Was Not tut: Der kindlich– offene Blick aufs Leben!

Das, was wir als ‘reale Welt’ (erlebte Wirklichkeit) bezeichnen, was ist das?

Nicht nur all das, was uns gerade objektiv ‚umgibt’, die Welt beinhaltet auch all unsere Beziehungen zu den uns umgebenden Dingen und Menschen, zu uns selbst, zu all den Ideen über die Welt. D.h., Welt ist auch bestimmt durch unsere Haltungen. Haltungen gegenüber Zeit, Eigentum, Menschen, Ideen – sie ist für jeden von uns tatsächlich unsere Beziehung zum Strom der Ereignisse, also zu dem, was wir ‚Leben’ nennen. Das bedeutet für uns ‚Welt’ / ‚Wirklichkeit’.

Wir sehen diese Welt unterteilt in Nationen, religiöse, ökonomische, politische, soziale und ethnische Gruppierungen; die Einheit des Weltganzen erscheint uns gespalten,  fragmentiert, im Äußeren wie im Inneren. Tatsächlich sind die äußeren Spaltungen die Manifestationen (Projektionen) der inneren Spaltungen der Menschen.

Denn das Leben in einer fragmentierten Welt wird mit der Zeit für jeden von uns zu einem ‚großen Problem’, weil wir  in einer solchen Welt die meiste Zeit mit ‚inneren’ und ‚äußeren’ Widrigkeiten konfrontiert werden, mit Stress, Anfeindungen, Missachtungen, Gefahren, etc. Wenn wir uns z.B. an widersprüchliche Rollenerwartungen anpassen (‚double bind’), dann werden wir ‚neurotisch’ oder ‚psychotisch’, d.h. innerlich ‚zerrissen’. Unser Leben zerfällt dann in ein ‚persönliches Innenleben’ und eine öffentliche ‚äußere Fassade’; unser Leben verfängt sich in viefältigsten neurotischen ‚Spielchen’, die wir mit anderen gemeinsam spielen, vor allem mit unseren ‚Liebsten’.

Um in dieser zerrissenen Welt ‚ganz Ich’ sein zu können, integer, d.h. einfach ‚Da’, muss man also mal alles in Frage stellen, freimütig untersuchen können; muss man alle ‚stillschweigenden Voraussetzungen’ unseres Welterlebens erkennen, um sich von ihnen frei zu machen. Diese notwendige Neugier ist die selbstverständlichste Sache der Welt, es ist nämlich nichts anderes als die ‚unschuldig kindliche Neugier’ – mit der wir alle als Kinder ausgestattet worden waren. Und zu dieser Spontaneität müssen wir wieder zurück (jedoch ohne Preisgabe all des pragmatischen Wissens, das wir in der Zwischenzeit erworben haben) wenn wir aus dem Leben nicht ein ‚unendlich großes Problem’ machen wollen, eines, das uns letztlich mit der Zeit er- und bedrückt (‚ausbrennen’).

Dazu folgendes Gedicht von Rilke:

Du musst das Leben nicht verstehen

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf

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