verstandenswerdens‘, was soll das sein? Popper sagt selbst, dass keine Theorie (‚Idee‘) je bewiesen werden könne, dass alles Wissen ausschließlich hypothetitsch sei. Wie kann es dann ‚objektiv wahre‘ Theorien geben? Es kann bestenfalls ‚intersubjektiv wahres‘ Wissen geben, d.h. kulturell gemeinsam geteilte Hypothesen. Popper war also ein ‚verkappter‘ Platonist. Seine 3-Weltentheorie führt sich selbst ad absurdum. Dennoch tun wir heute – in all unserer Technikverliebtheit – so, als hätte Popper mit seinen Vorschlägen recht….. . Kein Wunderalso, dass unsere Lebensweise immer ‚absurder‘ wird.

„In Professor Poppers Ordnungsschema“, sagt der britische Historiker Edward Hallett Carr, „ist der Status der Vernunft dem eines britischen Staatsbeamten ziemlich ähnlich, der dazu qualifiziert ist, die politischen Ziele der Regierung, die am Ruder ist, wahrzunehmen, und womöglich sogar praktische Vorschläge zu ihrer Verbesserung zu machen, nicht aber dazu ihre fundamentalen Voraussetzungen oder letzten Ziele in Frage zu stellen.“

Man vergleiche die staatstragende ‚theoretische Dürre‘ eines Herrn Sir Karl Popper mit der ‚Lebensfrische‘ und Lebensfreude eines Henry David Thoreau: „Wenn Tag und Nacht so sind, dass man sie freudig begrüsst, und das Leben nach Blumen und süßen Kräutern duftet, wenn es federt, strahlt, unsterblich ist – das ist Erfolg. Die ganze Natur beglückwünscht Dich, und du hast guten Grund, dich für diesen Augenblick glücklich zu preisen.“

Und Paul Feyerabend, einer der berühmtesten ‚Schüler‘ Poppers, war zugleich auch sein schärfster Kritiker: „Eine einheitliche Meinung mag das Richtige sein für eine Kirche, für die eingeschüchterten oder gierigen Opfer eines (alten oder neuen) Mythos oder für die schwachen und willfährigen Untertanen eines Tyrannen. Für die objektive Erkenntnis brauchen wir viele Ideen. Und eine Methode, die die Vielfalt fördert, ist auch als einzige mit einer humanistischen Auffassung vereinbar.“ Und zu Poppers Rolle als ‚Wissenschaftspolizist‘ sagt er: „Die wissenschaftliche Forschung, sagt Popper, beginnt mit einem Problem und schreitet fort zu seiner Lösung. Diese Kennzeichnung berücksichtigt nicht, dass Probleme falsch formuliert sein können, dass man hinter Eigenschaften von Dingen her sein kann, die es nach späteren Auffassungen gar nicht gibt. Solche Probleme werden nicht gelöst, sie werden aufgelöst und aus dem Bereich der sinnvollen Forschun ausgeschieden. Beispiele sind das Problem der absoluten Geschwindigkeit der Erde [oder] das Problem der Bahn von Elektronen in einem Interferenzmuster.. .“

Und Feyerabend weiter:

„Dass Interessen, Macht, Propaganda und Gehirnwäschemethoden in der Entwicklung der Erkenntnis und der Wissenschaft eine viel größere Rolle spielen, als allgemein angenommen wird, das lässt sich auch an einer Analyse des Verhältnisses von Denken und Handeln erkennen. Es wird oft für selbstverständlich gehalten, dass ein klares und deutliches Verständnis neuer Ideen ihrer Formulierung und Institutionalisierung vorangeht und vorangehen sollte. (Eine Untersuchung beginnt mit einem Problem, sagt Popper.) Zuerst hat man einen Gedanken oder ein Problem, dann handelt man, d.h. redet, baut oder zerstört. Doch so entwickeln sich gewiss nicht kleine Kinder. Sie gebrauchen Wörter, verbinden sie, spielen mit ihnen, bis sie eine Bedeutung erfassen, die ihnen bisher unzugänglich war. Und die anfängliche spielerische Tätigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für das schließliche Verstehen.
Es gibt keinen Grund, warum dieser Mechanismus beim Erwachsenen nicht mehr arbeiten sollte. Es ist beispielsweise zu erwarten, dass die Idee der Freiheit erst im Verlauf jene Handlungen klar wird, die nötig sind, um die Freiheit zu schaffen. Die Schaffung eines Gegenstands und die Schaffung und das vollständige Verständnis einer richtigen Vorstellung von dem Gegenstand gehören sehr oft zu ein und demselben unteilbaren Vorgang und lassen sich nicht trennen, ohne diesen zu unterbrechen.“

Also wäre Poppers theoretische Annahmen selbst nicht falsifizierbar sondern erst vermittels lebenspraktischer Alternativen ergänzbar bzw. kritisierbar?

Ja, so ist es. Denn wie soll man metaphysische Annahmen (‚Paradigmen‘) widerlegen‘ können? Funktionieren sie doch als ‚Erklärungsprinzipien‘, als ‚a priori-gültiger Bezugsrahmen’… . Seltsam ist nur, dass Popper seine eigene Metaphysik nicht ’sehen‘ konnte, sondern diese ‚objektivierte‘. Na, ja, das ist halt ‚alter Brauch‘ bei beamteten ‚Staatsphilosophen‘. ‚Perpektivenwechsel ist nicht ihre ‚Stärke’…… sondern das ‚propagieren bestimmer Sichtweisen‘.

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